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Krauss-Maffei Wegmann Bei KMWs milliardenschweren Panzerdeal floss womöglich auch Geld an Katars Herrscherfamilie

Der Rüstungskonzern KMW hat 2012 Kriegsgerät für 1,9 Milliarden Euro an Katar verkauft. Über einen Nebenvertrag könnte die Herrscherfamilie mitverdient haben.
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Die Lieferung an Katar war für die Auslastung von Krauss-Maffei Wegmann wichtig. Quelle: Getty Images; Per-Anders Pettersson
„Leopard 2“-Panzer

Die Lieferung an Katar war für die Auslastung von Krauss-Maffei Wegmann wichtig.

(Foto: Getty Images; Per-Anders Pettersson)

Zug, Düsseldorf, Frankfurt, Berlin Der Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann (KMW) gerät bei einem der größten Aufträge seiner Geschichte weiter ins Zwielicht. 2012 genehmigte die Bundesregierung den Verkauf von 62 Leopard-Panzern, 24 Haubitzen, 250 gepanzerten Radfahrzeugen und anderem Kriegsgerät für insgesamt 1,9 Milliarden Euro an das Emirat Katar.

Im Juni 2019 berichtete das Handelsblatt, dass dabei mindestens 28 Millionen Euro an eine Briefkastenfirma geflossen sein könnten, die Gesellschaft Kingdom Projects in Doha. KMW bestritt, dass es sich dabei um Schmiergeld gehandelt haben könnte. Kingdom Projects habe zwar nicht nur „eine Vergütung für lokale Unterstützung“ erhalten, sondern auch „eine Erfolgsprovision“.

Vor Auftragsvergabe habe KMW diesen Geschäftspartner jedoch einer umfassenden Compliance unterzogen. Eine lokale Kanzlei habe dabei geholfen, Auffälligkeiten seien nicht gefunden worden. Auffällig wäre zum Beispiel, wenn KMW an eine Firma gezahlt hätte, die der Herrscherfamilie in Katar gehört. Genau dies berichtet nun „Intelligence Online“, ein Branchenportal für die französische Rüstungsindustrie und Sicherheitsdienste.

Demnach gehört zu den Gesellschaftern von Kingdom Projekts Nasser bin Ahmed Al Thani. Er zähle zu einem Zweig der Al-Thani-Familie, die Katar beherrscht. Sein Vater trage den gleichen Namen wie der Ex-Chef der katarischen Staatssicherheit: Ahmed bin Nasser bin Jassim Al Thani. Staatsoberhaupt der Erbmonarchie Katar ist seit 2013 Emir Scheich Tamim bin Hamad Al Thani.

Wo war die Compliance?

Der Verdacht der Bestechung liegt damit offen auf dem Tisch. Großunternehmen wie KMW haben klare Compliance-Vorschriften – insbesondere bei Staatsaufträgen. Das Vorhaben, Erfolgshonorare in Millionenhöhe an eine Firma zu zahlen, die einem Mitglied der Herrscherfamilie gehört, müsste sofort Widerspruch der Regelhüter auslösen.

Ein solcher Widerspruch war aber nicht zu hören. KMW feierte den Milliardenauftrag aus Katar nicht nur als Meilenstein. Die großen Leopard-Aufträge der Nato-Länder waren damals abgearbeitet, die Nachfrage stockte. Die Bestellung der Scheichs rettete vielen Mitarbeitern des Münchener Unternehmens buchstäblich den Job, der Führung womöglich ihre Boni.

War KMW deshalb bereit, etliche Millionen Euro an Kingdom Projects zu zahlen – als Landschaftspflege im Wüstenstaat? Schon im Juni wollte das Unternehmen auf Anfrage weder den Gesellschafter des Geschäftspartners benennen noch die Höhe der Zahlungen.

Der Mann, der sich dem Handelsblatt als Geschäftsführer von Kingdom Projects vorstellte, bestritt sogar eine bloße Geschäftsbeziehung seiner Firma zu KMW. Nun mit dem Bericht des Branchenportals „Intelligence Online“ konfrontiert, reagierten Kingdom Projects und KMW gar nicht mehr.

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So bleiben die nackten Zahlen. KMW lieferte Rüstungsgüter im Wert von 1,9 Milliarden Euro nach Katar. Mit den Waffen wurden zwei Bataillone der 8500 Mann starken Landstreitmacht ausgerüstet. Diese bilden das Rückgrat der katarischen Armee. „Das Geschäft ist für die Katarer bis heute sehr wichtig“, sagt Andreas Krieg vom Kings College in London.

Er war von 2013 bis 2017 an der Führungsakademie des katarischen Verteidigungsministeriums tätig. „Die modernen Panzer und Haubitzen trugen dazu bei, Saudi-Arabien von einem Einmarsch 2017 abzuhalten.“ Warum brauchte es die zuvor unbekannte Firma Kingdom Projects, um den von allen Seiten begrüßten Auftrag abzuwickeln?

Die Zugehörigkeit zur royalen Familie müsse nicht zwingend bedeuten, dass der mutmaßliche KP-Hintermann Nasser bin Ahmed Al Thani tatsächlich der Regierung des Landes nahestehe, sagt Krieg. „Es handelt sich hierbei um die größte Königsfamilie am Golf. Das sind Tausende Al Thanis. Viele haben wirtschaftliche Interessen, die mit der Regierung nichts zu tun haben.“

Korruption werde in arabischen Ländern jedoch anders gesehen als in Europa. „Die Stammesgesellschaften funktionieren mit Handgeld, das ist Teil des normalen Business“, erklärt Krieg. Bei großen Rüstungsgeschäften gebe es häufig Mittelsleute, die an beiden Seiten verdienten und Provisionen sowohl vom Rüstungsunternehmen als auch vom Verteidigungsministerium kassierten.

Streit um die Provisionen

Katar habe zuletzt immer weniger solcher Praktiken zugelassen, sagt Krieg. „Scheich Tamim bin Hamad Al Thani stellt sich als Anti-Korruptions-Kämpfer dar. Nach seinem Amtsantritt sind viele Leute gefeuert worden, die in der Beschaffung tätig waren.“ Der Generalinspekteur habe alle Verträge überprüfen müssen. Es sei gut vorstellbar, dass früher vereinbarte Zahlungen inzwischen zurückgehalten werden.

Vielleicht erklärt das, warum die Kingdom Projects, die als Adresse nur einen Briefkasten angibt, überhaupt bekannt wurde. Ein deutscher Waffenhändler, der in der Schweiz lebt, reichte im Dezember 2018 Klage gegen Kingdom Projects ein.

Er verlangte für Vermittlungsdienste 2,5 Prozent des Auftragsvolumens – fast 50 Millionen Euro, „zahlbar jeweils anteilsmäßig drei Wochen nach Eingang jeder Teilzahlung für die Güter bei Krauss-Maffei“. Mindestens sollte ihm Kingdom Projects 28,75 Millionen Euro überweisen.

Im Februar nahm der Waffenhändler seine Klage ohne Angabe von Gründen zurück. Dem Handelsblatt wollte er keine Erklärung hierfür nennen. Eine Anfrage zu den neuen Erkenntnissen über die Eigentümer lehnte er ab. Er könne „dazu weiter nichts beitragen“.

Auch das Bundeswirtschaftsministerium machte keine Angaben dazu, wie es auf die Zahlungen von KMW an Kingdom Projects reagieren will – etwa bei möglichen künftigen Anfragen um Exportgenehmigungen für Kriegsgeräte.

Katar ist als Absatzmarkt begehrt. Vor dem Kauf der Leopard-2-Panzer nutzte die katarische Armee den französischen Kampfpanzer AMX-30, der inzwischen veraltet ist. Es ist vorstellbar, dass auch die französische Rüstungsindustrie gern die Panzer für Katar geliefert hätte.

Es mag kein Zufall sein, dass Details über den deutschen Deal nun aus Paris gemeldet werden. Dort hat „Intelligence Online“ seinen Sitz.

Mehr: US-Rüstungskonzerne kämpfen um den europäischen Markt: Die EU-Staaten wollen stärker auf selbst entwickelte Waffensysteme setzen. Deshalb bieten Lookheed Martin und Raython deutschen Firmen Partnerschaften an.

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