Kuka-Übernahme Midea gehören fast 95 Prozent am Roboterbauer

Fast alle Aktionäre des deutschen Roboterbauers Kuka haben ihre Anteile an chinesischen Midea-Konzern verkauft. Jetzt müssen nur noch die Aufsichtsbehörden den Deal absegnen.
Update: 08.08.2016 - 14:50 Uhr
Eine große Mehrheit der Aktionäre hat ihre Papiere dem chinesischen Midea-Konzern angedient. Quelle: dpa
Kuka-Roboter

Eine große Mehrheit der Aktionäre hat ihre Papiere dem chinesischen Midea-Konzern angedient.

(Foto: dpa)

Guangdong/Augsburg Der chinesische Elektrogeräte-Hersteller Midea hat den Roboterbauer Kuka zu knapp 95 Prozent übernommen. Nach dem Ende der Übernahmefrist verbleiben noch gut fünf Prozent der Kuka-Anteile bei ihren bisherigen Eigentümern, Midea hält jetzt 94,5 Prozent, wie das in der südchinesischen Provinz Guangdong ansässige Unternehmen am Montag mitteilte. Die Frist endete am vergangenen Mittwoch.

Wie Midea mit den verbleibenden Kuka-Aktionären umgehen will, ist unklar. Zunächst soll das Ergebnis des Übernahmeverfahrens bewertet werden. Dies sagte eine Sprecherin des Beratungsunternehmens Brunswick, das für Midea die Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland übernommen hat. Die Sprecherin bekräftigte die bisherige Linie der Chinesen: Midea sei „grundsätzlich offen für weitere Aktionäre, solange sie einen Mehrwert für das Unternehmen bringen“.

Von einem Hinausdrängen („Squeeze Out“) der übrigen Aktionäre war bei Midea bislang nicht die Rede. Voraussetzung dafür wäre aktien- und übernahmerechtlich ohnehin, dass Midea 95 Prozent der Anteile hält - eine Schwelle, die das Unternehmen aktuell noch knapp verfehlt hat. Die Chinesen selbst produzieren Klimaanlagen, Kühlschränke, Waschmaschinen und andere Hausgeräte.

Midea will bis März 2017 die Übernahme abschließen. Kuka ist auf Roboter für die Industrie – insbesondere in der Autoproduktion – spezialisiert. Die Chinesen haben zugesichert, die 12.600 Arbeitsplätze bis zum Jahr 2023 zu erhalten.

Über den Verkauf des Augsburger Unternehmens an eine chinesische Firma hatte es aus mehreren Gründen politische Diskussionen gegeben. Die Kommunistische Partei will die Industrie des Westens bis Mitte des Jahrhunderts in ausgewählten Schlüsseltechnologien übertrumpfen, dazu zählen High-Tech-Maschinenbau und Produktionstechnologie.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen
Biotest (2017)
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Das Biotechunternehmen aus Dreieich wird von chinesischen Investoren übernommen. Eine entsprechende Vereinbarung sei unterzeichnet worden, teilte Biotest im April 2017 mit. Großaktionär Ogel, der bereit knapp über 50 Prozent an dem Unternehmen hält, unterstütze die Transaktion und werde seine Aktien andienen. Mit Biotest nimmt Creat ein weiteres Unternehmen ins Visier, das im Bereich Plasmaproteinprodukte tätig ist. Erst im vergangenen Jahr hatten die Chinesen die britische Firma Bio Products für rund 944 Millionen Euro gekauft. Biotest hat sich neben Plasmaproteinprodukten auf biotherapeutische Arzneimittel konzentriert.

Kuka (2016)
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Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie – und ein Vorzeigeunternehmen. Rund 4,6 Milliarden Euro hat der chinesische Hausgeräte-Hersteller Midea im Sommer 2016 für den Erwerb von Kuka auf den Tisch gelegt. Eine Investition, die sich zu lohnen scheint: So konnte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2016 neue Aufträge im Rekordwert von 3,4 Milliarden Euro verbuchen – dies entspricht einem Zuwachs von über 20 Prozent. Kuka hat weltweit rund 13.200 Mitarbeiter.

Krauss-Maffei (2016)
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Im Januar 2016 verkauft der Finanzinvestor Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

Koki & Hilite (2014)
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Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer Koki. Ein Kaufpreis wird nicht genannt. Avic übernimmt im selben Jahr einen weiteren Autozulieferer: Für 473 Millionen Euro kauft sich das chinesische Unternehmen bei Hilite ein.

Tailored Blanks (2013)
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Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Putzmeister (2012)
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Der Betonpumpenhersteller Putzmeister wurde 2012 von Firmengründer Schlecht an den chinesischen Baumaschinen-Riesen Sany Heavy Industry verkauft. Die ließen sich die Übernahme des Weltmarktführers für Autobetonpumpen rund 320 Millionen Euro kosten.

Kiekert (2012)
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Noch ein Weltmarktführer in chinesischer Hand: Der Autozulieferer Kiekert wird 2012 vom Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernommen. Das Unternehmen ist der Erfinder der Zentralverriegelung und Spezialist für Autoschlösser.

Insofern gibt es Befürchtungen, dass technologisches Know-how von Augsburg nach China wandert. Doch fand sich kein deutscher Investor, der willig gewesen wäre, in eine Übernahmeschlacht einzusteigen.

Ein zweiter Grund der Diskussionen: In China wäre eine vergleichbare Übernahme für eine ausländische Firma unmöglich. Denn wer im Reich der Mitte bei einem großen Industrieunternehmen wie Kuka einsteigen wollte, bräuchte dafür einen chinesischen Partner - dem er die Hälfte der Anteile überlassen müsste. In China tätige deutsche Geschäftsleute berichten, dass das Klima für ausländische Investitionen sich in den vergangenen Jahren eher verschlechtert als verbessert hat.

  • dpa
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