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Krebsrisiken Möglicher Milliarden-Vergleich bei Glyphosat-Prozessen lässt Bayer-Aktionäre hoffen

Bayer strebt einem Bericht zufolge einen Milliarden-Vergleich in den USA an, um die Glyphosat-Rechtsstreite beizulegen. Das erfreut die Anleger.
Update: 09.08.2019 - 12:12 Uhr Kommentieren
Glyphosat Prozess: Bayer strebt möglicherweise Milliarden-Vergleich an Quelle: dpa
Bayer-Kreuz

Die zahlreichen Rechtsstreite in den USA beunruhigen die Anleger.

(Foto: dpa)

Frankfurt, Leverkusen Der wegen Tausender Glyphosat-Klagen unter Beschuss stehende Bayer-Konzern strebt nach einem Bericht des Finanzdienstes Bloomberg einen Milliarden-Vergleich in den USA an. Der Agrarchemie- und Pharmakonzern schlage eine Zahlung von bis zu acht Milliarden Dollar (7,15 Milliarden Euro) vor, um die Klagen der zuletzt 18.400 Kläger beizulegen, berichtete Bloomberg am Freitag unter Berufung auf eine mit den Verhandlungen vertraute Person.

Bayer selbst hat diese Informationen bisher nicht bestätigt. Dennoch sorgte der Bericht bereits für riesige Erleichterung bei Investoren: Die Bayer-Aktie legte am Freitagmorgen zeitweise um mehr als elf Prozent auf Werte bis zu 70 Euro zu.

Nach Einschätzung von Analysten dürfte sich dieser Auftrieb noch verstärken, sollte sich die Meldung bestätigen. „Wenn Bayer mit acht Milliarden Dollar durchkommt, wird die Aktie bald bei 90 Euro sein und sich binnen Jahresfrist verdoppeln“, schätzt etwa Markus Mayer, Chemieexperte der Baaderbank.

Hintergrund der positiven Börsenreaktion sind die bislang deutlich höheren Kostenschätzungen, die viele Analysten und Investoren für eine Bereinigung der Glyphosat-Probleme zugrunde legen.

Nachdem Bayer in drei Prozessen um vermeintliche Krebsrisiken bei Glyphosat zu hohen Schadensersatzsummen verurteilt wurde, rechneten Analysten zuletzt im Schnitt mit Belastungen von etwa 15 Milliarden Euro, die Bayer benötigen würde, um einen Vergleich zu erzielen.

„Ein Vergleich in Höhe von nur acht Milliarden Dollar wäre daher ein guter Ausgang für Bayer“, sagt Daniel Wendorff von der Commerzbank. Auch er hat in seinem Modell eine Belastung von 15 Milliarden Euro für die Glyphosat-Prozessrisiken einkalkuliert und sieht das Kursziel für Bayer inklusive dieser Kosten bisher bei 75 Euro. Die bisherige Börsenbewertung signalisiert nach Einschätzung von Experten sogar noch höhere Belastungen aufgrund der Glyphosat-Krise.

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Bayer wurde an der Börse zuletzt zeitweise mit weniger als 55 Milliarden Dollar bewertet. Den fairen Wert gemessen am operativen Geschäft (ohne Glyphosat-Risiken) sehen Analysten zwischen 90 und 110 Milliarden Euro. Das entspricht einem Aktienkurs zwischen 92 und 112 Euro.

Aus diesem Grund steht das Bayer-Management unter enormem Druck, die Glyphosat-Prozesse schnell zu bereinigen, auch wenn man dafür etliche Milliarden aufbringen muss.

Das gilt umso mehr, als sich mit Elliott Partners inzwischen auch ein aktivistischer Investor bei Bayer eingekauft hat, der eine schnelle Klärung fordert und im Hintergrund auf eine Aufspaltung des Leverkusener Konzerns drängen könnte. „Aktivisten haben eine enorme Drohkulisse aufgebaut“, schätzt Mayer. „Und das Bayer-Management weiß, dass es schnell performen muss.“

Bayer hatte bis vor wenigen Wochen noch eine relativ harte Linie im Rechtsfall Glyphosat gefahren und angekündigt, dass man sich mit allen Mitteln gegen die Vorwürfe verteidigen würde und dazu nötigenfalls auch durch die Instanzen gehen werde.

Diesen Kurs hat das Management in jüngerer Zeit allerdings etwas korrigiert. Im Analysten-Call zu den Halbjahresergebnissen deutete Firmenchef Werner Baumann an, dass man unter bestimmten Bedingungen durchaus bereit sei, auch einen Vergleich einzugehen. Er müsse finanziell vernünftig sein und die Gewähr bieten, dass man damit den kompletten Rechtsstreit beilegen kann.

Dafür, dass sich Bayer in Richtung Vergleich bewegen könnte, spricht aus Sicht von Beobachtern ferner die Tatsache, dass bei dem von einem kalifornischen Gericht angeordneten Mediationsverfahren der prominente Anwalt Ken Feinberg als Schlichter eingesetzt wurde.

Bayer hat sich bisher stets darauf berufen, dass Hunderte von Studien, darunter auch eine große epidemiologische Analyse bei Landwirten in den USA, die Sicherheit von Glyphosat bei ordnungsgemäßer Anwendung bestätigt hätten. Zudem hat bisher keine Zulassungsbehörde der Welt den Einsatz des Unkrautmittels wegen Sicherheitsbedenken verboten.

Zusätzlichen Rückenwind erhielt der Konzern in dieser Hinsicht vor wenigen Tagen von der Environment Protection Agency (EPA), der US-amerikanischen Umweltschutzbehörde. Sie kündigte an, dass sie Produkt-Labels von Pflanzenschutzmitteln nicht mehr genehmigen wird, wenn diese feststellten, dass Glyphosat eine krebserregende Wirkung habe. Entsprechende Hinweise in den Beipackzetteln hatte eine kalifornische Gesetzesvorlage gefordert. Eine solche falsche Auszeichnung führe zu einer Fehlinformation der Verbraucher, stellte die EPA fest.

Ungeachtet des Rückhalts bei Zulassungsbehörden war Bayer in den ersten drei Verfahren um Glyphosat zunächst zu hohen Schadensersatzsummen zwischen 250 Millionen Dollar und zwei Milliarden Dollar verurteilt worden, weil Glyphosat aus Sicht der Jurys für die Krebserkrankungen der Kläger verantwortlich war und Bayer beziehungsweise Monsanto nicht ordnungsgemäß vor diesen Gefahren gewarnt hätten.

Diese Summen wurden von den zuständigen Richtern inzwischen zwar auf höhere zweistellige Millionenbeträge reduziert, im Grundsatz aber anerkannt. Die Zahl der Klagen hat sich nach Angaben von Bayer auf inzwischen 18.400 bis Ende Juli erhöht und ist damit alleine im letzten Quartal um rund 5000 Fälle gestiegen.

Mehr: Barbara Hendricks ist laut einem Bericht auf Monsantos Kritikerlisten notiert gewesen. Ihre Meinung zu Glyphosat sollte verändert werden. Die Ex-Ministerin ließ den Konzern abblitzen.

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