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Kunststoffhersteller Covestro-CEO Steilemann: „Die geopolitischen Risiken nehmen zu“

Als Kunststoffhersteller spürt Covestro konjunkturelle Änderungen früh. CEO Steilemann blickt skeptisch auf die Wirtschaft: Für eine Erholung sieht er keine Impulse.
28.10.2019 - 17:00 Uhr Kommentieren
Der Covestro-Chef sieht derzeit keine Lösung weltpolitischer Konflikte. Quelle: action press
Markus Steilemann

Der Covestro-Chef sieht derzeit keine Lösung weltpolitischer Konflikte.

(Foto: action press)

Düsseldorf Markus Steilemann ist alles andere als ein notorischer Pessimist. Doch wenn der CEO des Kunststoffherstellers Covestro auf die gegenwärtige konjunkturelle Lage der gesamten deutschen Industrie blickt, erkennt er wenig Grund für Zuversicht. Und das schlägt sich auch in den Erwartungen für das eigene Unternehmen nieder: Der Dax-Konzern steckt derzeit fest im Preiskampf mit Konkurrenten und der Zurückhaltung großer Kunden – vor allem aus der Automobilindustrie.

„Das dritte Quartal war quer durch alle Industriebranchen das schwierigste in diesem Jahr“, sagt Steilemann im Gespräch mit dem Handelsblatt und ergänzt: „Wir erkennen keine Impulse, die auf kurzfristige Verbesserung hindeuten.“ So eine Aussage hat Signalwirkung für die deutschen Produktionsfirmen insgesamt, denn als Kunststoffhersteller spürt Covestro konjunkturelle Veränderungen stets früh.

Steilemann sieht die gesamte Wirtschaft derzeit in einer vertrackten Lage durch die Weltpolitik. „Es ist keinerlei Lösung von Konflikten in Sicht. Stattdessen kommen nur noch weitere obendrauf. Die geopolitischen Risiken nehmen zu.“

Zur wachsenden Verunsicherung in den Unternehmen tragen aus seiner Sicht neben dem schon lange schwelenden Streit zwischen China und den USA nun verstärkt der Krieg in Syrien, die Destabilisierung in Teilen Südamerikas und aufflammende politische Konflikte in Südostasien bei.

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    Vor allem die Flaute in der Autoindustrie hinterlässt bei Covestro ebenso wie bei anderen großen Chemieunternehmen deutliche Spuren im Geschäft. Es ist die größte einzelne Kundengruppe der Branche.

    Auch BASF leidet unter der schrumpfenden Autoproduktion. „Es gibt keine Anzeichen für eine Wiederbelebung des Marktes“, sagte Vorstandschef Martin Brudermüller vorige Woche. Covestro-Chef Steilemann rechnet bei den Automobilkunden „maximal mit einer Stabilisierung auf niedrigem Niveau“.

    Branche fährt auf Sicht

    Eine Prognose für das Geschäft im kommenden Jahr will Steilemann noch nicht abgeben. Die ganze Branche fährt derzeit nur auf Sicht. Bis Ende des Jahres sind die Erwartungen aber gedämpft: Covestro muss zwar keine Gewinnwarnung abgeben, aber das operative Jahresergebnis (Ebitda) wird nur zwischen 1,57 und 1,65 Milliarden Euro liegen – also am unteren Rand der im Februar genannten Spanne von 1,5 bis 2 Milliarden Euro. Damit würde Covestro nur noch halb so viel verdienen wie im vergangenen Jahr und auf das Niveau von 2015 zurückfallen.

    Im dritten Quartal brach der operative Gewinn (Ebitda) um 50 Prozent auf 425 Millionen Euro ein, der Umsatz ging um 15 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro zurück. Zwar konnte Covestro die schwache Nachfrage der Autoindustrie wegstecken, weil etwa Firmen aus der Elektronik- und Bauindustrie mehr bestellten. Das war vor allem in dem für Covestro wichtigen chinesischen Markt der Fall.

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    Allerdings wurden die Leverkusener ihre Produkte nur zu kräftig reduzierten Preisen los. Bei Polyurethanen – also Weichschäumen für Polster und Hartschäumen für Isolierungen – sanken die Preise um ein Viertel, im zweiten Kerngeschäft mit dem transparenten Kunststoff Polycarbonat waren es 20 Prozent.

    Dass Covestro im Preiskampf vor allem mit den asiatischen Konkurrenten gut bestehen konnte, führt Steilemann auf die effiziente Produktion zurück. „Wir werden unsere Kostenführerschaft weiter stärken“, sagte er. Bei den für dieses Jahr geplanten Investitionen in Sachanlagen über 900 Millionen Euro würden keine Abstriche gemacht.

    Die Anleger ließen sich von dem Gewinneinbruch im dritten Quartal nicht schrecken: Die Covestro-Aktie notierte am Nachmittag mit einem Plus von 2,2 Prozent an der Dax-30-Spitze. Die Analysten von Goldman Sachs und Barclays stellten heraus, dass Covestro kein grundsätzliches Nachfrageproblem habe. Entscheidend sei, wie sich die Preise weiter entwickeln würden.

    Steilemann kann da nur leichte Entwarnung geben. Der Druck bleibe hoch, aber zumindest bei den großvolumigen Produkten sei eine Stabilisierung der Preise auf niedrigem Niveau absehbar, sagte er. Das heißt aber auch: Große Sprünge sind bei Covestro vorerst nicht absehbar.

    Mehr: Sucheta Govil ist die erste Frau im Vorstand von Covestro. Die 55-Jährige übernimmt als Chief Commercial Officer die Verantwortung für das laufende Geschäft aller drei großen Bereiche.

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