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Lichtkonzern Osram-Chef räumt auf Hauptversammlung Managementfehler ein

Olaf Berlien steht wegen mehrmaliger Gewinnwarnungen in der Kritik. Der Aufsichtsrat gibt ihm Rückendeckung. Von den Aktionären gibt es einen Denkzettel.
Update: 19.02.2019 - 14:54 Uhr Kommentieren
Osram-Chef räumt auf Hauptversammlung Managementfehler ein Quelle: dpa
Osram-Chef Berlien

„Die Kritik an unserer Prognosefähigkeit ist berechtigt“, sagte er auf der Hauptversammlung des Konzerns.

(Foto: dpa)

München Das neue Jahr ist für die Osram-Aktionäre so gestartet, wie das alte geendet war: Das erste Quartal verlief eher schlecht, nach zwei Gewinnwarnungen im vergangenen Jahr steht nun auch die Prognose 2019 auf der Kippe. Auf der Hauptversammlung am Dienstag übte sich Vorstandschef Olaf Berlien deswegen in Demut.

„Wir haben auch Fehler gemacht. Die Kritik an unserer Prognosefähigkeit ist berechtigt“, sagte er. Die Auftragsbestände hätten weiteres Wachstum signalisiert. Daher sei man zu optimistisch in der Planung gewesen. Das schmerze ihn persönlich. „Wir bedauern das.“

Aufsichtsratschef Peter Bauer nannte die Situation „sehr unbefriedigend“. Er gab Berlien aber für seine Strategie Rückendeckung. Der Vorstand könne sich auf die Unterstützung des Aufsichtsrats verlassen.

Der Aktienkurs von Osram hatte sich angesichts der schwachen Geschäftsentwicklung zwischenzeitlich auf gut 30 Euro mehr als halbiert. Doch wenige Tage vor der Hauptversammlung half das Interesse von Finanzinvestoren an dem Lichtkonzern dem Kurs auf die Sprünge: Osram bestätigte, dass man „vertiefte Gespräche“ mit Bain Capital und Carlyle führe. Die Finanzinvestoren erwägen eine Komplettübernahme, um Osram anschließend vorübergehend von der Börse zu nehmen.

Für Berlien war diese Nachricht vor der Hauptversammlung nach Einschätzung von Branchenkennern durchaus hilfreich. Im Mittelpunkt des Interesses stehen nicht mehr die schlechten Zahlen und die Diskussion um die Strategie.

Doch Neues konnte er bei dem Aktionärstreffen nicht verkünden. „Wir werden den gesamten Prozess ergebnisoffen und im Sinne von Osram führen“, versprach er. Es sei „derzeit noch nicht abzusehen, ob es eine Investition von Bain und Carlyle geben wird“. Auch ein Scheitern sei möglich.

Und in der Tat wird sowohl in Finanz-, als auch in Industriekreisen darauf verwiesen, dass die Chancen für eine Übernahme wohl maximal 50:50 stünden. Vor den nächsten Quartalszahlen im Frühjahr sei eher nicht mit einer Entscheidung zu rechnen.

Nach Einschätzung in Industriekreisen steht Berlien einer Übernahme grundsätzlich offen gegenüber. Eine schwierige technologische Transformation sei womöglich leichter ohne den Quartalsdruck der Kapitalmärkte zu bewältigen. Im Arbeitnehmerlager ist man aber durchaus beunruhigt. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Michael Knuth von der IG Metall forderte im Gespräch mit dem Handelsblatt, Interessenten müssten vor einer Übernahme mit den Arbeitnehmern über die Sicherheit von Standorten, Jobs und Altersversorgung sprechen.

Angesichts der mehrmaligen Gewinnwarnungen ist auch Vorstandschef Berlien nicht mehr unumstritten. Laut Aufsichtsratskreisen könnte es eng für ihn werden, falls der erhoffte Aufschwung ausbleibt und er die Prognosen senken müsste.

Denkzettel für Berlien und Bauer

Von Aufsichtsratschef Bauer aber gab es an diesem Tag erst einmal Rückendeckung. „Die grundlegende Strategie des Unternehmens, seine Ausrichtung auf Hochtechnologie-Anwendungen mit dem Fokus auf halbleiterbasiertes Licht, ist und bleibt richtig.“ Das gelte auch für die Investitionsentscheidungen.

Von den Aktionären gab es nach dem schwachen Jahr 2018 einen kleinen Denkzettel für die Führungsspitze. Bei der Abstimmung über die Entlastung erhielt Vorstandschef Berlien nur knapp 74 Prozent Ja-Stimmen, der Aufsichtsratsvorsitzende Bauer 92 Prozent.

Großaktionär DWS hatte zuvor angekündigt, die beiden nicht entlasten. Mit knapp fünf Prozent ist die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank einer der größten Aktionäre der ehemaligen Siemens-Tochter.

Berlien hatte 2015 entschieden, stärker in das Geschäft mit LED-Chips auch für die umkämpfte Allgemeinbeleuchtung einzusteigen und bis zu eine Milliarde Euro in eine neues Chipwerk in Malaysia zu investieren. Der damalige Großaktionär Siemens sah die Entscheidung kritisch – und verweigerte Berlien in einem einmaligen Akt vor drei Jahren auf der Hauptversammlung sogar die Entlastung.

Doch Bauer betonte nun, die Chiptochter OS Semiconductors sei immer noch der wichtigste und größte Werttreiber von Osram. „Diese Einschätzung tragen ganz überwiegend auch unsere Analysten und Investoren mit.“

Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2018/19 war der Umsatz von Osram um vergleichbar 15 Prozent auf 828 Millionen Euro gesunken. Unter dem Strich stand sogar ein kleiner Verlust. Das Erreichen der Jahresziele steht nun „unter dem Vorbehalt einer Belebung des Auftragseingangs in den nächsten Monaten“.

Bislang ist allerdings nach Einschätzung in Industriekreisen keine konjunkturelle Belebung in Sicht. Osram macht etwa die Hälfte des Geschäfts mit Kunden aus der Autoindustrie. Auch andere Zulieferer hatten in den vergangenen Monaten ihre Prognosen senken und ähnliche Kursrückgänge hinnehmen müssen.

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