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Krüger-Nachfolge BMW will schnellen Führungswechsel – Produktionschef Oliver Zipse ist Favorit

Die Diskussion um einen BMW-Chef läuft auf Hochtouren. Als Zipses Hauptkonkurrent gilt Entwicklungsvorstand Fröhlich. Aber auch ein dritter Name fällt.
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BMW: Produktionsvorstand Zipse gilt als Favorit für den Chefposten Quelle: thomas meyer
Oliver Zipse

Schon zur Automesse IAA im September könnte BMW Oliver Zipse als Nachfolger von Harald Krüger präsentieren.

(Foto: thomas meyer)

München Wenige Tage nach dem erklärten Rückzug von BMW-Chef Harald Krüger läuft die Suche nach einem Nachfolger auf Hochtouren. Produktionsvorstand Oliver Zipse gilt als Favorit, im Rennen ist aber weiterhin auch Entwicklungschef Klaus Fröhlich.

Ein Konzernsprecher betonte am Wochenende, dass die Entscheidung offen sei und offiziell auf der Aufsichtsratssitzung am 18. Juli getroffen werde. Krügers Vertrag läuft noch bis Mai 2020, doch sein Nachfolger soll schnell ins Amt. Schon auf der Branchenmesse IAA im September soll ein neuer BMW-Chef auf der Bühne stehen, hieß es in Konzernkreisen.

Der 55-jährige Zipse könnte noch eine volle Amtszeit übernehmen, bevor er die für BMW gültige Altersgrenze von 60 Jahren erreicht. Fröhlich erreicht das Alterslimit bereits im kommenden Jahr. Ob Fröhlich unter einem möglichen Vorstandsvorsitzenden Zipse in der Führungsmannschaft bleiben will, ist offen.

Aufsichtsratschef Norbert Reithofer will Fröhlich in jedem Fall halten. Nach Informationen des Handelsblatts ist der Aufsichtsrat bereit, Fröhlichs Vertrag zu verlängern und höher zu dotieren. Der Entwicklungsvorstand verantwortet die lang erwartete Elektrooffensive der Münchener und zeichnet für die Kooperationen mit dem Rivalen Mercedes, dem Chiphersteller Intel und dem Batterieproduzenten CATL verantwortlich.

Derzeit kümmert sich Zipse vor allem um den Umbau des Stammwerks in München. Die Fabrik in der Heimstatt des Autokonzerns soll demnächst alles können: „Verbrenner, Hybrid- und Elektroautos kommen künftig von einem Band“, erklärte der BMW-Produktionsvorstand bei der Präsentation seiner Pläne.

München wird so zur Blaupause der Werke in Deutschland, den USA und China. Wenn 2021 die neue Batteriegeneration einsatzbereit sei, dann habe BMW dank der flexiblen Produktion einen großen Vorteil vor der Konkurrenz. Schließlich könne niemand wissen, wie viele Stromautos tatsächlich verkauft werden. Da sei es klug, sich mit der Produktion auf jedes Szenario vorzubereiten.

Was für die Produktion gilt, das gilt für den Produktionsvorstand erst recht. Denn das Vorstandsressort „T“ ist bei BMW nicht etwa irgendein ausführendes Organ, es ist neben der technischen Entwicklung die Königsdisziplin. BMW-Werke gelten als Gradmesser für Effizienz in der Branche, überlegen in Logistik und Flexibilität.

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Wer die Werke managt, der ist in München traditionell ganz nah am Chefsessel. So war es die letzten Jahre immer: Mit Norbert Reithofer und Harald Krüger waren die letzten beiden BMW-Chefs zuvor jeweils Produktionsvorstand.

Eine Rechnung, die auch für Zipse aufgehen könnte. Nicht erst seit dem Wochenende wird der 55-Jährige als heißer Kandidat für die Nachfolge von Harald Krüger gehandelt. Seitdem Krüger am Freitag auf eine zweite Amtszeit verzichtet hat, ist die Diskussion um seine Nachfolge voll entbrannt.

Mag Zipse auch Favorit sein – der einzige Kandidat ist er nicht. Im Rennen ist weiter auch Entwicklungschef Klaus Fröhlich. Der 59-Jährige gilt als besonders durchsetzungsstark und hat intern mehr als einmal deutlich gemacht, dass er sich den Vorstandsvorsitz zutraut. Ob er unter einem neuen Vorstandsvorsitzenden seinen im kommenden Jahr auslaufenden Vertrag verlängert, ließ er bis zuletzt offen.

Sein Verhältnis zu Krüger war in den vergangenen Monaten belastet, das zu Zipse ist aber auch nicht frei von Spannungen. Und so wurden am Wochenende sogar Finanzchef Nicolas Peter Außenseiterchancen eingeräumt – als Kompromiss zwischen den beiden Rivalen. Das Rennen sei nach wie vor offen, betonte ein BMW-Sprecher am Wochenende und verwies erneut auf die Aufsichtsratssitzung am 18. Juli.

Doch am Wochenende liefen erneut intensive Gespräche im Präsidium des Aufsichtsrats. Neben Aufsichtsratschef Norbert Reithofer zählen auch Betriebsratschef Manfred Schoch und Großaktionär Stefan Quandt zu dem Gremium. Gesucht wird eine nachhaltige, aber schnelle Lösung. Krügers Vertrag läuft noch bis Mai 2020, doch so lange will man bei BMW nicht warten.

„Auf der IAA soll ein neuer Vorstandsvorsitzender auf der Bühne stehen“, sagt ein Insider. Die Frankfurter Automesse beginnt am 10. September – und da will BMW Handlungsstärke beweisen. Die Münchener sind mitten in der „größten Modelloffensive der Firmengeschichte“, der Chefwechsel erfolgt im Vollgasmodus.

Krüger scheitert an Führungskultur

Tatsächlich hat die Diskussion über eine zweite Amtszeit Krügers den Münchener Autokonzern über Monate gelähmt. Der 2015 mit breiter Unterstützung angetretene Krüger hatte von Beginn an einen schlechten Start. Auf der Automesse IAA im Herbst 2015 erlitt er einen Schwächefall und kippte auf offener Bühne um.

Doch der Ziehsohn Reithofers scheiterte nicht an seiner Gesundheit, sondern an den schlechten Zahlen und der Führungskultur des Unternehmens. Zwei Gewinnwarnungen verhagelten zuletzt die Bilanz, Tesla führte BMW in der Elektromobilität vor, und die Führungsebene murrte immer lauter. Doch der feinsinnige Krüger blieb bei seiner Linie, die Dinge abzuwägen, mit den Führungskräften zu diskutieren und dann Entscheidungen zu treffen.

Dass den Entscheidungen oft der Ruch des Kompromisses anhaftete, brachte ihm den Ruf des Zauderers ein. Teile der mächtigen Bereichs- und Werksleiter, aber auch Vorstandskollegen wie Fröhlich rebellierten, die Diskussion erreichte die Aufsichtsräte. Reithofer, der immer noch ein Büro im 21. Stock der Konzernzentrale unterhält, rückte immer weiter von seinem Zögling ab.

Sein Nachfolger drohte sein Erbe zu verspielen: Erst überrundete Mercedes BMW in den Verkaufszahlen, dann stellte Tesla die Münchener in der Elektromobilität bloß. Schon auf der Hauptversammlung Mitte Mai kämpfte Krüger auf einsamem Posten. „Sie kennen uns, wir setzen uns knallharte Ziele!“, rief der 53-Jährige von der Bühne, während die freien Aktionäre lauthals einen Kurswechsel in Sachen Elektromobilität und Rendite forderten. Mit starren Minen verfolgten die Großaktionäre Susanne Klatten und Stefan Quandt das Scherbengericht.

Krüger selbst hielt sich mit Aussagen zu seiner Zukunft bedeckt, der Konzern wiegelte die Diskussion um seine Vertragsverlängerung immer wieder ab. Am 24. Juni dann die Wende: Das Präsidium des Aufsichtsrats legte sein Vorgehen für die kommende Aufsichtsratssitzung am 18. Juli in Spartanburg fest.

Eine mögliche Vertragsverlängerung von Krüger wurde formell auf die Liste genommen, gleichzeitig wurden aber auch die Optionen Zipse und Fröhlich auf die Agenda gesetzt. Damit war der Stab gebrochen.

Krüger wurde nun die Möglichkeit gegeben, selbst zu erklären, ob er eine zweite Amtszeit überhaupt noch anstreben wolle. Tatsächlich ließ man ihm nur noch die Möglichkeit des „gesichtswahrenden Abgangs“, wie ein Beteiligter die Dinge beschreibt. Krüger hatte die Botschaft verstanden, ließ sich mit der Antwort aber noch ein wenig Zeit.

Krüger drehte noch einmal auf, wirkte befreit und gelöst. Beim Spitzentreffen der Autoindustrie im Kanzleramt überrumpelte er die Konkurrenten mit einer neuen E-Auto-Offensive, auf der Hausmesse „Next Gen“ überraschte er als führungsfreudiger Innovator, beim anschließenden Treffen des „Obersten Führungskreises“ (OFK) als entschlossener Sanierer, der für die kommenden Monate „harte Messages“ ankündigt.

Doch innerlich nahm er Abschied. Zehn Tage habe er sich intensiv mit seiner Frau beraten, erklärte er Vertrauten. Sentimental sei Krüger geworden, als in der BMW-Welt die Bühnen der Next Gen abgebaut wurden – wohl im Wissen, dass es seine letzte Vorstellung war, sagen Mitarbeiter.

Am vergangenen Freitag zog er die Reißleine und bat um einen Termin bei Reithofer, der eigens aus dem heimischen Penzberg nach München eilte. „Nach über zehn Jahren im Vorstand, davon mehr als vier Jahre als Vorstandschef der BMW Group, will ich mich nun beruflich neu orientieren und meine vielfältige internationale Erfahrung in neue Aufgaben und Projekte einbringen“, erklärte Krüger.

Die letzten Jahre hätten von „jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter enorme Kraftanstrengungen verlangt“. Reithofer würdigte Krügers Einsatz. „Gleichzeitig habe ich großen Respekt für seine jetzige Entscheidung und volles Verständnis für seine weiteren Pläne“, ließ der Altvordere mitteilen.

Im „Vierzylinder“, der markanten Firmenzentrale nahe dem Olympiagelände, schwankte am Freitag die Stimmung. Erleichterung, dass die quälende Diskussion um die Vertragsverlängerung ein Ende hat – aber auch Wehmut: Mit Krüger verlässt aus Sicht vieler Beschäftigter ein nahbarer und offener Geist das Unternehmen, dem es gelang, dem hierarchisch organisierten Konzern wenigstens zeitweise eine neue Diskussionskultur zu vermitteln.

Die meisten Führungskräfte wünschen sich aber eine starke Führungsfigur vom Schlage Reithofer. Es ist die Sehnsucht nach einem „Alphatier“. Denn trotz aller Beteuerungen des Wandels ist BMW nach wie vor eine von Konkurrenz getriebene Männergesellschaft, die sich nach ihren Regeln ständig selbst bestätigt und erneuert. Da mit 60 Jahren im Topmanagement Schluss ist, müssen BMW-Manager schnell aufsteigen. Zu langes Räsonieren über den richtigen Weg gehört in dieser Kultur nicht zur Karriereplanung.

Die Sehnsucht nach dem „Alphatier“

Zipse mit seinem eloquenten, scharf analysierenden Charakter wird die Führungsrolle zugetraut. Er ist wie Krüger durch alle Kaderschmieden des Konzerns gelaufen, leitete die strategische und technische Planung, bevor er 2015 das Produktionsressort von Krüger übernahm.

Zipses Vorteil ist sein Alter: Mit 55 Jahren kann er noch eine volle Amtszeit übernehmen. Sein Makel ist der fehlende letzte Schliff: Eigentlich sollen BMW-Vorstandsvorsitzende zwei Ressorts geleitet haben, bevor sie auf den Chefsessel dürfen. Insbesondere fehlt ihm ein Netzwerk in die mächtige Entwicklungsabteilung, die bis 2015 von Diess geführt wurde und seitdem von Fröhlich geleitet wird.

Fröhlich seinerseits machte in den vergangenen Wochen aus seinen Ansprüchen, Krüger abzulösen, intern kaum einen Hehl. Gerne ließ er sich das Etikett des „Neben-CEO“ anheften. Der Entwicklungsvorstand ist ein enger Weggefährte von Diess, der den Konzern nach Krügers Berufung enttäuscht Richtung Wolfsburg verließ. Mehr als einmal sorgte das Gerücht für Aufsehen, Fröhlich könnte Diess zu VW folgen. Stattdessen ging Markus Duessmann, der Einkaufsvorstand, der zuvor als Fröhlichs Nachfolger gehandelt wurde.

Damit ist Fröhlich für BMW noch wichtiger geworden. Anders als sein Rivale Zipse schätzt der Westfale die offene Auseinandersetzung. Ressortgrenzen hindern Fröhlich ebenso wenig wie die Befindlichkeiten seiner Kollegen, wenn es darum geht, seine Interessen durchzusetzen.

Kritik an seinem auf über sechs Milliarden Euro gewachsenen Entwicklungsbudget lässt er im Vorstand ins Leere laufen. Seine Kollegen im Vertrieb mögen doch mehr Autos verkaufen, dann sei doch alles in Ordnung. Sein Verhältnis zu Zipse ist nicht das einfachste: Bei internen Veranstaltungen habe es mehr als einmal zwischen beiden geknirscht, sagen Beteiligte. Ob er unter einem Vorstandsvorsitzenden Zipse bleibt, ist offen. Formell läuft Fröhlichs Vertrag im kommenden Jahr aus.

Doch Reithofer will seinen obersten Techniker nicht verlieren und würde für ihn die Altersgrenze von 60 Jahren aufgeben. Fröhlich ist Architekt der Elektrooffensive, die BMW 2020 und 2021 spät, aber dafür umso entschlossener auf die Straße bringen will. Zudem laufen bei Fröhlich jene Kooperationen zusammen, ohne die BMW den Sprung in die Zukunft kaum schafft: Batteriezellen mit CATL und Northvolt, autonomes Fahren mit Mercedes und Intel.

Als kleinster deutscher Autokonzern sind solche Bündnisse für die Münchener lebenswichtig, gleichzeitig darf BMW sein Gewicht in den neuen Bündnissen nicht verlieren. Fröhlichs wuchtiges Auftreten in den Verhandlungen mit den neuen Partnern ist in der Branche bereits Legende. Nicht nur mit Mercedes redet er auf Augenhöhe, sondern auch mit den Chefs von Google, Apple und den chinesischen Internetkonzernen.

Gesucht werde eine Lösung, die Fröhlich und Zipse an Bord hält, hieß es daher am Wochenende. Sollte Zipse den Vorzug bekommen, darf Fröhlich mit zusätzlichen Kompetenzen und einem deutlich höheren Gehalt rechnen, heißt es im Konzern.

Mehr: Der Konzernumbau, den Harald Krüger dem Autokonzern BMW verordnet hatte, ist in weiten Teilen noch Stückwerk. Nach dem nun geplanten Führungswechsel stehen für Krügers Nachfolger deshalb harte Entscheidungen an.

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