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Krise des Autoherstellers Absatzeinbruch zwingt Jaguar Land Rover zum Sparen

Fallende Absätze in China, Diesel-Krise und Sorgen um den Brexit: Der Autohersteller Jaguar Land Rover hat einen heftigen Absatzeinbruch verzeichnet.
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Ein heftiger Absatzrückgang zwingt den Autohersteller zu Sparmaßnahmen. Quelle: Reuters
Baustelle Jaguar Land Rover

Ein heftiger Absatzrückgang zwingt den Autohersteller zu Sparmaßnahmen.

(Foto: Reuters)

London Experten bezeichnen es als „den perfekten Sturm“: Der Handelsstreit zwischen China und den USA, neue Dieselvorschriften und der bevorstehende Brexit setzen dem Automobilhersteller Jaguar Land Rover (JLR) schwer zu. So schwer, dass der größte Autohersteller Großbritanniens nach einem heftigen Absatzrückgang nun mit deutlichen Sparmaßnahmen gegensteuern muss – und tausende Mitarbeiter auf der Insel um ihren Arbeitsplatz bangen.

In den letzten drei Monaten seien die Marktbedingungen „weiter herausfordernd“ gewesen, erklärte Firmenchef Ralf Speth: Der Absatz habe unter einer nachlassenden Nachfrage in China gelitten, dazu habe in Europa Unsicherheit über die Zukunft des Diesels, den Brexit und die neuen Abgas-Vorschriften WLTP geherrscht. Mit drastischen Folgen: Der Absatz des größten Autobauers in Großbritannien brach um 13 Prozent ein.

129.887 Autos seiner Marken Jaguar, Land Rover und Range Rover verkaufte JLR im bis Ende September laufenden Quartal. Die Umsätze sanken um elf Prozent auf 5,6 Milliarden Pfund (6,4 Milliarden Euro). Vor Steuern fiel ein Verlust von 90 Millionen Pfund (102 Millionen Euro) an.

Als Gegenmaßnahme will JLR-Chef Speth nun sparen. Unter anderem sollen deswegen statt der bislang geplanten 4,5 Milliarden Pfund (5,1 Milliarden Euro) Investitionen in diesem und nächstem Geschäftsjahr 500 Millionen weniger ausgegeben werden. Die Kosten sollen um eine Milliarde gesenkt werden und JLR will weniger Autos vorproduzieren. Welche Konsequenzen das neue Sparpaket auf die Mitarbeiter hat, wurde noch nicht mitgeteilt.

Vertreter von Gewerkschaften sind jedoch alarmiert. Man werde auf Details des Sparprogramms dringen, erklärte ein Vertreter der Gewerkschaft Unite – und darauf, dass sich JLR klar dazu bekenne, dass neue Modelle in Großbritannien produziert werden.

Die Sorge ist berechtigt. Zwar hatte JLR in der Vergangenheit immer wieder auf seine britischen Wurzeln verwiesen, doch gleichzeitig hatte Firmenchef Speth eindrücklich vor den Folgen des Brexit gewarnt. In den Werken des in Großbritannien tätigen Autoherstellers werden jeden Tag tausende Autos produziert und dabei Millionen Bauteile verarbeitet - der Großteil davon ist importiert.

„Wenn nur ein Teil fehlt, kann das dazu führen, dass wir die Produktion stoppen müssen“, hatte JLR-Chef Speth mit Verweis auf mögliche Probleme nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU kürzlich gesagt. Die Autobranche sei mit einer unvorhersehbaren Zukunft konfrontiert, wenn in den Brexit-Verhandlungen kein ungehinderter Zugang zum Europäischen Binnenmarkt vereinbart werde. Für JLR könnte das zu einer jährlichen Belastung in Höhe von umgerechnet knapp 1,4 Milliarden Euro führen.

Bereits im Frühjahr hatte das Unternehmen, das mittlerweile zu dem indischen Tata-Konzern gehört, angekündigt, dass 1000 Jobs in der Fabrik in Solihull wegfallen. In einem zweiten Werk in Castle Bromwich wurde 2000 Mitarbeitern vorübergehend eine Drei-Tage-Woche verordnet. Und erst vor wenigen Tagen hatte JLR ein neues Werk eingeweiht – im slowakischen Nitra. Es ist das erste Produktionszentrum eines britischen Automobilunternehmens in diesem Land. Rund 1,4 Milliarden Euro hat JLR darin investiert.

Britische Autoindustrie fürchtet den Brexit

JLR ist nicht der einzige Autohersteller, der die Brexit-Verhandlungen mit Anspannung verfolgt. Die gesamte britische Automobilindustrie fürchtet, dass nach dem Brexit Zölle und neue Regulierungsvorschriften eingeführt werden könnten, falls London und die EU keinen guten Deal abschließen. Diese könnten zu teuren Verzögerungen führen und die Produktionskosten in die Höhe treiben.

BMW hat eine Produktionsunterbrechung im Mini-Werk in Großbritannien bereits von August auf April vorgezogen. „Es gibt viele Gründe dafür, weswegen Autohersteller Probleme haben, und das nicht nur in Großbritannien“, sagte Fondsmanager Thomas Moore von Aberdeen Standard dem britischen Sender BBC.

Er verweist auf die strengeren Vorschriften nach dem Emissionsskandal bei Volkswagen: Für JLR sei das besonders ärgerlich, weil das Unternehmen im Vergleich zu anderen Unternehmen der Branche noch wenig Hybridfahrzeuge produziere.

Darüber hinaus sei wegen der Unsicherheit über die Zukunft des Dieselantriebs und des Brexit die Nachfrage generell gesunken – vor allem aber in China. „Das kommt jetzt alles zusammen und führt zu einer Verlangsamung. Aber das ist für JLR keine Katastrophe“.

Autoexperte David Bailey von der Aston Business School ist da aber weniger zuversichtlich. JLR stehe vor „dem perfekten Sturm“, sagte er der britischen Zeitung „The Guardian“. Er fürchte, dass es im neuen Jahr wieder zum Abbau von Arbeitsplätzen kommen werde.

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