Lebensmittel-Produktion Das giftige Geheimnis auf unseren Tellern

Die Lebensmittelbranche ist außer Kontrolle geraten. Darunter leiden vor allem Nutztiere, aber auch Verbraucher durch verseuchte Produkte. Das zeigen auch die jüngsten Dioxinfunde. Eine Spurensuche, wer die Schuld trägt.
52 Kommentare
Gemessen und für gut befunden. Aber nach wie vielen Giften wird nicht gesucht? Quelle: dpa

Gemessen und für gut befunden. Aber nach wie vielen Giften wird nicht gesucht?

(Foto: dpa)

Düsseldorf„Die Güte des Herzens“, schrieb der Philosoph Arthur Schopenhauer vor rund 200 Jahren, „besteht in einem universellen Mitleid mit allem, was Leben hat.“ Irgendwie mag man ihm da nicht widersprechen – und doch tut der Mensch von heute das Gegenteil. Die Art und Weise, wie wir unsere Nahrungsmittel produzieren, empfinden längst nicht mehr nur militante Tierschützer als einen Rückfall in Zeiten schlimmster Barbarei.

In einem hoch subventionierten System haben sich Großbauern, Tierfabriken, Hersteller von Pestiziden, Tierärzte, Saatgutproduzenten und Pharmafirmen zusammengetan. Die Überproduktion und der Wegwerf-Wahnsinn sind kein Irrläufer, sondern ein gern gesehener Nebeneffekt der Überproduktion. Es ist ein brutales Wachstum auf Kosten derjenigen, die wehrlos sind.

Es ist schwer, zu diesem Thema unabhängige Experten zu befragen. Einer der größten Fachmänner aus dieser Kategorie ist Richard Rickelmann. 25 Jahre lang war er Wirtschaftskorrespondent für den „Spiegel“ und von 1999 an Reporter beim „Stern“. Jetzt hat er sein neues Buch „Tödliche Ernte“ veröffentlicht.

Als die sichtbarste Folge der Missstände in der Lebensmittelindustrie beschreibt der Experte die gigantische Verschwendung und zitiert aus einer vielbeachteten Untersuchung der Autoren Stefan Kreutzberger und Valentin Thurn. Wenn 40 Prozent der Kartoffeln verrotten oder bestenfalls an Schweine verfüttert werden, dann stimmt allem Anschein nach etwas nicht. 20 Millionen Tonnen Lebensmittel – etwa die Hälfte der Produktion – landen Jahr für Jahr im Müll.

Agrar-Subventionen für RWE und Rheinmetall
Seite 1234567Alles auf einer Seite anzeigen

52 Kommentare zu "Lebensmittel-Produktion: Das giftige Geheimnis auf unseren Tellern"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • »Sage mir, was du isst, und ich sage dir, was du bist.«
    schrieb der französische Denker Brillat-Savarin. Unsere Essgewohnheiten und der Umgang mit unseren Lebensmitteln widerspiegeln unsere Weltsicht, unsere Werte und unsere gesamte Lebenseinstellung.
    Viele Kinder wissen heute nicht mehr wie frisches Obst und Gemüse schmeckt. Ihr Geschmackssinn ist verkümmert. Der Lebensmittelindustrie ist das nur recht. Schließlich lässt sich mit den künstlichen Aromen und Geschmacksverstärkern auch billig produziertes Essen schmackhaft machen. Und unerwünschte Geschmacksnoten, die unser Körper normalerweise ablehnen würde, lassen sich überdecken. Das hat System, den darüber wiederum freut sich tierisch die Pharmaindustrie, kommen sie doch so in den Dauergenuss immer neuer "Kundschaft".... so greift ein Rädchen ins andere um ein komplett marodes System am Laufen zu halten. Und mittlerweile läuft unser "Körpereigenes Betriebssystem unter Fortschritt 3.0" mit automatisch laufender Updatefunktion - allerdings immer noch ohne Spam und Virenschutz!
    Jeder muss also seine "Festplatte" selbst aufräumen..., so gut es eben geht und darauf achten, was er in sein "Maulwerk" steckt.

  • "Wer die Nahrungsmittelversorgung kontrolliert,
    kontrolliert die Menschen.
    Wer die Energie kontrolliert,
    kontrolliert die Kontinente.
    Wer das Geld kontrolliert,
    der beherrscht die Welt."
    Henry Kissinger

    Danke Handelsblatt, hätte nicht gedacht solch ein Artikel hier zu finden.
    Ich persönlich habe aufgehört mit Menschen über die Lebensmittelproblematik zu diskutieren.
    Gegen Werbung, Gehirnwäsche und Medien manipulation seitens der Nahrungs-und Pharmamafia (Nestle, Kraft, Bayer,GlaxoSmithKline etc.) kommt man einfach nicht an.
    Ein jeder ist sein glückes Schmied.
    Von daher wer Aspartam/Nutra Sweet, Flour (chemie Abfälle), Geschmackverstärker, Konservierungsmittel,Farbstoffe und medikamenten/Hormon Cocktail, Pestizide, Herbizide und Fungizide in seinem Essen haben will. Bitteschön und Guten appetit.

    Nebenbei, bitte nacher nicht sagen "hätte ich das gewusst..."

  • Warum bzw. wofür bekommen Nutella, RWE und weitere genannte die Subventionen? Nur weil sie Land besitzen? Oder weil es auch Landwirtschaftlich genutzt wird?

  • - Männliche Küken werden direkt nach der Geburt getötet
    - Den Legehennen wird unter Schmerzen der Schnabel gekürzt
    - In der Natur legen Hühner einmal im Jahr Eier
    - Heutige "Lege-"hennen sind soweit qualgezüchtet, dass sie fast jeden Tag ein Ei legen müssen
    - Durch den Dauerstress kommt es zum Federrupfen, bis hin zum Töten der Artgenossen
    - Nach ca. 15 bis 18 Monaten werden die Legehennen geschlachtet, da die Legeleistung nachlässt

  • Tiere sind Lebewesen genau wie Menschen. Sie empfinden Schmerz und Gefühle wie z.B. Angst. Trotzdem werden Schweine, Rinder, Hühner usw. von Menschen wie Produkte oder Waren behandelt. Wir sperren sie ein, halten sie teilweise unter den schlimmsten Bedingungen, mästen und töten sie, um sie dann zu essen.

  • Sie schreiben: "Eine Spurensuche, wer die Schuld trägt." Das ist ganz schlechtes Deutsch, wenn überhaupt. Sie haben auch keine Spuren gesucht, Sie haben mal wieder umfangreichaus aus einem Buch abgeschrieben. Irgendwie macht das ja intellektuell auch nicht satt.

  • Darüber ob die Selbstverständlichkeit mit der wir Tiere wie Rohstoffe nutzen wirklich vom Christentum begünstigt wird, habe ich ehrlich gesagt nie nachgedacht. Aber Sie könnten leider recht haben.
    Streiten könnte man aber schon über die Frage ob die Kirche hier der Mehrheit nur nach dem Mund redet oder wirklich durch jahrhundertelange Beeinflussung die Ursache ist.
    Interessieren würde mich aber ob das alle Kirchen heute noch genauso sehen - diesen Schwachsinn, das Tiere zu unserem Nutzen erschaffen wurden und Ihnen daher Schmerzen zugefügt werden dürfen (das Schmerz auch bei uns erstmal eine reine Körperreaktion ist - die vielleicht im Ergebnis das Gefühl "Angst" auslöst, darüber braucht man schon nicht mehr reden). Vom positiven Bild was ich einst von der Kirche hatte ist wirklich fast nichts mehr. Weg damit, die haben keine Antworten auf unsere Probleme.

  • IRR
    Ihr Kommentar ist auch nicht ganz richtig.
    Natürlich stimmt ein gewisser Teil, haben Sie jedoch an die älteren Menschen gedacht, die nur eine kleine Rente beziehen können? Die damit eine Wohnung/ ein Haus, und all ihr Unkosten finanzieren müssen?
    Die Sache ist an sich nicht leicht, man müsste alles von Grund auf neu erarbeiten und regeln, die Bevölkerung sollte genaustens darüber informiert werden was sie isst und was darin enthalten ist.
    Das ist jedoch, wie schon erwähnt, nur durch einen kompletten Neuanfang und eine neue Regelung der Auflagen möglich.

  • an Topf

    Blödsinn, warum gehen die Leute nicht zum Metzger oder an die Käsetheke und kaufen dort ihre Waren ein? Da bekommt man nämlich kleinste Mengen. Und zur Not kann man die Sachen auch eingefrieren. Also alles kein Argument!

  • Prima, lieber Autor. Alle Vorurteile gegen die Agrar- und Ernährungswirtschaft schön zusammengefasst um die Hysterie der Verbraucher weiter zu schüren...
    Vielleicht sollten Sie sich vor Verfassen eines Artikels mit echten Experten unterhalten, damit nicht so viele fehlerhafte Fakten in ihren Artikel geraten. Aber als "Fußball-Journalist" scheinen sie ja aus Sicht des Handelsblatt qualifiziert zu sein um über solche Themen zu schreiben... Herzlichen Glückwunsch!

Alle Kommentare lesen
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%