Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Krise der Autozulieferer Schaeffler-Chef Rosenfeld verteidigt Stellenabbau in Deutschland

Der Autozulieferer Schaeffler hat die Voraussetzungen für eine mögliche Kapitalerhöhung geschaffen. Damit wären in Zukunft auch Übernahmen denkbar.
15.09.2020 - 12:36 Uhr Kommentieren
Der Vorstandschef verteidigte auf der außerordentlichen Hauptversammlung den geplanten Stellenabbau in Deutschland. Quelle: imago images/argum
Schaeffler-CEO Klaus Rosenfeld

Der Vorstandschef verteidigte auf der außerordentlichen Hauptversammlung den geplanten Stellenabbau in Deutschland.

(Foto: imago images/argum)

München Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld hat auf einer außerordentlichen Hauptversammlung den geplanten weiteren Stellenabbau in Deutschland verteidigt. Aktuell habe der Autozulieferer 36 Prozent seiner Beschäftigten in Deutschland, sagte Rosenfeld am Dienstag. Es sei aber erforderlich, in Deutschland und Europa Stellen abzubauen. Der Anteil der Beschäftigten in Regionen wie den USA und Asien soll hingegen steigen.

Die Hauptversammlung beschloss die Schaffung eines neuen genehmigten Kapitals für die Ausgabe von bis zu 200 Millionen neuen Aktien. Die Zustimmung war Formsache, die Familie Schaeffler hält alle stimmberechtigten Stammaktien. Mit dem Schritt will Rosenfeld mehr Flexibilität auch für Zukunftsinvestitionen gewinnen.

Aufsichtsratschef Georg Schaeffler betonte, dass das Unternehmen mit dem genehmigten Kapital nicht irgendwelche Löcher stopfen wolle. Vielmehr wolle man sich mit dem Finanzierungsinstrument mehr Handlungsoptionen verschaffen.

Die Autozuliefererbranche steckt tief in der Krise. Die Unternehmen müssen zum einen den Wandel vom Verbrennungsmotor zur E-Mobilität bewältigen. Im Frühjahr kam dann auch noch die Corona-Pandemie dazu.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    „Die Coronakrise ist nicht der Auslöser des strukturellen Wandels, aber sie beschleunigt und verstärkt diesen Wandel“, sagte Rosenfeld. Zugleich verliere Europa gegenüber den USA und Asien volkswirtschaftlich an Gewicht. Schaeffler müsse die Fertigung daher noch stärker lokalisieren.

    Wie andere Autozulieferer auch hatte Rosenfeld den Sparkurs in den vergangenen Wochen weiter verschärft. So kündigte er den Abbau von weiteren 4400 Arbeitsplätzen vor allem in Deutschland an. Mit dem neuen Programm sollen die Kosten um 250 bis 300 Millionen Euro im Jahr gedrückt werden. Im ersten Halbjahr hatte Schaeffler vor allem wegen der Coronakrise einen Verlust von 353 Millionen Euro gemacht. Operativ hielt sich der fränkische Konzern in der Gewinnzone.

    Zwölf Standorte vom neuen Stellenabbau betroffen

    Seit Ende 2018 hat sich die Zahl der Beschäftigten in der Schaeffler-Gruppe bereits um rund 8250 auf zuletzt gut 84.000 Mitarbeiter verringert. Zurzeit läuft ein Freiwilligenprogramm, mit dem rund 2000 Stellen abgebaut werden sollen.

    Von dem neuen Stellenabbau sind zwölf Standorte in Deutschland betroffen. „Wir werden alles daransetzen, dieses Paket, das naturgemäß noch mit den Betriebsräten und unseren Arbeitnehmervertretern verhandelt werden muss, mit der notwendigen Fairness, mit Geschwindigkeit und dem erforderlichen Augenmaß umzusetzen“, sagte Rosenfeld. Frei werdende Kapazitäten würden in Zukunftsfelder wie Elektromobilität und Wasserstoff investiert.

    Einziger Tagesordnungspunkt auf der Hauptversammlung war die Schaffung des genehmigten Kapitals. Konkret geplant ist eine Kapitalerhöhung derzeit nicht. Man sei aber vorbereitet, wenn man zusätzliches Kapital benötige, hieß es in Aufsichtsratskreisen. Durch die neue Möglichkeit einer virtuellen Hauptversammlung sei der Aufwand überschaubar, und man habe nicht bis zum nächsten ordentlichen Aktionärstreffen warten müssen.

    Nach Einschätzung in Industriekreisen sind auch Übernahmen mithilfe einer möglichen Kapitalerhöhung denkbar. So könnte Schaeffler sein Industriegeschäft stärken. Das zweite Standbein half dem Wälzlagerspezialisten, besser als manche Konkurrenten durch die Autokrise zu kommen.

    Zulieferer rechnen nicht mit baldigem Aufschwung

    Insgesamt hat Schaeffler bislang 666 Millionen Aktien ausgegeben, davon 500 Millionen im Besitz der Familie Schaeffler befindliche Stammaktien und 166 Millionen stimmrechtslose Vorzugsaktien. „Als Vorstand würden wir es dabei immer begrüßen, wenn unsere Familiengesellschafter sich über die vollständige oder zumindest teilweise Ausübung ihrer Bezugsrechte an einer möglichen Kapitalerhöhung beteiligen würden“, sagte Rosenfeld.

    Schaeffler ist derzeit solide durchfinanziert. Allerdings betrugen die Nettofinanzschulden Ende Juni drei Milliarden Euro. Die Eigenkapitalquote lag bei nur gut 15 Prozent.

    Mit den Problemen steht Schaeffler aber nicht allein da. Laut einer Studie des Branchenverbands VDA rechnet jeder zweite Zulieferer damit, dass erst im Jahr 2022 wieder das Vorkrisenniveau erreicht wird, jeder zehnte sieht dies erst für 2023. „Politik, Unternehmen und Gewerkschaften müssen jetzt gemeinsam alles tun, um eine Verlagerung der Produktion aus Deutschland und weiteren Stellenabbau infolge von Corona zu verhindern“, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller.

    Der gelernte Bankkaufmann Rosenfeld war 2009 von der Dresdner Bank als Finanzvorstand zu Schaeffler gekommen. Damals stand der Familienkonzern mit dem Rücken zur Wand. Rosenfeld restrukturierte die Verbindlichkeiten und verkleinerte den Schuldenberg. In einem Machtkampf setzte er sich später gegen Klaus Deller durch, der eigentlich Vorstandschef werden sollte, und wurde dauerhaft CEO.

    Auch wenn immer wieder Spekulationen auftauchen: Die Familie Schaeffler steht fest zu ihrem Vorstandschef. „Es gibt einen engen Schulterschluss“, heißt es im Umfeld der Familie. Den Wandel vom Verbrennungsmotor zur E-Mobilität und die Coronakrise müsse die gesamte Branche bewältigen. „Es gibt kein spezielles Schaeffler-Problem.“

    Mehr: Kommentar – Warum die Zulieferer jetzt die Hilfe der Autohersteller brauchen

    Startseite
    Mehr zu: Krise der Autozulieferer - Schaeffler-Chef Rosenfeld verteidigt Stellenabbau in Deutschland
    0 Kommentare zu "Krise der Autozulieferer: Schaeffler-Chef Rosenfeld verteidigt Stellenabbau in Deutschland"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%