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Kunststoffhersteller Die Plastikflut: Nachfrage könnte sich bis 2030 verdoppeln

Statt weniger werden wir in Zukunft deutlich mehr Kunststoff verbrauchen. Die Chemiehersteller setzen auf neue Verfahren für das Plastik-Recycling.
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Die Plastikflut: Kunststoffverbrauch könnte sich bis 2030 verdoppeln Quelle: Lanxess
Plastikproduktion bei Lanxess

Deutsche Hersteller profitieren unter anderem vom Trend zum Elektroauto.

(Foto: Lanxess)

Düsseldorf, Frankfurt, Berlin Kunststoffabfälle werden zum Umweltthema in Berlin. Für diesen Dienstag lädt Ministerin Svenja Schulze (SPD) zu einem runden Tisch zum Thema. Mit dabei sind Verbraucherschützer, Umweltschutzorganisationen, der Handelsverband Deutschland (HDE) und der Konsumgüterriese Procter & Gamble.

Die Zeit drängt. Laut einer neuen Studie des Informationsdienstes IHS Markit verdoppelt sich der jährliche Verbrauch bis 2030 von zuletzt 185 Millionen Tonnen auf fast 400 Millionen Tonnen. Die wachsende Weltwirtschaft, der steigende Bedarf an Leichtbaumaterialien im Automobilbau sowie neue Anwendungen in Medizin- und Elektrotechnik treiben den Kunststoffboom. Die Masse davon wandert nach dem Gebrauch auf Mülldeponien und in Verbrennungsanlagen. In Europa wird nur jede dritte Tonne Plastikabfall wiederverwertet.

Die Chemiehersteller setzen jetzt auf neue Verfahren, die Kunststoffe zurück in den Produktionskreislauf zu bringen. Zukünftig soll Plastik nicht eingeschmolzen, sondern in seine molekularen Grundbausteine zerlegt und in neuen Produkten weitergenutzt werden. „Wir müssen weltweit von einer Wegwerf- zu einer Kreislaufwirtschaft kommen“, fordert Markus Steilemann, Chef des Leverkusener Kunststoffproduzenten Covestro.

Umweltaktivisten halten Recyclinginitiativen allein nicht für ausreichend, sie verlangen stärkere Einschränkungen. „Wir müssen die Probleme an der Wurzel packen“, heißt es beim Bund Umwelt- und Naturschutz (BUND).

Die Suche nach Lösungen wird die Diskussionen auf der Messe K bestimmen, auf der mehr als 3000 Aussteller ihre neuesten Entwicklungen zeigen. Die weltweit größte Kunststoffmesse beginnt am Mittwoch in Düsseldorf, die Branche rechnet mit rund 230.000 Besuchern.

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Die Branche darf sich feiern: In den vergangenen Jahren hat sich die Produktion von Kunststoff mehr als verdoppelt. Für die Hersteller und Verarbeiter ist es das Produkt des 21. Jahrhunderts schlechthin. Doch gleichzeitig gerät der Werkstoff mehr und mehr in die Kritik. Die Öffentlichkeit ist aufgeschreckt und angeekelt von den Plastikmüllbergen auf See, an Stränden und in den heimischen Entsorgungsanlagen. Immer lauter wird der Ruf, die Kunststoffflut zu stoppen und für ein besseres Recycling zu sorgen.

Auch die Große Koalition hat dem Plastik den Kampf angesagt. Ende November vergangenen Jahres legte Bundesumweltministerin Schulze einen Fünf-Punkte-Plan mit Maßnahmen für weniger Plastik und mehr Recycling vor. Der Plan sieht eine Mischung aus gesetzlichen und freiwilligen Maßnahmen zur Vermeidung von überflüssigem Plastik vor. Auch Alternativen zur Plastiknutzung wie etwa das Trinken von Leitungswasser sollen gestärkt werden.

„Mit diesen Maßnahmen leiten wir eine Trendwende im Umgang mit Plastik ein. Wir produzieren in unserer Konsum- und Wegwerfgesellschaft bislang viel zu viel Plastik“, sagte Schulze. Sie wolle technische Lösungen fürs Sammeln und Recyceln, aber auch Alltagslösungen für ein Leben mit weniger überflüssigem Plastik entwickeln, sagte die Ministerin.

Besonders im Fokus der Politik steht der Handel. Im Zentrum des Treffens bei der Umweltministerin an diesem Dienstag stehen die Vermeidung von Plastik und anderen Verpackungsmaterialien, aber auch die Frage, wie man die Recyclingfähigkeit von Verpackungen erhöhen kann.

Zusätzlichen Druck will die Politik durch die Reform des Kreislaufwirtschaftsgesetzes aufbauen. Einer der Kernpunkte der geplanten Regelungen ist es, den Einsatz von recyceltem Material zu verstärken.

Regulierung gegen Mikroplastik

Die Probleme reichen dabei über die sichtbaren Kunststoffabfälle wie Plastiktüten und Verpackungen hinaus. Überall finden sich Mikroplastiken, mikroskopisch kleine Kunststoffpartikel, die sich in der Nahrungskette anreichern. Sie entstehen nicht nur durch Zerfall der herkömmlichen Plastikabfälle. Winzige Kunststoffe finden sich heute mittlerweile auch in zahllosen anderen Produkten wie Lacken, Druckfarben, Betonzusätzen, Klebstoffen und Kosmetikprodukten bis hin zu Arzneimitteln und Polymerbeschichtungen für Saatgut.

Für einige Unruhe sorgte daher jüngst zum Beispiel ein relativ breit gefasster Vorschlag zur Reduktion von Mikroplastik, den die Europäische Chemikalienagentur ECHA im Auftrag der EU-Kommission vorlegte. Der Entwurf der ECHA, warnte der Chemiebranchenverband VCI, adressiere letztlich alle Polymere und alle polymerhaltigen beziehungsweise polymerbeschichteten Materialien.

Ob der Vorschlag der Chemikalienagentur so umgesetzt wird, ist zwar noch längst nicht entschieden. Deutlich machen solche Überlegungen aber, dass sich für die Chemiehersteller eine unbequeme Debatte um ihr Kernprodukt entwickelt, die ihr Geschäftsmodell nachhaltig verändern könnte.

Die Hersteller wollen die Kunststoffe zurück in den Produktionskreislauf bringen. Quelle: mauritius images
Plastikmüll

Die Hersteller wollen die Kunststoffe zurück in den Produktionskreislauf bringen.

(Foto: mauritius images)

Auf der Weltmesse K in Düsseldorf will sich die Branche nicht vor der Diskussion verstecken. „Nicht Unsicherheit bestimmt die Präsentation der Unternehmen, sondern eine Aufbruchstimmung und der Wille, sich den gesellschaftspolitischen Fragen zu stellen“, sagt der Düsseldorfer Messechef Werner M. Dornscheidt. Zahlreiche Lösungen für besseres Recycling und Wiederverwendung der Stoffe werden dort vorgestellt.

„Natürlich gehören gebrauchte Kunststoffe absolut nicht in die Umwelt“, sagt Covestro-Chef Markus Steilemann. Kunststoffmüll sei ein wertvoller Rohstoff, der wiederverwertet gehört.

Der Covestro-Chef beschreibt die zentrale Antwort der Chemieindustrie auf die derzeit viel diskutierte Müllproblematik: Statt die Kunststoffe einfach wegzuwerfen und zu verbrennen, sollen sie zurück in den Produktionskreislauf gebracht werden. Es geht um mehr als das herkömmliche Recycling.

Viele Experten glauben: Der Ausweg aus der Vermüllung kann nur gelingen, wenn die Polymere zurück in Grundstoffe zerlegt und wieder neu zusammengesetzt werden können.

Plastikhersteller sagen Plastikmüll den Kampf an
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