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Lichtkonzern Osram-Führung empfiehlt widerwillig Annahme des AMS-Übernahmeangebots

Aufsichtsrat und Vorstand des Lichtkonzerns sehen viele Risiken bei dem Milliarden-Deal. Das Angebot von 38,50 Euro sei aber wirtschaftlich attraktiv.
Update: 16.09.2019 - 13:54 Uhr Kommentieren
Die Führung des Konzerns lässt durchklingen, dass sie eine Übernahme durch die Finanzinvestoren Carlyle und Bain strategisch bevorzugen würde.
Osram

Die Führung des Konzerns lässt durchklingen, dass sie eine Übernahme durch die Finanzinvestoren Carlyle und Bain strategisch bevorzugen würde.

München Die milliardenschwere Übernahmeofferte von AMS stößt bei Osram in München noch immer auf wenig Gegenliebe. In ihrer Stellungnahme zum Übernahmeangebot des Sensorik-Spezialisten AMS weist die Osram-Führung auf zahllose Probleme und Risiken hin.

Die Österreicher hätten keine Erfahrung mit der Integration so großer Zukäufe, in Sachen Strategie seien viele Fragen offen, die versprochenen Synergien von 300 Millionen Euro seien unsicher, und die Finanzierung berge Risiken.

Und dennoch empfehlen Vorstand und Aufsichtsrat am Ende ihrer mehr als 80-seitigen Stellungnahme den Osram-Aktionären, das Angebot aufgrund seiner „wirtschaftlichen Attraktivität“ anzunehmen.

AMS bietet den Osram-Aktionären 38,50 Euro und damit zehn Prozent mehr als die Finanzinvestoren Bain und Carlyle. Die Osram-Führung lässt durchklingen, dass sie eine Übernahme durch die Finanzinvestoren strategisch bevorzugen würde. Doch kamen die Gremien nicht an der Tatsache vorbei, dass AMS mehr Geld bietet.

Die Arbeitnehmer machen derweil weiter mobil gegen den ungeliebten Bieter. „Wir halten das Finanzierungskonzept für völlig ambitioniert, um nicht zu sagen aggressiv“, sagte Aufsichtsrätin und IG-Metall-Vorstandsmitglied Irene Schulz. Sie verwies auf die hohe Verschuldung, die Pläne für die Reduzierung der Verbindlichkeiten basierten auf Zukunftshoffnungen. Es bestehe die Gefahr, dass der Margendruck schnell sehr hoch werde. Zudem könnten Kunden, die bislang mit AMS und Osram zusammenarbeiten, nach einer Fusion abspringen, weil sie nicht abhängig werden wollen von einem einzigen Zulieferer.

Die Arbeitnehmer sind zudem skeptisch, ob AMS die Übernahme des größeren Osram-Konzerns stemmen kann. „David übernimmt hier Goliath“, sagte Schulz. AMS habe die Komplexität von Osram noch nicht durchdrungen.

Die versprochenen Synergien würden Arbeitsplatzabbau bedeuten. Es bestehe die Gefahr, dass der Standort München mit der Osram-Zentrale als erstes „rasiert“ würde. Die Finanzinvestoren Bain und Carlyle brächten dagegen mehr Eigenkapital mit und hätten mehr Finanzkraft, das Unternehmen weiterzuentwickeln.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Thomas Wetzel sagte, AMS habe eine Beschäftigungssicherung verweigert. „Ab dem ersten Tag wird enormer Druck auf Beschäftigte und Standorte entstehen.“ Für die Betriebsräte gelte: „Wir lehnen eine Übernahme durch AMS ab.“ Die Arbeitnehmer wollen nun unter anderem die Allianz als Osram-Aktionär direkt ansprechen und ihre Bedenken vortragen.

Auch die Führung von Osram hat offensichtlich weiterhin erhebliche Bedenken. AMS will die rund vier Milliarden Euro schwere Übernahme zunächst komplett mit Krediten finanzieren.

In einem zweiten Schritt ist eine Kapitalerhöhung in Höhe von 1,5 Milliarden Euro geplant. Dieser Plan erscheine aufgrund der Bekundungen der beteiligten Banken als „realisierbar und solide, aber nicht sicher“, heißt es in der Stellungnahme.

Bei einer Ablehnung der Kapitalerhöhung durch die AMS-Aktionäre drohe eine deutliche Erhöhung der Verschuldung samt höheren Fremdfinanzierungskosten. Doch selbst wenn der Plan aufgehe, gebe es Risiken. In jedem Fall müssten die Kredite durch operative Mittelzuflüsse finanziert werden.

AMS sei stark von einzelnen Kunden abhängig – hier handelt es sich vor allem um Apple. Es könne zu einer „möglicherweise sehr angespannten Finanzierungssituation“ kommen, wenn Kernkunden zu einem anderen Anbieter wechseln. Die Ankündigung von AMS, Teile der Produktion aus Malaysia ins Regensburger Osram-Werk zu verlagern, sieht die Osram-Führung skeptisch.

Der Plan beruhe auf „vereinfachten Annahmen“. Es werde schwierig, qualifiziertes Personal zu gewinnen. Es drohten höhere Kosten. In der LED-Industrie würden effiziente Fertigungsstrukturen, die Skaleneffekte ermöglichen, aber immer wichtiger.

Zweifel an Synergien
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