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Laborkette Boom durch Corona-Tests: Synlab will schnell an die Börse

Die Laborkette profitiert von den vielen Corona-Tests. Auch die gute Lage an den Börsen sorgt dafür, dass der IPO noch in diesem Quartal attraktiv ist.
07.04.2021 Update: 07.04.2021 - 14:45 Uhr Kommentieren
Synlab profitiert derzeit massiv von den PCR-Tests auf das Coronavirus. Quelle: Reuters
Synlab-Mitarbeiterin

Synlab profitiert derzeit massiv von den PCR-Tests auf das Coronavirus.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Europas führender Labordienstleister, die Münchener Synlab-Gruppe, treibt seine Börsenpläne voran. Die Erstnotiz im regulierten Markt (Prime Standard) der Frankfurter Wertpapierbörse ist noch für das laufende Quartal geplant, wie das Unternehmen am Mittwoch ankündigte.

Synlab will neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung im Volumen von rund 400 Millionen Euro platzieren. Darüber hinaus ist geplant, Anteile in noch nicht genanntem Umfang aus dem Bestand der bisherigen Aktionäre zu verkaufen.

Haupteigner ist der Finanzinvestor Cinven, der Synlab vor sechs Jahren von BC Partners erworben hatte und anschließend mit dem französischen Konkurrenten Labco fusionierte. Darüber hinaus sind Novo Holdings, der Ontario Teachers’ Pension Plan Board sowie Mitglieder des Managements an dem Unternehmen beteiligt.

Dem Laborkonzern kommen bei den Börsenplänen das generelle Marktumfeld und das günstige Klima für Neuemissionen entgegen. Nach einer Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgruppe PwC holten Börsenneulinge im ersten Quartal bereits „rekordverdächtige“ Erlöse in Höhe von rund 4,5 Milliarden Euro herein, die durch offene Greenshoe-Optionen noch auf rund 4,8 Milliarden Euro steigen könnten.

Das sind nach Daten von PwC bereits mehr als die Gesamterlöse beider Vorjahre. 2020 belief sich das vergleichbare Volumen demnach auf 1,13 Milliarden Euro, 2019 auf 3,62 Milliarden Euro.

Corona-Tests sorgen für mehr Umsatz

Synlab kann für den Börsengang zudem den Corona-Boom im Diagnostikgeschäft nutzen, von dem derzeit sowohl Hersteller entsprechender Tests wie Qiagen, Roche oder Abbott als auch Laborbetreiber wie Synlab stark profitieren. Vor allem die Nachfrage nach PCR-Tests zum genetischen Nachweis des Sars-CoV-2-Virus sorgte 2020 für einen starken Schub.

Bei Synlab schlug sich diese Entwicklung in einem Umsatzanstieg um 38 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro nieder. Der bereinigte Betriebsgewinn vor Abschreibungen (Ebitda) legte um 71 Prozent auf 679 Millionen Euro zu, der bereinigte Betriebsgewinn verdoppelte sich nach Angaben des Unternehmens auf 504 Millionen Euro.

Für 2021 peilt Synlab einen Umsatzanstieg um 17 Prozent auf mehr als drei Milliarden Euro an. Dazu dürfte auch die Corona-Pandemie weiter beitragen. „Wir erwarten ein weiter steigendes Volumen bei rückläufigen Preisen“, sagte Firmenchef Mathieu Floreani.

Er geht davon aus, dass Ärzte und Kliniken trotz der steigenden Impfquoten weiterhin in großem Umfang Covid-Tests durchführen werden und dass zudem die Nachfrage nach Antikörpertests zur Überprüfung des Immunitätsstatus zunehmen wird. Im vergangenen Jahr bescherte das Covid-Geschäft Synlab einen Zusatzumsatz von per saldo rund 620 Millionen Euro.

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Synlab betreibt europaweit mehr als 450 Labore, die zusammen rund 500 Millionen diagnostische Tests für Kliniken und Arztpraxen durchführen. Das Unternehmen sieht sich mit dieser Präsenz als klarer Marktführer in Europa vor den Konkurrenten Sonic, Unilabs, Cerba Healthcare und Eurofins. Mittelfristig strebt der Konzern ein weiteres Wachstum von rund zehn Prozent pro Jahr an. Die Strategie basiert dabei auf einem Mix aus organischem Wachstum und stetigen Zukäufen.

Der für Synlab relevante Markt in Europa und einigen Schwellenländern wird nach Schätzung des Unternehmens von 32 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf etwa 44 Milliarden Euro im Jahr 2025 wachsen. Das entspricht etwa sechs Prozent Wachstum pro Jahr, wobei der längerfristige Covid-Effekt auf rund zwei Prozentpunkte Marktwachstum geschätzt wird.

Floreani sieht nach wie vor großes Potenzial für weiteres Wachstum durch Zukäufe. „Wir sind der führende Konsolidierer in Europa“, so Floreani. Bereits in den letzten Jahren hatte Synlab durchschnittlich 20 kleinere Laborbetreiber pro Jahr übernommen. Dessen ungeachtet bleibt aus Sicht des Synlab-Chefs weiter erheblicher Spielraum.

Relativ hoher Verschuldungsgrad

Er verweist darauf, dass noch rund 60 Prozent des relevanten Marktvolumens – rund 17 Milliarden Euro – von kleinen und mittelgroßen Laboren bestritten werden. Synlab will in diesem Umfeld weiterhin rund 200 Millionen Euro pro Jahr in Zukäufe investieren und setzt dabei auf die erhebliche Erfahrung in der Integration von Firmen. „Wir können mit jeder Art von Deal Wert generieren“, verspricht Floreani.

Die akquisitionsgetriebene Expansion geht bei dem Laborkonzern mit einer relativ hohen Verschuldung von mehr als zwei Milliarden Euro einher. Der Verschuldungsgrad, gemessen am Verhältnis zum Ebitda, konnte nach Unternehmensangaben dank der kräftigen Ertragssteigerung allerdings 2020 deutlich auf einen Faktor von 3,3 gegenüber rund 6,6 im Vorjahr verringert werden. Die Netto-Finanzverschuldung dürfte sich danach aktuell bei gut 2,2 Milliarden Euro bewegen.

Mittelfristig soll der Verschuldungsgrad auf unter drei sinken. Dazu dürfte nicht zuletzt auch der erwartete Zufluss aus dem Börsengang beitragen. Zudem soll sich der Free Cashflow nach Plänen des Konzerns weiter verbessern, von 272 Millionen Euro 2020 auf 300 bis 350 Millionen Euro im laufenden Jahr. Rund 20 bis 30 Prozent des bereinigten Nettogewinns will Synlab künftig ausschütten.

Was die Bewertung des Börsenneulings angeht, dürften sich Investoren an den Relationen von bereits börsennotierten Laborbetreibern wie dem US-Branchenführer Labcorp oder der australischen Sonic Healthcare orientieren. Sie werden inklusive Verschuldung derzeit mit rund dem Zehnfachen bis 13-Fachen ihres Ebitda bewertet.

Das würde bei Synlab auf einen Unternehmenswert („enterprise value“) von etwa 6,8 bis 8,8 Milliarden Euro hinauslaufen. Nach Abzug der Verschuldung und inklusive des IPO-Erlöses würde sich daraus eine Marktkapitalisierung von fünf bis sieben Milliarden Euro errechnen.

Mehr: CVC bietet 21 Milliarden Dollar für Toshiba – und will den Konzern von der Börse nehmen

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