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Korruptionsskandal Brasilianischer Skandalkonzern Odebrecht stellt Insolvenzantrag

Jahrelang schmierten Mitarbeiter des brasilianischen Mischkonzerns Odebrecht Politiker und Beamte, um an Aufträge zu kommen. Jetzt geht der Firma das Geld aus.
Update: 18.06.2019 - 11:18 Uhr Kommentieren
Der im Zentrum des größten Korruptionsskandals Lateinamerikas stehende Mischkonzern Odebrecht hat am Montag einen Insolvenzantrag gestellt. Quelle: dpa
Odebrecht

Der im Zentrum des größten Korruptionsskandals Lateinamerikas stehende Mischkonzern Odebrecht hat am Montag einen Insolvenzantrag gestellt.

(Foto: dpa)

Sao PauloSeit Jahren steht Odebrecht wegen schwerer Korruptionsvorwürfe unter Beschuss, jetzt ist dem brasilianischen Mischkonzern die Puste ausgegangen. Am Montag stellte die von deutschen Einwanderern gegründete Baufirma, die mit ihren Tochtergesellschaften auch in anderen Sparten wie der Petrochemie tätig ist, einen Insolvenzantrag.

Das Unternehmen wolle Verbindlichkeiten in Höhe von 51 Milliarden Reais (11,7 Milliarden Euro) umschulden, teilte Odebrecht mit. Medienberichten zufolge handelt es sich um die größte Firmenpleite in der brasilianischen Wirtschaftsgeschichte.

Der in São Paulo eingereichte Antrag gelte für den Mutterkonzern Odebrecht S.A. und eine Reihe von Tochtergesellschaften, teilte der Konzern mit. Andere Firmenteile wie beispielsweise die Petrochemie-Sparte Braskem S.A. seien von dem Insolvenzverfahren zunächst nicht betroffen.

Zunächst werde die Firma ihre wirtschaftlichen Aktivitäten fortführen und versuchen, sich finanziell zu stabilisieren, hieß es in der Mitteilung von Odebrecht. Ziel sei es, möglich viele der verbliebenen Arbeitsplätze zu erhalten. Aufgrund der schleppenden Wirtschaftsentwicklung und der juristischen Probleme des Großkonzerns war die Belegschaft in den vergangenen fünf Jahren bereits von 180 000 Mitarbeitern auf zuletzt 48 000 Beschäftigte geschrumpft.

„Angesichts der bevorstehenden Fälligkeit mehrerer Kredite, des Auftretens unvorhersehbarer Ereignisse und der jüngsten Angriffe auf das Vermögen des Unternehmens hat die Geschäftsführung entschieden, dass der Insolvenzantrag die beste Möglichkeit ist, um die Firma zu stabilisieren und fortzuführen“, hieß es in der Mitteilung des Unternehmens.

Odebrecht steht im Zentrum des größten Korruptionsskandals Lateinamerikas. Insgesamt soll der Konzern nach Schätzungen der US-Justiz 785 Millionen Dollar an Schmiergeld gezahlt haben, um an lukrative Staatsaufträge in diversen Ländern zu kommen.

In Venezuela etwa bekam der Konzern den Zuschlag für diverse Projekte in den Sektoren Infrastruktur, Energie und Transport, darunter auch für den Bau von Teilen des Metronetzes in der Hauptstadt Caracas. Im Zuge der Ermittlungen prüfte die brasilianische Justiz 32, an Odebrecht erteilte Aufträge mit Blick auf mögliche Schmiergeldzahlungen, wie das Portal „Diario Las Américas“ 2017 berichtete.

Odebrecht bekannte sich 2016 in den USA schuldig und nahm eine Strafe in Höhe von 3,5 Milliarden US-Dollar hin. Es handelte sich damals nach Angaben des US-Justizministeriums um die größte Strafsumme, auf die sich die Prozessbeteiligten jemals in einem internationalen Korruptionsfall geeinigt hätten.

In Lateinamerika löste der Odebrecht-Skandal ein politisches Beben aus. In zahlreichen Ländern der Region wird gegen Hunderte Politiker, Unternehmer und Beamte ermittelt. In Brasilien verbüßt der frühere Präsident Luiz Inácio Lula da Silva wegen Bestechlichkeit eine langjährige Haftstrafe. Auch gegen den ehemaligen Staatschef Michel Temer wird wegen Korruption ermittelt.

In Peru stehen praktisch alle Ex-Präsidenten der vergangenen Jahren im Fokus der Ermittler. Ex-Staatschef Alan García tötete sich im April mit einem Schuss in den Kopf, als die Polizei ihn verhaften wollte. Auch in Argentinien, Ecuador, Kolumbien, Venezuela, Panama, Guatemala, Mexiko, der Dominikanischen Republik, Angola und Mosambik soll Odebrecht kräftig geschmiert haben.

Mehr: Warum in Brasilien Journalisten immer gefährlicher leben, berichtet unser Korrespondent Alexander Busch.

  • dpa
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