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Kooperation mit Gaz VW hängt in Russland in der Warteschleife

Der VW-Konzern muss sein Russlandgeschäft neu aufstellen. Doch Washington bremst die Wolfsburger in ihren Plänen aus.
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Der Wolfsburger VW-Konzern würde seine Zusammenarbeite mit dem russischen Lkw-Partner Gaz gerne ausbauen. Quelle: Bloomberg/Getty Images
Produktion bei Gaz

Der Wolfsburger VW-Konzern würde seine Zusammenarbeite mit dem russischen Lkw-Partner Gaz gerne ausbauen.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

MoskauVW wird ungeduldig: Der Autokonzern wartet auf das Ende der Verhandlungen zwischen der US-Regierung und Vertretern des russischen Oligarchen Oleg Deripaska über die Aufhebung der Sanktionen gegen dessen Automobilholding Russian Machines und deren wichtigstes Aktivum, den Konzern Gaz. Das US-Finanzministerium hatte den Milliardär im April 2018 in den Sanktionskatalog aufgenommen, weil es ihm die Einmischung in die amerikanischen Präsidentenwahlen vorwirft.

Nicht nur der kremlnahe Oligarch selbst, auch sein gesamtes Firmenimperium landete damals auf der schwarzen Liste. Nach zähen Verhandlungen hat Washington inzwischen den global agierenden Aluminiumkonzern Rusal von der Liste gestrichen – Deripaska musste allerdings dafür die Kontrolle an Rusal aufgeben.

Ähnliches wird früher oder später auch bei Gaz geschehen müssen – und wenn es nach VW geht, lieber früher als später. Denn der russische Automobilbauer; einst für die sowjetische Limousine Wolga bekannt, inzwischen vor allem bei der Produktion von Kleintransportern erfolgreich, ist ein enger Partner der Wolfsburger in ihrem Russlandgeschäft: Mehr als ein Viertel der in Russland hergestellten VW- und Skoda-Modelle läuft bei Gaz in Nischni Nowgorod vom Band. 2018 waren das immerhin 56.500 Fahrzeuge; ein Plus von 15,3 Prozent.

Zudem haben beide Konzerne 2017 die Erweiterung der Kooperation vereinbart – mit der Übernahme von Gaz-Anteilen durch VW und der Lieferung von VW-Dieselmotoren aus Salzgitter für den russischen Kleintransporter Gazelle. „Die Motoren sind inzwischen getestet, aber durch die Sanktionen sind wir gezwungenermaßen in Wartestellung“, sagte Gaz-Vorstandschef Siegfried Wolf, früher CEO des österreichisch-kanadischen Zulieferers Magna, dem Handelsblatt.

VW ist stark am weiteren Ausbau der Beziehungen interessiert. Neben der Beteiligung an Gaz ist für den deutschen Automobilkonzern der Special Investment Contract (russische Abkürzung SPIC) der Russen besonders interessant. Der SPIC gilt für zehn Jahre und sieht Steuervergünstigungen und Subventionen für Investoren vor. Im Grunde ist er ein Instrument der russischen Regierung, um ausländische Konzerne dazu zu bewegen, Produktion in Russland aufzubauen.

Bis zum Sommer muss VW einen solchen Vertrag unterzeichnen, um nicht die staatlichen Beihilfen zu verlieren. Der Konzern hat bereits einen Antrag gestellt. Allerdings sind die Vorgaben hart. So ist die langjährige Forderung des Industrieministeriums, die Schaltgetriebe in Russland herzustellen, für VW wirtschaftlich nicht sinnvoll.

Lieber würde VW daher als Partner in den SPIC einsteigen, den Gaz schon unterzeichnet hat. In das Gemeinschaftsprojekt würden Gaz und VW knapp 200 Millionen Euro investieren, zusätzlich zu den fast 300 Millionen Euro, die Gaz ohnehin schon zugesichert hat. Die Mittel sollen in die Weiterentwicklung mittelschwerer Nutzfahrzeuge des Typs „Gaz“ und von Schwerlastern des Typs „Ural“ gehen.

Daneben ist auch der Aufbau der Montageproduktion des Kleintransporters VW Crafter und der Lkw-Marke MAN angedacht. Bis 2024 soll der Produktionsumfang hier auf 10.000 beziehungsweise 14.000 Stück steigen. Allein für den russischen Markt ist das zu viel, doch VW hat bereits gute Erfahrungen damit gemacht, einen Teil der russischen Produktion in andere Staaten zu exportieren.

So hat das Unternehmen unter anderem russische Polo-Modelle nach Mexiko verschifft. Eine Kooperation im wachsenden Nutzfahrzeugmarkt (plus 2,7 Prozent) ist durchaus sinnvoll. Beide würden sich mit Know-how und Serviceleistungen auf dem russischen Markt gut ergänzen.

Gaz hat bei der Unterzeichnung des Investmentvertrags mit der Regierung VW nicht namentlich genannt, laut Manager Wolf wurde das Projekt aber speziell mit Blick auf die Partnerschaft mit den Deutschen gemacht. Doch wann es losgeht, ist unklar. Für den Startschuss müssen erst die Sanktionen fallen.

Das US-Finanzministerium hat zuletzt die Frist für eine Beendigung aller Kontakte mit Gaz bis zum 7. März verlängert. „Wir hoffen auf eine Lösung in den nächsten zwei Wochen“, sagte Wolf. Neben einer erneuten Fristverlängerung müsse aber dabei auch eine endgültige Lösung gefunden werden, fordert er.

Ansonsten drohe entweder die Verstaatlichung oder fast 80.000 Mitarbeitern das Aus, internationalen Partnern drohten herbe Verluste. „Deripaska ist bereit, die Forderungen Washingtons zu erfüllen“, versichert Wolf. Sprich: auf seine Anteile zu verzichten.

Da für VW ohne die Kooperation das Überleben auf dem russischen Markt schwer wird, läuft die Suche nach einem Kompromiss fieberhaft. VW selbst will aus Angst um sein US-Geschäft nicht einsteigen, solange die Sanktionen nicht aufgehoben sind.

Theoretisch wäre dies aber über einen ähnlich dem Rusal-Geschäft gearteten Deal möglich. Dort ist die Staatsbank VTB als neuer Teilhaber eingestiegen. Diese gilt allerdings nur als Mittler und dürfte die Anteile später weiterverkaufen. Dieses Modell würde sich bei Gaz für VW anbieten.

Der russische Automarkt an sich bleibt nämlich für die Wolfsburger wichtig. 2018 ist der Pkw-Markt insgesamt um 12,8 Prozent auf insgesamt 1,8 Millionen Neufahrzeuge gewachsen. Die VW Group konnte davon überproportional profitieren und hat ihren Absatz um 20,4 Prozent gesteigert. Auch für 2019 sei er „gedämpft optimistisch“, sagte der Chef des Automobilkomitees bei der Assoziation des Europäischen Business (AEB), Jörg Schreiber.

Die AEB erwartet in diesem Jahr angesichts der gestiegenen Mehrwertsteuer zwar keine zweistelligen Zuwachsraten mehr, aber immerhin ein Wachstum von 3,6 Prozent. Auch bei VW sieht man Potenzial. „Beim Absatz sind wir nah am Boden“, sagte Lars Himmer, Managing Director von VW, dem Handelsblatt.

Viel tiefer als auf 1,5 Millionen Fahrzeuge könne der Verkauf nicht sinken, während er vom Höchststand – drei Millionen verkaufte Neuwagen – noch weit entfernt ist. Das sollte dem Markt Stabilität geben, ist er überzeugt. Um durchstarten zu können, braucht VW nun schnellstmöglich Sicherheit aus den USA.

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