Krisenberater Heraeus gibt den Waigel für ADAC

Wie Theo Waigel einst Siemens aus dem Korruptionssumpf führte, soll nun Jürgen Heraeus, Vorsitzender von Unicef-Deutschland, den ADAC beraten. Er ist erstes Mitglied des Beirats, der Missstände im Verein aufdecken soll.
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Er stellt sich der großen Herausforderung, beim ADAC aufzuräumen: Jürgen Heraeus, der Vorsitzende der deutschen Sektion des Kinderhilfswerks Unicef, dürfte damit einiges an Arbeit vor der Brust haben. Quelle: ap

Er stellt sich der großen Herausforderung, beim ADAC aufzuräumen: Jürgen Heraeus, der Vorsitzende der deutschen Sektion des Kinderhilfswerks Unicef, dürfte damit einiges an Arbeit vor der Brust haben.

(Foto: ap)

MünchenDer Vorsitzende von Unicef Deutschland, Jürgen Heraeus, soll den ADAC auf seinem Weg aus der Krise als Berater begleiten. Er sei das erste Mitglied eines Beirats, der die Organisation wieder auf Kurs bringen solle, teilte der Automobilclub am Mittwoch in München mit. Heraeus ist neben seiner Tätigkeit für das Kinderhilfswerk Unicef auch Aufsichtsvorsitzender des Edelmetall- und Technologieunternehmens Heraeus Holding GmbH mit Sitz im hessischen Hanau.

Was dem ADAC zur Last gelegt wird
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14. Januar 2014

Seinen Lauf nahm der Skandal um den Automobilclub am 14. Januar, als Vorwürfe laut wurden, dass der ADAC die Abstimmungszahlen des Autopreises "Gelber Engel" manipuliert habe – mutmaßlich direkt durch die Führung der Kommunikationsabteilung.

Laut einem Bericht der „Süddeutsche Zeitung“ sollen nur 3.409 ADAC-Mitglieder bei der Wahl zum „Gelben Engel“ den VW Golf zum Lieblingsauto der Deutschen gewählt haben. Ein ADAC-Papier vom Dezember 2013 habe dagegen als offizielles Ergebnis 34.299 Stimmen genannt. Es sei nicht das erste Mal, dass der ADAC zwar nicht das Ranking selbst, wohl aber die Stimmenzahl manipuliert habe.

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16. Januar 2014

Bei der offiziellen Feier zur Auszeichnung des VW Golf mit dem "Gelben Engel" spricht Karl Obermair, Vorsitzender der ADAC-Geschäftsführung, vor den geladenen Gästen von "Unterstellungen und Unwahrheiten". Die Leser der Kundenzeitschrift "Motorwelt" hatten den Golf nach ADAC-Angaben mehrheitlich gewählt. Zu den Vorwürfen der "Süddeutschen Zeitung" sagte er, er könne nur versichern, dass die vier Buchstaben "ADAC" richtig abgedruckt worden seien. Im übrigen sei nichts älter als die Tageszeitung von gestern: "Mit der packt man den Fisch ein." Wie viele Leser sich tatsächlich an der Abstimmung beteiligt hatten, teilte der ADAC auch anlässlich der Preisverleihung nicht mit.

VW-Chef Martin Winterkorn, der den Preis für das Lieblingsauto in München entgegennahm, wollte sich nicht zu den Manipulationsvorwürfen äußern. "Das sollte die "Süddeutsche Zeitung" mit dem ADAC ausmachen, da halte ich mich raus", sagte er. "Ich glaube nicht, dass hier der Eindruck entstanden ist, dass hier ein Klüngel vorhanden ist."

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17. Januar 2014

Unmittelbar nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe haben ADAC-Geschäftsführung und Präsidium eine lückenlose interne Prüfung angeordnet.

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19. Januar 2014

Der Leiter Öffentlichkeitsarbeit des ADAC und Chefredakteur der Mitgliederzeitschrift "Motorwelt", Michael Ramstetter, räumte die Manipulationen ein und legte sein Amt nieder. Weder Geschäftsführung noch Präsidium seien zuvor "über diese Unregelmäßigkeiten bei der Leserwahl" unterrichtet gewesen. Die anderen Kategorien beim Preis „Gelber Engel“ seien von den Vorgängen nicht betroffen, betonte der Autoclub. Er will Vertrauen zurückgewinnen und kündigte an, bis 2015 für die Abstimmung zum Lieblingsauto ein notariell überwachtes Verfahren zu entwickeln, das über jeden Zweifel erhaben sei.

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19. Januar 2014

Die Manipulationen werfen nach Ansicht des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen auch ein Schlaglicht auf andere Tests und Statistiken des ADAC. "Auch die Pannen- und Tunnelstatistik müsste man jetzt untersuchen", sagte Dudenhöffer. "Wenn sie beim Gelben Engel lügen, könne man das auch für die anderen Bereiche nicht ausschließen", betonte er. Im ADAC-System laufe grundsätzlich etwas falsch. Der Autoexperte führt dies unter anderem auf das Fehlen von Kontrollmechanismen in dem Verband zurück.

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20. Januar 2014

Die Vorwürfe weiten sich aus: Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung ergaben erste interne Untersuchungen beim ADAC, dass zumindest 2012 und 2013 die Zahl der Stimmen künstlich erhöht wurde. Nach Informationen der Zeitung sollen neben Ramstetter auch leitende Mitarbeiter der "ADAC Motorwelt" in den Betrug eingeweiht gewesen sein. "Wir haben hier ganz klar einen Hauptverantwortlichen", sagte Obermair, alles andere müsse die Prüfung zeigen.

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20. Januar 2014

Die Bundesregierung rief den ADAC zu einer umfassenden Aufklärung der Manipulationen auf. "Es ist jetzt Aufgabe des ADAC, hier alle Karten auf den Tisch zu legen, möglichst transparent die Vorgänge aufzuarbeiten, auch rückblickend für die Jahre zuvor", sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer forderte eine unabhängige Prüfung. "Am besten ist jetzt: alles auf den Tisch, Transparenz, und nach Möglichkeit eine unabhängige, objektive Prüfung", sagte er vor einer CSU-Vorstandssitzung. Die Manipulationen hätten ihn nicht überrascht, denn er habe sich auch über andere Zahlen in der Vergangenheit gewundert. "Im Zusammenhang mit der Maut habe ich mich immer gefragt, wie man zu solchen Schlussfolgerungen kommen kann", sagte Seehofer.

„Ich möchte als Mitglied des ADAC-Beirates dafür Sorge tragen, dass die jetzt eingeleiteten Reformen die zu Tage gekommenen Missstände beseitigen und so das Vertrauen in den ADAC wieder hergestellt wird“, begründete der Unternehmer nach Angaben des ADAC sein Engagement. Neben Heraeus sollen weitere Berater folgen.

  • dpa
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2 Kommentare zu "Krisenberater: Heraeus gibt den Waigel für ADAC"

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  • Heraeus als Saubermann? Ist die Affaire um die Herkunft des Blutgoldes schon vergessen?

  • Langsam wird’s langweilig: Ob Christian Wulff, Westerwelle oder jetzt der ADAC – die medialen Hetzkampagnen laufen immer nach dem selben Muster ab.

    Kaum schießt jemand politisch quer, wird eine Verfehlung nach der anderen "aufgedeckt", egal wie bedeutend oder wie lächerlich sie auch sein mag.

    Das Ziel besteht darin, die jeweilige Person oder Organisation auf Linie zu bringen – oder gleich zu vernichten!

    Warum wid der ADAC von den gleichgeschalteten Massenmedien angegriffen?

    Vielleicht weil der ADAC sich gegen eine Maut für Pkw ausgesprochen hatte?

    Die CSU/CDU fordert die Einführung einer Pkw-Vignette auf den Bundesautobahnen.

    Als der bayerische Ministerpräsident seine große "Maut-Bombe" im Wahlkampf für die Bundestagswahl und bayerische Landtagswahl 2013 platzen ließ, erklärte der ADAC sie zum Blindgänger!

    Geht es dem gelben Engel deshalb jetzt an den Kragen?

    Wieso ist der ADAC für die geheimen Drahtzieher ( Die Bilderberger ) so gefährlich?

    Der ADAC ist Deutschlands drittgrößte Organisation!!

    Der ADAC mit 18 Millionen Mitgliedern ist eine der größten Organisationen überhaupt – gleich nach den Krankenkassen und Deutschlands Amtskirchen!

    Selbst der mächtige Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ist mit seinen 4 Millionen Mitgliedern dagegen nur ein Zwerg!

    Von Deutschlands herrschenden Blockparteien ganz zu schweigen, die nur 468 000 (CDU) beziehungsweise 474 000 Mitglieder (SPD) zählen.

    Institutionen die in Deutschland so viel Macht haben und nicht durch die Bilderberger kontrolliert werden wie der ADAC, machen sich bei den heimlich herrschenden nicht beliebt.

    Warum erfahren wir in den gleichgeschalteten Medien nichts über die Bilderberger?

    Wer steht hinter den gleichgeschalteten Massenmedien?

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