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Kunststoffhersteller Covestro-Aktie schießt nach Übernahmegerüchten nach oben

Der Finanzinvestor Apollo prüft angeblich eine Kaufofferte für den Dax-Konzern. Ein solcher Vorstoß wäre nachvollziehbar, doch Covestro dementiert.
18.09.2020 - 11:06 Uhr Kommentieren

Düsseldorf n

Der Spezialchemie-Konzern könnte im Visier von Finanzinvestoren stehen. Quelle: dpa
Covestro Zentrale in Leverkusen

Der Spezialchemie-Konzern könnte im Visier von Finanzinvestoren stehen.

(Foto: dpa)

Die Aktie des Kunststoffherstellers Covestro ist am Freitag zum Handelsbeginn um sechs Prozent auf annähernd 47,60 Euro nach oben geschossen. Grund sind Gerüchte über eine mögliche Übernahmeofferte des US-Finanzinvestors Apollo für den Dax-Konzern. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg prüft Apollo ein Angebot und sei auch schon auf das Management zugegangen.

Vorbörslich hatte die Aktie sogar um zehn Prozent zugelegt. Doch Covestro dämpfte am Freitagmorgen die Erwartungen. „Wir befinden uns nicht in Übernahmegesprächen mit Apollo“, sagte ein Sprecher des Leverkusener Unternehmens. Grundsätzlich sei Covestro aber regelmäßig im Dialog mit verschiedenen Marktteilnehmern auch über strategische Opportunitäten, ergänzte er.

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    In Branchenkreisen heißt es, dass ein solcher Deal nicht im Interesse von Covestro sei. Alles also nur heiße Luft? Wohl nicht ganz. Dass Apollo eine solche Übernahmeofferte prüft oder zumindest geprüft hat, ist durchaus nachvollziehbar. Die Private-Equity-Gesellschaft steht unter dem Druck, Investorengelder renditeträchtig anzulegen. Der zuletzt aufgelegte PE-Fonds von Apollo hat ein Volumen von knapp 25 Milliarden Dollar.

    Ein Unternehmen wie Covestro wäre für die Amerikaner ein geeignetes Ziel. Die Börsenbewertung von Covestro ist in den vergangenen zwei Jahren massiv gefallen: Im März 2018 lag der Aktienkurs noch bei 90 Euro und fiel bis März 2020 auf 25 Euro ab. Seither aber hat der Kurs wieder deutlich zugelegt, aktuell ergibt sich ein Börsenwert von mehr als acht Milliarden Euro.

    Das wäre ein sehr großer, aber durchaus machbarer Deal für Apollo. Die PE-Gesellschaft hat gute Erfahrungen als Besitzer von Chemieunternehmen. So haben die Amerikaner als Anteilseigner die Restrukturierung von Lyondell-Basell begleitet, einer der weltgrößten Basischemiehersteller. Das eingesetzte Kapital hat Apollo dort bis zum Ausstieg versechsfacht.

    Achterbahnfahrt bei den Preisen

    Bei Covestro könnte Apollo darauf setzen, dass der Geschäftszyklus des Kunststoffherstellers seinen Tiefpunkt durchschritten hat. Die Leverkusener steckten bis 2018 in einer Sondersituation: Weil Wettbewerber aus technischen Gründen keine Schaumstoffe und transparenten Kunststoffe liefern konnten, gab es am Markt einen Angebotsengpass.

    Die Preise schossen unter die Decke – und damit die Gewinne von Covestro als weltweit führenden Hersteller von Polyurethanen und Polycarbonat. Nach und nach kamen Konkurrenten aus Asien, Europa und dem Persischen Golf aber mit ihren Kapazitäten an den Markt. Weil zugleich die Konjunktur schwächelte, brachen die Preise wieder ein. 2019 halbierte sich der Gewinn von Covestro auf 1,6 Milliarden Euro.

    Diese Achterbahnfahrt scheint nun beendet, weil sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage einpendelt. In der Börsenbewertung spiegeln sich die besseren Aussichten aber aus Sicht einiger Analysten noch nicht wider. Die US-Investmentbank Goldman Sachs etwa sieht den Kunststoffkonzern als ein strategisch interessantes Übernahmeziel und setzt das Kursziel bei 67 Euro.

    Analyst Sebastian Seitz von Barclays hält es für logisch, dass strategische oder Finanzinvestoren die Unterbewertung des Kunststoffkonzerns würdigen, wenn es die anderen Anleger nicht täten. Zwar sei der Spielraum für weitere Kostensenkungen begrenzt, schrieb er am Freitag. Doch Covestro sei für eine starke Barmittelschöpfung bekannt, was ein wichtiges Kriterium für Finanzinvestoren sei. Seitz sieht die Aktie aber auf dem aktuellen Niveau von 48 Euro für fair bewertet.

    Kaum Möglichkeiten zur Expansion

    Gegen einen Vorstoß von Apollo spricht, dass solch ein Schritt vor ein paar Monaten viel günstiger gewesen wäre. Bei ernsthaftem Interesse hätten die Amerikaner noch im Mai bei einem Börsenwert von fünf bis sechs Milliarden Euro ein Angebot machen können. Zudem fehlen bei Covestro Restrukturierungs- und Expansionsfantasien, die PE-Investoren typischerweise zur Wertsteigerung ihrer Beteiligungen nutzen.

    Covestro kann als Weltmarktführer aus Kartellgründen selbst nicht im großen Stil zukaufen. Zudem hat das Management die internen Strukturen in den vergangenen Jahren bereits deutlich verschlankt und dies im Zuge der Coronakrise noch verstärkt.

    Entscheidend aber dürfte sein, dass eine Übernahme durch einen Finanzinvestor nicht im Interesse der Leverkusener ist, wie es in Kreisen heißt. Covestro hat jüngst erst den Verbleib im Dax-30-Segment gesichert und sieht intern große Vorteile von einer Börsennotierung und der damit verbundenen öffentlichen Wahrnehmung, die man in PE-Besitz verlieren würde.

    Dass Apollo in einer solchen Gemengelage einen feindlich gestimmten Übernahmeversuch gegen den Willen der Covestro-Führung startet, erscheint unwahrscheinlich und wäre für einen Finanzinvestor auch ein ungewöhnlicher Schritt.

    Mehr: Covestro verteidigt Dax-Platz gegen Qiagen

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