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Lichtkonzern Olaf Berlien bleibt auch nach der Übernahme Osrams Chef

Der Osram-Chef hat viele kritische Phasen überstanden. Nun soll er auch nach der Übernahme durch Finanzinvestoren die Entwicklung weiter vorantreiben.
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Olaf Berlien

"Ich bin hochmotiviert und habe Spaß daran".

(Foto: Reuters)

München, Frankfurt Anfang des Jahres holte sich Olaf Berlien Beistand im Vatikan. Sein Lichtkonzern Osram hatte tags zuvor schlechte Quartalszahlen vorgelegt, es drohte die nächste Gewinnwarnung. Doch dem Vorstandschef war ein Moment des Innehaltens vergönnt. Mit zwei Kardinälen schritt er in den Petersdom, ein Chor sang dazu. Osram hatte mit 100.000 Leuchtdioden dem Petersdom zu neuem Glanz verholfen. „Für mich ist das etwas unglaublich Besonderes“, sagte Berlien andächtig.

Doch am Rande seiner Romreise ging es um eine drohende Gewinnwarnung, Übernahmespekulationen und um Stellenabbau. Auch im Hause Osram wollten damals viele nicht darauf wetten, dass Berlien am Jahresende noch Vorstandschef sein würde. Doch Berlien ist ein Überlebenskünstler.

Einen Kursabsturz um 30 Prozent nach der Verkündung seiner neuen Strategie im Jahr 2015 überstand er ebenso wie den darauf folgenden Streit über die geplante Milliardeninvestition in Malaysia mit dem Ex-Großaktionär Siemens. Der verweigerte Berlien auf der Hauptversammlung gar die Entlastung. Im vergangenen und in diesem Geschäftsjahr dann sorgten insgesamt drei Gewinnwarnungen für Spekulationen über Berliens Zukunft.

Doch der ist immer noch im Amt und soll auch nach der geplanten Übernahme von Osram durch die Finanzinvestoren Bain und Carlyle das Unternehmen führen. Berlien betonte: „Ich bin hochmotiviert und habe Spaß daran.“ Aus Finanzkreisen ist zu hören, dass die Investoren auf den 56-Jährigen und seine Strategie setzen. „Ich nenne ihn die Katze oder den Meister des nächsten Tages“, so ein Kenner des Unternehmens.

Die Verhandlungen mit den Finanzinvestoren hat er geschickt geführt. Als sich Bain und Carlyle über den zu zahlenden Preis einigen konnten, wurde Berlien aktiv. Bei einem Managementmeeting am Spitzingsee war er permanent am Telefon. Dass die Investoren am Ende 35 Euro und nicht weniger boten, lag laut Industrie- wie Finanzkreisen auch am Einsatz des Chefs. „Wenn es um das große Ganze geht“, meint ein Insider, „hat er den Instinkt, die richtigen Strippen zu ziehen.“

Karriere bei Thyssen-Krupp

Berlien war vom Mittelständler M+W zu Osram gekommen. Dass er dort nur ein Jahr blieb, habe keinen guten Eindruck hinterlassen, moniert ein Personalberater. Zuvor hatte Berlien lange für Thyssen-Krupp gewirkt und sich dort wohl auch Hoffnungen auf den Vorstandsvorsitz gemacht.

Doch im Zuge des allgemeinen Großreinemachens musste auch er gehen. Bei dem Konzern, dessen Technologiesparte er erfolgreich führte, hört man viel Gutes über ihn. So wird ihm hoch angerechnet, dass er dort gute Kontakte zu den Arbeitnehmervertretern pflegte.

Auch bei Osram gelang es ihm, trotz der massiven Veränderungen in der Branche geschickt die Belegschaft einzubinden. „Wir konnten bislang immer gut mit ihm zusammenarbeiten“, sagte der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende, der IG-Metaller Klaus Abel, dem Handelsblatt.

Auch bei einem Townhall-Meeting in München am Montag gab es laut Teilnehmern keine grundsätzliche Kritik am Verkauf des Unternehmens. Berlien stimmte die Beschäftigten darauf ein, dass Veränderung zum Dauerzustand der Branche werde. Bei schlecht funktionierenden Sparten müsse man weiter aktiv bleiben.

Auch Aufsichtsratschef Peter Bauer hatte stets zu Berlien gehalten; auf der Hauptversammlung im Februar stärkte er ihm den Rücken. Zwar sahen sich Kritiker bestätigt, als die Geschäfte in der Chipsparte schwieriger wurden. Doch ist Bauer überzeugt, dass es keine Alternative zu Berliens Kurs gibt.

So hatte der Vorstand einst eine Übernahme des Leuchtenherstellers Zumtobel anstatt der Milliardeninvestition in Malaysia diskutiert. Damit wäre Osram aber nach Einschätzung in Industriekreisen noch massiver in die Krise gestürzt. Zu seinem Wesen als Überlebenskünstler zählt ein gewisser Grundoptimismus, der sich in lockeren Sprüchen entlädt.

„Ich heiße Berlien, und ich komme aus Berlin“, stellte er sich anfangs gern vor. Er arbeite sich nicht in alle Themen tief ein, wird im Umfeld kolportiert, bei wichtigen Entscheidungen setze er zudem auf Vorlagen von Beratern. „Er hat auch seine Schattenseiten, das weiß die Organisation“, meint ein Insider. Doch sei der Konzern mit ihm bislang gut durch die harte Transformationsphase gekommen.

Mehr: Lesen Sie hier, welchen Herausforderungen sich Osram durch die Übernahme durch Bain und Carlyle stellen muss – und wie Aktionäre damit umgehen.

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