Kunststoffhersteller: Covestro weist Übernahme-Avancen aus Abu Dhabi zurück
Der deutsche Kunststoffhersteller hat das Interesse von Adnoc aus Abu Dhabi geweckt.
Foto: CovestroDüsseldorf, Frankfurt. Der deutsche Kunststoffhersteller Covestro lehnt eine Übernahme durch den arabischen Ölkonzern Adnoc ab. Das habe der Dax-Konzern dem Staatsunternehmen aus Abu Dhabi mitgeteilt, wie es am Donnerstag in Finanzkreisen hieß. Der Schritt war erwartet worden, da Covestro zuvor schon mehrfach betont hat, seine Eigenständigkeit bewahren zu wollen.
Sowohl aus strategischen Gründen wie auch bei dem ins Spiel gebrachten Kaufpreis sieht Covestro demzufolge derzeit keine Basis für Gespräche mit Adnoc. Die Araber sind den Kreisen zufolge bereit, rund 55 Euro pro Aktie zu zahlen, was einem Gesamtvolumen von annähernd elf Milliarden Euro entspräche. Die Covestro-Aktie notierte am Donnerstag leicht höher bei 47,90 Euro nach einem deutlichen Anstieg am Mittwoch. Anfang 2021 notierte das Papier noch über 60 Euro, angesichts der schwierigen Lage der Branche war es dann aber bis Ende 2022 um rund die Hälfte eingebrochen.
Offen ist weiterhin, ob Covestro überhaupt schon eine konkrete Übernahmeofferte der Araber vorliegt. Der Leverkusener Konzern äußert sich weiterhin nicht zu dem Geschehen. Bei konkreten Gesprächen auf Basis eines vorliegenden Angebots müsste sich das Unternehmen mit einer Adhoc-Mitteilung an den Kapitalmarkt wenden.
Covestro hat Finanzkreisen zufolge einen Brief an den arabischen Konzern geschrieben. Demnach sei die vorgeschlagene Bewertung keine Grundlage für weitere Gespräche. Zudem habe das Management Zweifel daran geäußert, ob Adnoc der beste Eigentümer für einen wesentlichen Teil der Covestro-Geschäfte wäre. Eine Suche nach anderen Käufern plane Covestro nicht, hieß es in Finanzkreisen.
Die Leverkusener sind in der Weltspitze bei Kunststoffschäumen, wie sie in Autositzen, Möbeln und Dämmstoffen gebraucht werden. Dazu kommt der transparente Kunststoff Polycarbonat, der in Autoscheinwerfern, Elektronik und in der Medizintechnik eingesetzt wird. Covestro verfügt aber auch über ein beträchtliches Portfolio in der Spezialchemie, etwa bei Beschichtungen.
Adnoc könnte Angebot noch erhöhen
Am Finanzmarkt wird erwartet, dass Adnoc eine höhere Kaufofferte prüfen und dann als Verhandlungsbasis für konkrete Gespräche mit dem Leverkusener Konzern vorlegen könnte. Mehrere Analysten hatten bereits unterstrichen, dass wohl erst ein Preis von mehr 60 Euro pro Aktie überzeugend wirken würde.
Das Interesse des staatlichen Konzerns aus Abu Dhabi ist jedenfalls groß. Die Araber wollten sich unter anderem Zugang zu Zukunftstechnologien in der Chemie sichern. Deswegen schaut sich Adnoc den Kreisen zufolge derzeit verstärkt nach Übernahmeobjekten in Europa um. Die Araber seien kurzfristig an Fertigungskapazitäten interessiert, in denen der Output ihrer riesigen Petrochemie-Anlagen zu höherwertigen Kunststoffen weiterverarbeitet werden kann.
Langfristig wolle sich Adnoc aber auch Expertise im chemischen Recycling und für die Kreislaufwirtschaft sichern, in der Stoffe bestmöglich wiederverwendet werden. In den beiden wichtigen Technologien für die Zukunft der Chemieproduktion ist Covestro stark.