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Kry Schwedischer Telemedizin-Anbieter sammelt 140 Millionen Euro ein

Der schwedische Telemedizin-Anbieter Kry will mit frischem Kapitel weiter expandieren – auch in Deutschland. Das dürfte eine besondere Herausforderung werden.
06.01.2020 - 08:46 Uhr Kommentieren
Das Start-up Kry will seinen Service in weiteren europäischen Ländern einführen. Quelle: Kry
Arztsprechstunde via Internet

Das Start-up Kry will seinen Service in weiteren europäischen Ländern einführen.

(Foto: Kry)

Düsseldorf Es ist eine gewaltige Finanzspritze für das schwedische Start-up: Kry hat nach eigenen Angaben eine C-Finanzierungsrunde mit einem Volumen von mehr als 140 Millionen Euro abgeschlossen. Mit dem frischen Kapital will das Unternehmen expandieren.

Neben dem Heimatmarkt in Schweden ist Kry bereits in Großbritannien, Frankreich, Norwegen und seit wenigen Wochen auch in Deutschland aktiv. „Unser Ziel ist es nun, den Zugang zur medizinischen Versorgung für weitere Millionen Menschen in Europa zu verbessern“, sagt Johannes Schildt, Geschäftsführer und Gründer von Kry.

Die Finanzierungsrunde wurde von Ontario Teachers' Pension Plan, Kanadas größtem Rentenfonds, angeführt. Die Fonds-Verantwortliche Olivia Steedman sagt: „Das Unternehmen verändert dank eines verbesserten Zugangs und mehr Komfort die Art und Weise, wie Gesundheitsdienstleistungen für die Verbraucher bereitgestellt werden und entlastet gleichzeitig die stark belasteten Gesundheitssysteme.“ Die bestehenden Kry-Investoren Index Ventures, Creandum und Accel nahmen ebenfalls an der Finanzierungsrunde teil.

Für Kry arbeiten mehr als 700 Ärzte, die laut Unternehmensangaben mehr als 1,4 Millionen Patienten telemedizinisch behandelt haben. Patienten können per App die kooperierenden Mediziner per Videochat für eine Diagnose kontaktieren, sich im Falle krankschreiben lassen oder ein elektronisches Rezept (E-Rezept) ausgestellt bekommen. Um das Rezept einzulösen, können Patienten eine Apotheke vor Ort auswählen oder sich das Medikament zuschicken lassen. Dafür kooperiert Kry mit der niederländischen Versandapotheke Doc Morris.

Mit der geplanten flächendeckenden Einführung des E-Rezepts 2021 dürfte die Telemedizin in Deutschland weiter an Dynamik gewinnen. GKV-Spitzenverband-Vorständin Stefanie Stoff-Ahnis erwartet, dass in fünf Jahren jede fünfte Behandlung per Videosprechstunde erfolgen werde.

Telemedizin im regulierten Gesundheits-Ökosystem

In 15 Bundesländern dürfen Ärzte mittlerweile Patienten telemedizinisch ohne vorherigen Erstkontakt behandeln, die Mediziner können seit einigen Wochen Videosprechstunden regulär abrechnen. Auch Psychotherapeuten dürfen telemedizinisch behandeln, seit kurzer gibt es dafür ebenfalls die Möglichkeit zur regulären Abrechnung.

Kry bietet seinen Service bisher nur Privatversicherten und Selbstzahlern an. Aktuell sei die Erstattung durch die Krankenkassen noch nicht möglich. Im Laufe des Jahres wolle man auch für gesetzlich krankenversicherte (GKV) Patienten erstattbar werden, erklärte das Unternehmen gegenüber Handelsblatt Inside.

„Jetzt geht es darum, der Erste zu sein“, sagt Carsten Jürgens, leitender Berater für Gesundheitsthemen bei Sopra Steria: Noch ist kein industrieller Telemedizin-Anbieter Teil der GKV-Leistungen.

Rainer Beckers, Geschäftsführer vom Zentrum für Telematik und Telemedizin (ZTG) ergänzt, dass entscheidend sei, wie sich Kry in das spezielle deutsche System integrieren könne: „Ein Drittel der 140 Millionen Euro sollte Kry in die Fragestellung investieren, wie sie Telemedizin ins ausdifferenzierte und regulierte Gesundheits-Ökosystem bringen wollen.“

Telemedizin-Anbieter müssten sich fragen, wie sie künftig zum Beispiel mit Ärzten als Einzelkämpfer kooperieren könnten. „Schließlich ist es nicht die Aufgabe der Selbstverwaltung, industrielle Angebote zu kanalisieren und das Angebot an den Kunden zu bringen.“ Und lediglich Ärzte könnten die Videosprechstunde in signifikanter Anzahl an die Patienten bringen, meint Beckers.

Deshalb müsse Telemedizin im Zusammenhang mit regionalen Versorgungssystemen gesehen werden, findet Carsten Schmid, Vertriebsleiter beim finnischen IT-Unternehmen Kauko: „Die im Versorgungsprozess Beteiligten wie Patient, Arzt, Therapeut, Klinik, Rehabilitation, Pflegedienst und Angehörige sollten miteinander vernetzt sein.“ Vorreiter wie skandinavische Gesundheits-Ökosysteme hätten dafür extra eine eigene Kommunikationsplattform entwickelt.

Wie Kry diesen Weg beschreiten könne, will das Unternehmen noch nicht kommunizieren. Die Videobehandlung solle jedenfalls „Schritt für Schritt für alle Beteiligten“ implementiert werden, heißt es: „Dazu gehört insbesondere dieses Jahr auch die Aufklärung, sodass ein Patient für sich selbst die Videosprechstunde als Option wahrnimmt.“

Mehr: Die Digitalisierung des Gesundheitswesens soll durch die Telematikinfrastruktur vorangetrieben werden. Nun hat der Chaos Computer Club Sicherheitslücken dabei aufgedeckt.

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Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem exklusiven Fachbriefing Handelsblatt Inside Digital Health. Zweimal in der Woche analysieren wir dort die neuesten Entwicklungen im Bereich digitale Gesundheit.

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