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Legale Droge Kanadas Cannabis-Firmen haben große Expansionspläne für Europa

Kanadische Firmen investieren in Cannabis-Plantagen in Europa. Sie setzen auf medizinischen Bedarf – hier tut sich ein Multimillionenmarkt auf.
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Seit Oktober ist der Konsum der Cannabis-Pflanze in Kannada weitestgehend legal. Quelle: picture alliance / empics
Die Herstellung eines Joints

Seit Oktober ist der Konsum der Cannabis-Pflanze in Kannada weitestgehend legal.

(Foto: picture alliance / empics)

Die junge kanadische Cannabis-Industrie will international expandieren. Europa steht auf der Liste der Ziele ganz oben, seit in Deutschland vor eineinhalb Jahren Cannabis für den medizinischen Einsatz freigegeben wurde. „Deutschland könnte eines Tages vom Umsatz her sogar eine größere Marktbedeutung als Kanada haben“, meint Aphria-CEO Vic Neufeld im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Aphria zählt zu den führenden kanadischen Anbietern, die vergangene Woche auf der „Canadian Cannabis Conference“ in Frankfurt ihre Strategien für Europa präsentierten, neben anderen Firmen wie Aurora, Canopy Growth, und CannTrust.

Während die Industrie in Kanada vor allem durch die jüngst in Kraft getretene Freigabe von Marihuana für den Freizeitkonsum wachsen will, konzentrieren sich die Pläne für Europa derzeit auf Cannabis für den therapeutischen Einsatz.

Die Branche hofft, dass die Legalisierung in Deutschland Signalwirkung für weitere Länder haben wird. In Dänemark, Italien und Litauen ist medizinisches Cannabis mittlerweile auch erlaubt, in Großbritannien ab diesem Donnerstag. In Finnland darf es im Ausnahmefall verschrieben werden, in der Schweiz wird das Thema seit Langem diskutiert.

Anleger jedenfalls trauen den kanadischen Anbietern ein riesiges Wachstumspotenzial zu. Während sich die Jahresumsätze der großen Unternehmen noch im zweistelligen Millionenbereich bewegen, haben die Bewertungen an der kanadischen Börse längst mehrere Milliarden erreicht. Denn Cannabis ist ein lukratives Geschäft: Mit Bruttomargen von mehr als 60 beziehungsweise 70 Prozent bewegen sich viele Anbieter in der Größenordnung der Pharmaindustrie. Allerdings stehen unter dem Strich unter anderem wegen der hohen Expansionskosten bei den meisten Firmen noch Verluste.

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Um in Deutschland und Europa Cannabis-Blüten und daraus weiterentwickelte Produkte anbieten zu dürfen, müssen die Hersteller bestimmte Richtlinien zur Qualitätssicherung der Produktionsabläufe erfüllen. Dieses Zertifikat hat derzeit nur etwas mehr als eine Handvoll der kanadischen Anbieter.

Die Märkte öffnen sich

Aurora, Tilray, und Cronos gehören dazu, ebenso Canopy Growth. Das Unternehmen hat sich schon Ende 2016 durch den Kauf der Firma Spektrum Cannabis in den deutschen Markt eingekauft. Spektrum Cannabis aus St. Leon-Rot war das erste Unternehmen, das hierzulande eine Importgenehmigung für medizinischen Cannabis aus Kanada erhielt.

Mittlerweile hat Canopy Growth seine Europazentrale in Frankfurt eingerichtet, Spektrum-Cannabis-Chef Pierre Debs managt das Europageschäft. „Die Märkte in Europa öffnen sich rasch. Wir wollen diese Gelegenheit nutzen – als Produzent wie als Mitgestalter des Marktes“, sagt Debs. Aktuell arbeiten 60 Mitarbeiter für Canopy in Europa, Ende 2019 werden es rund 500 sein, erwartet Debs.

Die Zahl der Cannabis-Patienten in Deutschland wird derzeit auf etwa 40.000 geschätzt. Als Faustformel in der Branche gilt, dass rund ein Prozent der Bevölkerung als Nutzer von medizinischem Cannabis infrage kommt. Für Deutschland geht die Branche von knapp einer Million Patienten aus, auf die EU gerechnet könnten es mehr als fünf Millionen werden. Bei Jahrestherapiekosten zwischen 4.500 und 30.000 Euro, je nach Therapieform, tut sich mindestens ein Multimillionenmarkt auf.

Um diesen Markt bedienen zu können, bauen die Kanadier in Europa kräftig Kapazitäten auf. Aurora etwa plant laut CEO Cam Battley eine neun Hektar große Anlage im dänischen Odense – so groß wie zehn Fußballfelder. Aphria wiederum schloss sich ebenfalls in Dänemark mit dem Blumenanbauer Schroll zusammen, um eine etwa ebenso große Anlage auszubauen, in Portugal sucht das Unternehmen derzeit potenzielle neue Anbauflächen.

Auch Canopy Growth hat schon Produktionskapazitäten in Dänemark und eine Produktionspartnerschaft in Spanien. In Deutschland haben sich alle Firmen auf die Ausschreibung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) beworben, das Lizenzen für den Anbau von medizinischem Cannabis hierzulande vergeben wird.

Wayland Group produziert bereits in Deutschland

Das kanadische Unternehmen Wayland Group, vormals Maricann Group, wiederum produziert bereits Cannabis in Deutschland. In Ebersbach bei Dresden hat Wayland im Gewerbepark das frühere Schlachthaus gekauft und die deutsche Tochtergesellschaft Mariplant gegründet. In diesem Jahr wurden erstmals auf einer Fläche von 170 Hektar Cannabis-Pflanzen angebaut und geerntet. Das ist möglich, weil der Fokus des Unternehmens in Ebersbach der Anbau und die Weiterverarbeitung von Cannabis für frei verkäufliche Produkte ist, wie Morten Brandt, Generalmanager des Unternehmens für Europa erläutert. Dazu gehören etwa Kosmetik oder Nahrungsergänzungsmittel, bei denen die Cannabis-Wirkstoffe nur einen ganz geringen Anteil haben dürfen.

Allerdings sammelt Wayland so bereits Erfahrung mit dem Anbau von Cannabis. Seit April wuchsen dort fünf verschiedene Cannabis-Sorten mit unterschieldichen Wirkstoffkonzentrationen heran. Die Kanadier planen, den Anbau auf eine Fläche von 1.000 Hektar zu erweitern, und wollen bis 2020 insgesamt rund 25 Millionen Euro investieren.

Auch Wayland hat sich auf die Ausschreibung des BfArM in Deutschland beworben. Sollte das Unternehmen eine Lizenz erhalten, wird in Ebersbach künftig auch Cannabis für den medizinischen Einsatz angebaut werden, allerdings nicht wie bisher im Freiland, sondern „indoor“. Dafür wurden bereits Testräume eingerichtet, in denen die Raum- und Klimabedingungen erforscht werden.

Bis dahin liefert Wayland aus Kannada. Das Unternehmen hat gerade mit der Cannamedical Pharma GmbH in Köln eine Liefervereinbarung über den Import von mindestens 9.000 Kilogramm über drei Jahre geschlossen. Das Kölner Unternehmen beliefert rund 2.200 Apotheken in Deutschland.

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