Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Krisengewinner Griechen stürzen sich auf deutsche Reedereien

Griechen nutzen den Rückzug deutscher Banken aus der Schiffsfinanzierung und kaufen sich günstig ein. Chinesen dagegen springen mit Krediten bei, um heimische Werften zu stützen.
9 Kommentare
Ein Containerschiff im Hamburger Hafen. Quelle: ap

Ein Containerschiff im Hamburger Hafen.

(Foto: ap)

Eine Krise hat immer auch Gewinner. Während viele deutsche Reeder SOS funken, gibt es durchaus Akteure in der Branche, die sich darüber freuen. Ausgerechnet Reeder aus dem Euro-Krisenland Griechenland profitieren am meisten von den Problemen, die gefallene Frachtraten und Überkapazitäten den Schiffseignern in Deutschland und anderswo bereiten. Niemand auf der Welt erwarb in diesem Jahr günstig so viele Tanker und Containerkähne wie die Reeder von der Ägäis. Die Griechen gaben 1,6 Milliarden Dollar für gebrauchte Frachter aus und rangieren damit mit weitem Abstand vor dem Exportweltmeister China.

Zwar werden Reeder aus Hellas vom fast bankrotten Staat kräftig mit Steuerprivilegien gefüttert. Doch das erklärt nicht, weshalb sie jetzt zu Krisengewinnlern werden.

„Traditionelle griechische Reeder investieren im Vergleich zu Konkurrenten etwa aus Deutschland antizyklisch“, sagt Andreas Schultheis, Leiter der Schifffahrtsabteilung bei der Hamburger Berenberg Bank. Die Griechen hätten sich während des Schifffahrtsbooms der Jahre 2003 bis 2007 zurückgehalten, während andere Reedereien zu überhöhten Preisen immer neue Frachter bestellten. Jetzt nutzen die Hellenen ihre Ersparnisse, um angesichts des rapiden Preisverfalls günstig einzusteigen.

Damit ist klar: Der kürzlich angekündigte Rückzug der Commerzbank aus der Schiffsfinanzierung machte die Krise der hiesigen Reeder allenfalls öffentlich, ausgelöst hat Vorstandschef Martin Blessing sie aber nicht. „Mehr als zwei Drittel der deutschen Handelsflotte befinden sich schon seit den vergangenen zwei Jahren in finanzieller Schieflage“, sagt der Schifffahrtsexperte Jürgen Dobert aus Wentorf bei Hamburg. Rund 2500 der aktuell über die Weltmeere tuckernden Frachter seien von deutschen Fonds und Banken finanziert, wobei mehr als 800 von ihnen am Rande der Insolvenz schipperten.

Kein Wunder, dass die Notlage nun von denjenigen ausgenutzt wird, die ihre Flotten nicht so stark wie die deutschen Reeder aufstockten. So stehen griechische, aber auch chinesische Interessenten zurzeit Schlange bei deutschen Schiffsmaklern. „Die beobachten den deutschen Markt gerade sehr genau“, sagt einer, der anonym bleiben möchte und zu dessen Top-Kunden etwa die Reederei Costamare mit Sitz in Athen gehört.

Interessiert seien die Griechen vor allem an modernen Containerschiffen im Alter von 7 bis 17 Jahren. Auch die Athener Reederei Technomar Shipping gehört zu den Käufern von Secondhand-Schiffen. Technomar erwarb bereits 2010 zehn Containerschiffe von der deutschen Reederei Claus-Peter Offen im Wert von mehr als 100 Millionen Euro.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Zu viele Frachter bestellt
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Krisengewinner - Griechen stürzen sich auf deutsche Reedereien

9 Kommentare zu "Krisengewinner: Griechen stürzen sich auf deutsche Reedereien"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich fordere 100% Subventionen für griechische Reeder, damit sie die ganze Welt aufkaufen können!

  • korrekt, diese Subis haben nur die Flaggenwechsel forciert, sonst nichts. Die Griechen haben einfach mehr Geschäftssinn bewiesen, ebenfalls durch Steuerfreiheit subventioniert, genauso wie Deutsche Reeder auch, und noch Subis oben drauf. Täten sie das nur bei ihrer Staatsverwaltung auch.
    Subventionen abschaffen, und zwar überall.

  • Eine perfide Welt: Die griechischen Reeder zahlen keine Steuern. Dafür kaufen sie die (auch) durch Steuern belasteten dt. Unternehmen (bzw. deren Aktiva). Aber wozu? Was wollen die Griechen damit befördern? Die nocht vorhandene selbstproduzierten Güter? Oder die Import, für die sie kein Geld haben (sollten)?

  • Was sich da alle aufregen, ist doch so gewollt. Dem billigen Euro sei Dank.

  • Um den Deutschen Schiffbau zu fördern, hat die Politik den Schiffsfonds satte Steuervorteile gewährt. Dummerweise haben die ihre Schiffen dann in Asien, und nicht in Deutschland fertigen lassen. Umso mehr Fonds man aufgelegt hatte, umso mehr haben die Schiffsfondanbieter kassiert. Aus lauter Geldgier haben die den Bedarf völlig aus den Augen verloren. Mitleid haben die jedenfalls nicht verdient.

  • Ach Heidi, vielen Dank.
    Ein bißchen BlaBla über "Nationalistisch" macht sich immer gut. Das ist einfach in ;-)

  • Ach DonSarkasmo - Ich denke Ihre nationalistische Herangehensweise blendet auch nicht viel weniger Wahrheit aus als die Herangehensweise Jener die Sie (zu Recht!) kritisieren.
    Daß Reiche (wobei die Nationalität gerade keine Rolle spielt!) sich in Zeiten wie diesen in Sachwerte flüchten ist doch nur logisch. Wer wollte das verübeln?
    Skandalös ist nicht das Verhalten Jener die notgedrungen aus der Krise das Beste machen müssen - sondern skandalös ist das Verhalten unser aller Politiker (in Hellas ebenso wie in Deutschland!).
    Politik hat einfach zu viel Einfluß und Macht. Diese Macht gehört auf die allernotwendigsten staatlichen Aufgaben zusammengestrichen. Wenn Politikern die Macht eingeräumt wird ihre Völker zu beglücken (mit Konsum oder mit Arbeitsplätzen) - dann kommt man zwangsläufig in Krisen und schlimmstenfalls sogar Kriege.

  • Ja die reichen Griechen verstandes es schon immer aus "Stroh Gold" zu machen. In diesem Falle eben aus "Wertlosen Staatsamleihen mit Hilfe dt. Steuergelder reale Wirtschaftsgüter"
    Meinen Glückwunsch.
    Der dt. Michel hat es wohl nicht anders verdient.

    Stgt.21=143.e Montagsdemo. ESM/EFSF Demos?

  • „Traditionelle griechische Reeder investieren im Vergleich zu Konkurrenten etwa aus Deutschland antizyklisch“

    Ja, das geht im umgekehrten Fall aber nicht. Wer jetzt z.B. in Griechenland in Immobilien investiert, setzt sich der Gefahr aus, enteignet [...].

    [...]

    Wäre ich Bundeskanzler, hätte ich die[...] schon längst aus der EU und 90% der Polit-Bonzen (Deutschland/EU) hinterher geworfen.

    Ich muss aber auch zugeben, dass der Bundeskanzler alleine das nicht machen darf. Dazu muss man Bundeskanzler/Bundespräsident in einer Person vereinen.

    +++Beitrag von der Redaktion editiert+++