Korruptionsvorwürfe Griechenland geht gegen deutsche Rüstungsfirmen vor

Griechenland geht gegen deutsche Rüstungsfirmen wegen des Verdachts von Schmiergeldzahlungen vor. Di Schadenersatzforderungen summieren sich nach Angaben der Regierung auf mehr als 100 Millionen Euro.
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Die griechische Regierung wirft Rüstungsfirmen vor, Schmiergelder gezahlt zu haben. Quelle: dpa

Die griechische Regierung wirft Rüstungsfirmen vor, Schmiergelder gezahlt zu haben.

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Athen/BerlinDie griechische Regierung geht gegen deutsche Rüstungsfirmen wegen des Verdachts von Schmiergeldzahlungen vor. Ein Vertreter des Verteidigungsministeriums in Athen sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Montag, die Schadenersatzforderungen summierten sich auf mehr als 100 Millionen Euro. Untersuchungen liefen gegen den deutsch-französischen Hubschrauberhersteller Eurocopter sowie die Rüstungsschmieden Rheinmetall, STN und Atlas Elektronik. Den Unternehmen werde vorgeworfen, Bestechungsgeld gezahlt zu haben, um an Aufträge zu kommen.

Eine Eurocopter-Sprecherin wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Ein Sprecher von Rheinmetall erklärte, man habe von neuen Ermittlungen keine Kenntnis. Eine Stellungnahme von Atlas Elektronik war zunächst nicht zu erhalten.

„Es handelt sich um eine Serie von Fällen, nicht nur deutschen, aber hauptsächlich deutschen“, sagte der Vertreter des griechischen Verteidigungsministeriums. Griechenland hoffe auf Entschädigungen von 500 bis 800 Millionen Euro. „Jede Firma, die der Bestechung beschuldigt wird und weiter Geschäfte mit Griechenland machen will, sollte zu einer außergerichtlichen Lösung kommen.“ Die Regierung hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, die Ausschreibungsverfahren für Militärgüter zu überarbeiten und transparenter zu machen.

Wer die meisten Waffen kauft
Waffen weltweit gefragt
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Während in Europa der Import von Waffen zwischen 2010 und 2014 im Vergleich zum vorherigen Fünf-Jahres-Zeitraum um 36 Prozent zurückging, nimmt er in allen anderen Weltregionen zu. Das zeigen neue Zahlen des Friedensforschungsinstituts Sipri (Link zum PDF-Dokument). Angesicht des gestiegenen Sicherheitsbedürfnisses aufgrund der Ukraine-Krise könnte sich der Trend in Europa aber bald wieder umkehren. Der staatliche Waffenimport wuchs in Afrika um 45, in Asien und Ozeanien um 37, im Nahen Osten um 25 und in Amerika um sieben Prozent. Welche Länder besonders viel für Waffen ausgeben...

Singapur
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Singapur ist nur ein kleiner Stadtstaat, doch bei Waffen spielt das Land ganz vorne mit. Zwischen 2010 und 2014 betrug der Anteil Singapurs an den weltweiten Waffenimporten drei Prozent. Im Fünf-Jahres-Zeitraum zuvor war der Anteil schon genauso hoch. Hauptlieferanten für das Inselreich waren Schweden (6 Prozent), Deutschland (10 Prozent) und mit Abstand die USA (71 Prozent).

Im Bild: Studentinnen und Soldaten begutachten Waffen auf der Singapore Airshow.

Südkorea
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Die asiatische Wirtschaftsmacht Südkorea importiert weniger Waffen. Zwischen 2010 und 2014 sank der Anteil von sechs auf drei Prozent. Südkorea kaufte vor allem bei US-Herstellern ein: Mit 89 Prozent dominierten Waffenimporte aus den USA. Deutschland war mit fünf Prozent im Geschäft, Schweden mit zwei.

Im Bild sind Kampfflugzeuge der südkoreanischen Luftwaffe bei einem Kontrollflug über den Dokdo Inseln zu sehen.

USA
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Die Vereinigten Staaten sind der größte Waffenexporteur der Welt. Doch trotz der Stärke der eigenen Hersteller wird auch ein kleiner Teil Waffen importiert. Im Zeitraum von 2010 bis 2014 betrug der Anteil der USA an den weltweiten Waffenimporten drei Prozent und blieb damit im Vergleich zum vorherigen Fünf-Jahres-Zeitraum unverändert. Deutsche Hersteller waren mit 18 Prozent am besten in den USA im Geschäft, gefolgt von Großbritannien (15) und Kanada (13).

Im Bild: Soldaten bei einer Trauerfeier an einer US-Militärbasis.

Türkei
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Auf die Türkei entfallen drei Prozent der weltweiten Waffenimporte. Der Anteil bleibt damit stabil. Die meisten Waffen erhielt der Staat von Schmieden des Nato-Partners USA (58 Prozent), gefolgt von Südkorea (13) und Spanien (8).

Im Bild: Türkischer Panzer an der Grenze zu Syrien, im Hintergrund die zwischen Kurden und IS umkämpfte Stadt Kobane.

Australien
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Vier Prozent aller Waffenimporte tätigte Australien. Der fünfte Kontinent erhöhte damit seinen Anteil leicht. Wichtigster Lieferant waren Hersteller aus den USA (68 Prozent), auch Spanien (19) und Frankreich (6) machten gute Geschäfte.

Im Bild: Bruchlandung eines australischen Kampfjets bei Brisbane.

Pakistan
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Bei Waffendeals sind Pakistan und die USA eng verbündet. 30 Prozent aller pakistanischen Importe kamen aus den Vereinigten Staaten. Doch Hauptlieferant ist die aufstrebende Waffennation China. 51 Prozent der Importe stammten aus der Volksrepublik. Insgesamt hat Pakistan einen Anteil von vier Prozent aller Waffenimporte von 2010 bis 2014.

Im Bild: Gemeinsame Hilfsaktion von US- und pakistanischen Kräften nach einem Erdbeben in Pakistan.

Im Dezember hatte eine Rheinmetall-Tochter ein Bußgeld von 37 Millionen Euro in Deutschland im Zusammenhang mit Schmiergeldzahlungen in Griechenland bezahlt. Griechenland hatte im vergangenen Jahrzehnt gemessen an seiner Wirtschaftsleistung die höchsten Rüstungsausgaben in der Europäischen Union. Dies war einer der Gründe für die heute enorme Verschuldung des Landes. Mehrere Rüstungskonzerne gerieten wegen mutmaßlicher Schmiergeldzahlungen unter Druck geraten.

  • rtr
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7 Kommentare zu "Korruptionsvorwürfe: Griechenland geht gegen deutsche Rüstungsfirmen vor"

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  • ".....gegen deutsche Rüstungsfirmen vor "

    Das war einer der Gründe, warum ungeeignete EURO-Mitglieder aufgenommen wurden !
    Parasitärer, kranker Lobbyismus !

  • Griechische Politiker sollen auch Empfänger gewesen sein. Warum werden diese nicht bestraft und das Geld von denen verlangt?????

  • Falls dies stimmen sollte, müssen nur die Manager zahlen und nicht die Mitarbeiter darunter leiden!

  • Sollte mich nicht wundern, wenn solcherlei Vorschläge demnächst auf der Liste stehen werden, die der EU, der Troika und der EZB vorgelegt werden soll, als Innovationsnachweis, der die Wirtschaftlichkeit Griechenlands für die Zukunft beweisen soll.

  • Die Griechen haben doch sowieso nie was für die Waffen bezahlt. Wieso sind sie also geschädigt worden? Und wieso klagen sie nicht ihre eigenen bestechlichen Politiker an? Na weil Korruption in Griechenland das Normalste von der Welt ist. Das Land lebt davon.

  • Ja gehts denn noch. Das Bestechungsgelder bei großen Geschäften fließen, ist leider auf der ganzen Welt gängige Praxis. Wer erwischt wird, gehört bestraft. Abschaffen wird diese Praxis niemand wollen noch schaffen.
    Aber das jemand im geschädigten Land, Wiedergutmachung fordert und mit keinem Wort die Rückzahlung der erhaltenen Millionen in die Staatskasse von denen verlangt, die sich haben bestechen lassen, das zeugt doch von politischem Unvermögen.
    Auch wenn das Wasser bis zum Hals steht und man nicht weiss wo man noch Geld flüssig machen kann, so einseitig geht es ja nun nicht.

  • >> „Jede Firma, die der Bestechung beschuldigt wird und weiter Geschäfte mit Griechenland machen will, sollte zu einer außergerichtlichen Lösung kommen.“ >>

    Und die beteiligten Politiker auf beiden Seiten, die die Geschäfte angezettelt und beide Hände für Fakelakis aufgehalten haben, sollten man hinter schwedische Gardinen bringen !

    Die Rüstungsgeschäfte zwischen Griechenland und Deutschland waren und sind vorgeschobene Schmiergeldgeschäfte für die Bereicherung der Politoligarchie auf Kosten der Steuerzahler.

    Die Griechen hätten weder die überteuerten U-Boote gebraucht, noch die Helikopter.

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