Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Werk in Eisenach

Nach der Übernahme von Opel durch die französische Peugeot-Gruppe PSA befürchten Gewerkschafter, dass vor allem das kleinste deutsche Werk in Eisenach mit seinen 1800 Beschäftigten auf der Kippe steht.

(Foto: dpa)

Krise in Eisenach Thüringen stellt Staatshilfe für Opel in Aussicht

Thüringens Ministerpräsident Ramelow hat angekündigt, den Opel-Standort Eisenach zu unterstützen. Eine Bedingung hat der Linken-Politiker aber.
23.04.2018 Update: 23.04.2018 - 13:31 Uhr 4 Kommentare

Gegen Entlassungen und Kürzungen – Opelaner demonstrieren gegen PSA-Pläne

Berlin Der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow hat Hilfen für den Erhalt des Opel-Standortes Eisenach in Aussicht gestellt. Es gehe dabei um vier konkrete Bereiche, sagte der Linken-Politiker am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. „Diese vier Themen, die würden dem Unternehmen am Standort Eisenach helfen.“ Diese Hilfen werde es aber nur geben, wenn die Tarifpartner an den Verhandlungstisch zurückkehrten.

Opel war durch die französische PSA-Gruppe übernommen worden, zu der auch die Marken Peugeot und Citroën gehören. Gewerkschafter fürchten nun, dass vor allem das kleinste deutsche Opel-Werk in Eisenach mit seinen 1800 Beschäftigten auf der Kippe steht. Betriebsrat und IG Metall werfen PSA nach gut einem halben Jahr ergebnisloser Verhandlungen vor, mit einem Kahlschlag in Deutschland die Marke mit dem Blitz zu gefährden. Opel fordert für Investitionen Zugeständnisse der Belegschaft.

Ramelow sagte nun, Thüringen werde sich nicht mit Investitionsentscheidungen erpressen lassen. „Das können wir nicht akzeptieren.“ Bei den in Aussicht gestellten Hilfen gehe es unter anderem um Energiekosten und Grundstücke. Landeswirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee habe die Maßnahmen mit allen Beteiligten, darunter der Oberbürgermeisterin von Eisenach, der Werksleitung, dem Betriebsrat und der IG Metall erarbeitet. „Da haben wir auch einen 'letter of interest' abgegeben“, sagte Ramelow.

Der Ministerpräsident erklärte, die drei Bundesländer mit Opel-Standorten würden sich nicht auseinanderdividieren lassen: „Rheinland-Pfalz, Hessen und Thüringen sind gemeinsam daran interessiert, die deutsche Marke Opel nicht als nationalistische Frage, sondern als Frage der gemeinsamen Verantwortung für die Marke Opel als Entwicklungs- und Automobilmarke zu erhalten.“

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Das habe PSA-Chef Carlos Tavares auch beim ersten Gespräch mit den Ministerpräsidenten zugesagt. „Wir sind keine Verwertungsstandorte.“ Ziel müsse sein, Opel als eigenständige Produktionsmarke im Markt zu halten.

    Im Streit um die Opel-Sanierung hat Vorstandschef Michael Lohscheller am Montag die Investitionsbereitschaft des Unternehmens für die deutschen Werke beteuert. Das Beispiel Eisenach zeige, dass die Pläne bereits auf dem Tisch lägen, erklärte der Manager in einer Botschaft an die mehr als 18 000 Mitarbeiter in den deutschen Werken. Die Pläne könnten aber noch nicht umgesetzt werden, weil das notwendige Niveau der Wettbewerbsfähigkeit noch nicht erreicht sei.

    Die Pläne für Eisenach stellten sogar eine Verbesserung des bestehenden Tarifvertrages dar, führte Lohscheller im Gegensatz zu Aussagen der IG Metall erneut aus. Bereits im ersten Halbjahr 2019 könne die Produktion eines neuen Fahrzeugs beginnen, das ab 2020 auch in einer Elektro-Hybridversion herzustellen wäre. Berichte über mögliche Schließungen der Werke Eisenach und Kaiserslautern nach gescheiterten Verhandlungen bezeichnete der Opel-Chef als „Horror-Szenarien“.

    Die IG Metall hatte dem französischen Opel-Mutterkonzern PSA am Freitag Erpressung vorgeworfen und einen detaillierten Unternehmensplan für die kommenden Jahre verlangt. Die Opel-Führung habe für die Sicherung von gerade mal 1800 Arbeitsplätzen weitgehende finanzielle Einbußen für sämtliche Beschäftigte verlangt. Im Werk Eisenach, in dem am Dienstag ein größerer Aktionstag geplant ist, soll laut Gewerkschaft nach bisherigen Planungen rund die Hälfte der 1800 Beschäftigten gehen.

    In einer ersten Reaktion auf die Botschaft hielt der Gesamtbetriebsrat Lohscheller vor, dass die in den Tarifverträgen festgelegten Produkt- und Projektbelegungen nicht eingehalten würden. „Es ist an der Zeit, dass Herr Lohscheller endlich ein verhandlungsfähiges Angebot für Opel in Deutschland vorlegt! Lohnzugeständnisse sind kein Selbstzweck“, erklärte das Gremium.

    Ramelow begrüßte grundsätzlich den PSA-Einstieg, „wenn dadurch eine Kostenstruktur entsteht, die Opel über den Tag hinaus wieder zu einem attraktiven Unternehmen in Deutschland macht“. Die Detailfragen hätten die Tarifvertragsparteien zu klären. „Da mische ich mich nicht öffentlich nicht ein.“ Die Verhandlungen sollten wieder aufgenommen werden. „Damit die Investition für Eisenach endlich kommt.“ 

    • rtr
    • dpa
    Startseite
    Mehr zu: Krise in Eisenach - Thüringen stellt Staatshilfe für Opel in Aussicht
    4 Kommentare zu "Krise in Eisenach: Thüringen stellt Staatshilfe für Opel in Aussicht"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Immer wieder wird den Konzernen vorzugsweise von linken Politikern das Geld der Steuerzahler zu geschauffelt. Wenn man damit die örtliche Wirtschaft stärken würde -kleinere und mittlere Unternehmen- wäre es bestimmt besser angelegt.

    • Wenn da anstatt Ramelow der Name Seehofer stünde, fiele mancher Kommentar anders aus. Ich bin bei Subventionen eher skeptisch und es sind fast ausnahmlos CDU, CSU, SPD oder FDP Minister die sich da hervortun. Kann sich noch jemand erinnern wie der letzte Neckermann Katalog mit Hilfe von deutschem Steuergeld unter der Ädide von Horst Seehofer gedruckt wurde? Oder an den Auftritt von Gerhard Schröder bei Philipp Holzmann? Das waren beides tote Pferde. Aber wenn es ein tragfähiges Zukunftskonzept gibt, macht es durchaus Sinn, wenn der Staat einspringt, sofern er hinterher auch am Gewinn beteiligt ist. Nur unter diesen beiden Bedingungen macht eine Staatshilfe Sinn.

    • Die Sozialisten stellen wieder einmal großzügig das Geld anderer Leute bereit.

      Da es tatsächlich Menschen gibt (berufsbedingt kennengelernt), die Soll und Haben nicht unterscheiden können, braucht man sich über deren Wahlverhalten auch nicht wundern.

      Die wahre Schande ist aber, dass die Angehörigen und Anhänger eines, der Bundesrepublik einst feindlich gesinnten Regimes, heute in unseren Parlamenten sitzen.

      Bei Politikern wie einem Herrn Ramelow muss es jeden Demokraten übel werden.

    • Ein verhandlungstaktisch äußerst gebildeter Politiker. Vielleicht könnte er den Franzosen zusätzlich noch anbieten, dass er ihnen täglich am morgen die Brötchen holt.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%