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Kunststoffproduzent Covestro glaubt trotz Konjunkturschwäche weiter an China

Der Dax-Konzern bekommt die Auswirkungen des Handelsstreits zu spüren. Konzernchef Markus Steilemann baut die Produktentwicklung in China trotzdem weiter aus.
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„Wir sehen in China weiterhin Wachstum, allerdings deutlich verlangsamt.“ Quelle: imago/sepp spiegl
Markus Steilemann

„Wir sehen in China weiterhin Wachstum, allerdings deutlich verlangsamt.“

(Foto: imago/sepp spiegl)

Düsseldorf Auf China hat Markus Steilemann, der CEO von Covestro, stets einen besonderen Blick. Das Land ist für den Leverkusener Kunststoffproduzenten ein außergewöhnlicher Markt: Ein Fünftel des Umsatzes von jährlich 14 Milliarden Euro macht Covestro allein in dieser Region. Hier versorgt das Unternehmen die Autoindustrie, Baufirmen, Elektronikhersteller und Möbelproduzenten mit Kunststoffen.

Die Konjunktur in dem Land macht Steilemann derzeit aber wenig Freude. „Wir sehen in China weiterhin Wachstum, allerdings deutlich verlangsamt“, sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Das wird sich auch im zweiten Halbjahr nicht verbessern.“

Die Hoffnung auf einen Aufschwung in der für die Chemiefirmen insgesamt sehr wichtigen Autoindustrie hat sich nicht erfüllt – im Gegenteil: Nach aktuellen Zahlen ist Chinas Autoproduktion im zweiten Quartal um 16 Prozent gesunken.

Das ist nach Einschätzung vieler Industriefirmen auch dem noch immer ungelösten Handelskonflikt zwischen den USA und China geschuldet. „In Summe sehe ich derzeit kein belebendes Element für die Weltkonjunktur“, sagt Steilemann.

Bei vielen deutschen Unternehmen hat die aktuelle Lage bereits zu deutlichen Korrekturen der Gewinnprognose geführt. Covestro blieb das erspart: Am Mittwoch bestätigte Steilemann bei Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal den Jahresausblick: Zwischen 1,5 und zwei Milliarden Euro soll der Gewinn (Ebitda) in diesem Jahr betragen.

Aktie legt zu

Eine Gewinnwarnung fällt bei Covestro auch deswegen aus, weil der Konzern die Guidance zu Jahresbeginn sehr niedrig angesetzt hat. Das Management hat 2019 zum Übergangsjahr erklärt, in dem der Konzern sein Portfolio sortiert und sich vom extremen Höhenflug der Kunststoffpreise dauerhaft verabschiedet.

Letzteres zeigt sich in den Ergebnissen zum zweiten Quartal deutlich: Der Gewinn brach um 53 Prozent auf 459 Millionen Euro ein, der Umsatz sank um 17 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte Covestro noch vom Lieferengpass der Konkurrenten im Geschäft mit Polyurethanschäumen profitiert, die in Polstern und zur Fassadendämmung eingesetzt werden. Diese von extrem hohen Preisen geprägte Phase ist vorbei.

Die Anleger goutierten, dass Covestro die Ziele unterstrich: Die Aktie notierte am Nachmittag um drei Prozent im Plus bei 45 Euro. Die Analysten von JP Morgan lobten, dass die Ergebnisse leicht über der eigenen Prognose lagen – sie monierten aber zugleich, dass die Gewinnprognose für das dritte Quartal leicht unter den Erwartungen liege. Es sei absehbar, dass Covestro am Ende des Jahres eher im mittleren bis unteren Bereich der Prognosespanne lande.

Dass Covestro trotz der „herben Einschläge aus der Automobilindustrie“ auf Kurs bleibt, wertet CEO Steilemann als ersten Erfolg der Neuausrichtung. Er will das Unternehmen stärker auf konjunkturstabilere Geschäfte fokussieren.

Dazu zählen die Elektronik, etwa der Austausch von Glühbirnen durch LEDs, sowie die Medizintechnik. Als Megatrend sieht Steilemann das Energiesparen durch bessere Hausisolierung – dabei kommen die Hartschäume von Covestro zum Einsatz.

Zusammenarbeit mit lokalen Universitäten

All das gilt vor allem auch für China, denn das Land hat sich mehr Nachhaltigkeit zum Ziel gesetzt. Für Covestro ist die Region aber nicht nur als Absatzmarkt wichtig, sondern auch als Standort für Forschung und Entwicklung. Am Standort Schanghai sollen neue Produkte entwickelt werden, die nicht nur im Land selbst vermarktet werden können.

„Wir entwickeln in China für China und für die Welt“, erläutert Michael Schmidt, Covestros Innovationschef für die Region Asien. „Unsere Forscher hier haben die globale Führung in der Weiterentwicklung mehrerer unserer Kerntechnologien.“

Dabei schlägt der Konzern eine offene Innovationsstrategie ein, also die Kooperation mit lokalen Instituten und Unternehmen. So soll etwa die Zusammenarbeit mit der in China führenden Tongji-Universität ausgebaut werden, mit der Covestro eine gemeinsame Akademie betreibt. Dort arbeiten Wissenschaftler beispielsweise an der Weiterentwicklung von Robotik und E-Mobilität.

Die Akademie soll auch zum Inkubator von Start-ups werden. Auf direkte Investments in chinesischen Jungunternehmen setzt Covestro weniger, sondern sieht sich eher als deren Technologiepartner. „Wir schauen uns an, ob chinesische Start-ups zu uns passen und ob wir zum Erfolg dieser Start-ups etwas beitragen können“, sagt Schmidt. So stellt Covestro den Werkstoff für einen Skischuh her, den ein Start-up mit Digitalsensoren ausstattet.

Mit dem Hausgerätehersteller Haier hat Covestro in diesem Jahr gemeinsam ein Labor für die digitale Fertigung von Kühlschränken gegründet. Durch solche Projekte will Covestro davon profitieren, dass Chinas Firmen selbst immer mehr Wissen und Innovationskraft aufbauen.

„China will an die technologische Weltspitze in vielen Branchen“, erwartet CEO Steilemann. „Ich gehe davon aus, dass der zunehmende Protektionismus diese Entwicklung, wenn überhaupt, nur verlangsamen, aber nicht aufhalten kann.“

Mehr: Covestro bleibt trotz Gewinneinbruch auf Kurs – die Blitzanalyse

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