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Kooperationsvereinbarung Osram macht den Weg frei für ein Übernahmeangebot von AMS

Die Österreicher wollen Osram übernehmen. Bei der Ex-Siemens-Tochter gibt es aber weiterhin Skepsis gegenüber der Strategie von AMS.
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Der zum Verkauf stehende Beleuchtungshersteller Osram macht den Weg frei für ein Übernahmeangebot. Quelle: dpa
Lichtkonzern Osram

Der zum Verkauf stehende Beleuchtungshersteller Osram macht den Weg frei für ein Übernahmeangebot.

(Foto: dpa)

München Lange hat sich Osram angesichts des Übernahmeangebots von AMS geziert. Doch nun hat der Lichtkonzern eine Kooperationsvereinbarung „mit Schutzzusagen für Mitarbeiter, Standorte und wesentliche Unternehmensteile“ mit dem Sensorik-Spezialisten abgeschlossen und ein geltendes Stillhalteabkommen aufgehoben.

Damit ist der Weg frei für ein freiwilliges, öffentliches Übernahmeangebot der AMS. Die Österreicher wollen Osram für rund vier Milliarden Euro übernehmen. Es gibt aber laut Industriekreisen weiterhin große Skepsis bei Osram-Managern, im Aufsichtsrat und bei den Arbeitnehmervertretern. Auch Osram erklärte in einer Mitteilung, dass die Führung noch nicht restlos überzeugt sei vom Konzept der Österreicher.

Der Übernahmekampf um Osram tobt seit Monaten. Die Finanzinvestoren Bain und Carlyle hatten mit dem Segen von Vorstand und Aufsichtsrat 35 Euro je Aktie geboten. Osram wird damit mit 3,4 Milliarden Euro bewertet. Die Investoren versprachen, an der Strategie von Osram festzuhalten, sich an geltende Absprachen mit den Arbeitnehmern zu halten und die Ex-Siemens-Tochter nicht zu zerschlagen.

Doch AMS durchkreuzte die Pläne mit der Ankündigung, 38,50 Euro zu bieten – also zehn Prozent mehr. Ein höheres Gebot aber können die Gremien im Interesse der Aktionäre nicht einfach ablehnen. Daher stimmte der Aufsichtsrat am Mittwochabend der Kooperationsvereinbarung zu, die in den vergangenen Tagen ausgehandelt worden war.

Dies geschehe nach sorgfältiger Prüfung „im Interesse der Aktionärinnen und Aktionäre und weiteren Stakeholder von Osram“, hieß es in einer Pflichtmitteilung. Das Angebot von AMS bewerte Osram mit einem Eigenkapitalwert von rund 3,7 Milliarden Euro und einem Unternehmenswert von rund 4,3 Milliarden Euro. Die Österreicher setzten eine Mindestannahmeschwelle von 70 Prozent.

Aktionäre können wählen

Osram-Chef Olaf Berlien sagte: „Unsere Aktionäre haben nun zwei Angebote vorliegen und können zwischen den verschiedenen unternehmerischen Konzepten wählen. „Wir sind stolz darauf, dass wir in den vergangenen Jahren in einem enorm schwierigen Marktumfeld mutige und strategisch richtige Entscheidungen getroffen haben.“ Das Interesse gleich mehrerer Bieter sowohl aus dem Private-Equity-Bereich als auch aus der Industrie sei ein Zeugnis dafür.

Allerdings zeigt schon der Begriff Kooperationsvereinbarung – und nicht zum Beispiel Business Combination Agreement – laut Industriekreisen eine gewisse Distanz. „Die ganze Transaktion birgt viele Unsicherheiten“, hieß es. Die Synergien von mehr als 300 Millionen Euro im Jahr, die AMS in Aussicht stellt,  seien „ausgesprochen ambitioniert berechnet“. Zudem gebe es immer noch Zweifel an der Finanzierung.

Zwar konnte AMS die Banken HSBC und UBS als Finanzpartner präsentieren, die Milliardenkredite bereitstellen. Doch ist zur Refinanzierung eine Kapitalerhöhung geplant. „Viele fragen sich, was passiert, wenn die Hauptversammlung der Kapitalerhöhung nicht zustimmt“, hieß es in Industriekreisen. Bislang habe AMS keinen gesicherten Plan B vorgestellt.

Allerdings sehen auch im Osram-Umfeld viele eine industrielle Logik hinter einem Zusammenschluss mit AMS. Die Österreicher wollen mit der Übernahme von Osram einen weltweit führenden Anbieter von Sensoriklösungen und Photonik mit fünf Milliarden Euro Umsatz formen. „Der entscheidende Punkt ist, dass wir einen neuen Konzern kreieren“, sagte AMS-Chef Alexander Everke dem Handelsblatt. „Dessen Produktportfolio wird so außergewöhnlich sein, dass ein starkes Wachstum möglich wird. Wir sind zutiefst überzeugt von der Transaktion.“

Osram bleibt als Marke erhalten

Die Kooperationsvereinbarung sieht laut Mitteilung „Schutzbestimmungen für Mitarbeiter und wesentliche Unternehmensteile“ vor. AMS bekenne sich ausdrücklich zu den Tarifverträgen, Betriebsvereinbarungen und ähnlichen Abmachungen. „München würde Co-Hauptsitz mit globalen Stabseinheiten bleiben.“ Osram werde auch nach einer Übernahme unter bestehendem Namen weitergeführt und als Marke erhalten bleiben.

Allerdings stellte Osram auch klar, dass noch längst nicht alle Fragen geklärt sind. Man werde AMS mehr Gelegenheit geben, „Vorstand und Aufsichtsrat von der Ausrichtung der Geschäfte, der globalen Standortstrategie und dem Integrationskonzept zu überzeugen“. Zu diesen Themen sei noch kein ausreichendes Verständnis erzielt worden. „Insbesondere die Integration eines Industriekonzerns mit fast vier Milliarden Euro Umsatz und einer Präsenz in rund 70 Ländern durch ein deutlich kleineres Unternehmen ist eine herausfordernde Aufgabe.“

AMS mit Hauptsitz in Premstätten bei Graz erzielte im vergangenen Jahr mit der Herstellung von Schaltkreisen, Schaltungen und Halbleiterbauelementen einen Umsatz von knapp 1,5 Milliarden Euro. Mit der Übernahme will der Konzern komplett neue Geschäftsfelder erschließen.

Die Arbeitnehmervertreter bei Osram sehen die geplante Übernahme durch AMS ausgesprochen kritisch. Die Österreicher wollten die Geschäftseinheit Digital und das Konsumenten-LED-Geschäft verkaufen und den Konzern zerschlagen, hieß es Anfang der Woche in einem Infoblatt des Konzern- und Gesamtbetriebsrats.

„Das Abstoßen von Unternehmensteilen hätte aber für viele Beschäftigte gravierende Folgen.“ Angesichts der versprochenen Synergien von 300 Millionen Euro gelte: „Hier läuten alle Alarmglocken, das bedeutet weitere Arbeitsplatzverluste.“ Jeden Investor werde man daran messen, ob er bereit sei, „allen Belegschaften mit einem klaren Konzept Zukunft und Sicherheit zu geben“.

Verluste im laufenden Geschäftsjahr

Osram kann angesichts von zahlreichen Gewinnwarnungen und Rückgängen bei Umsatz und Ergebnis einen starken Partner gebrauchen. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2018/19 (30. September) machte der Konzern einen Verlust von 234 Millionen Euro nach einem Gewinn von 140 Millionen Euro im Jahr zuvor. Der Umsatz brach von 2,8 auf 2,5 Milliarden Euro ein. Vor diesem Hintergrund hatten manche auf eine Übernahme durch Bain und Carlyle gesetzt in der Hoffnung, dass diese weiteres Kapital zum Beispiel für stärkende Akquisitionen mitbringen.

Die Arbeitnehmervertreter hatten nach Informationen des Handelsblatts auch einen „Merger of Equals“ ins Gespräch gebracht, also eine Fusion von zwei gleichberechtigten Partnern. Die beiden Unternehmen sind an der Börse etwa gleichviel wert. Die Milliarden könne man besser in Zukunftsinvestitionen stecken.

Nach dem Angebot von AMS ist offen, ob Bain und Carlyle noch einmal drauflegen. Laut Finanzkreisen erwägen sie zumindest, ihr Angebot doch noch zu erhöhen. Allerdings war es für die Investoren schon nicht einfach, die Finanzierung für ihr aktuelles Angebot zu stemmen, bei dem sie viel Eigenkapital mitbringen müssen.

Die Chancen der Investoren waren schon vor der Einmischung durch AMS gesunken. Der Großinvestor Allianz Global Investors (AGI), der mehr als neun Prozent an Osram hält, hatte öffentlich erklärt, das Angebot nicht annehmen zu wollen.

Allerdings ist auch längst noch nicht gesichert, dass AMS genug Anteile einsammeln kann. Die Aktien von Osram sind breit gestreut. Das liegt auch daran, dass diese bei der Abspaltung einst automatisch an alle Siemens-Aktionäre verteilt wurden.

Noch offen ist auch, wie sich der größte Osram-Aktionär Allianz Global Investors verhält. Das 35-Euro-Angebot von Bain und Carlyle hatte AGI als zu niedrig abgelehnt. AMS legt nun zwar noch einmal zehn Prozent drauf. Doch soll AGI laut Finanzkreisen teilweise beim Kurs von 75,40 Euro eingestiegen sein. Aus dieser Perspektive könnte auch die AMS-Offerte als nicht besonders attraktiv erscheinen.

Mehr: Die Finanzinvestoren erwägen laut einem Bericht, ihr Angebot an die Osram-Aktionäre zu erhöhen. Das hänge aber nicht allein von Bain und Carlyle ab.

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