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Lichtkonzern Osram gegen AMS: Warum ein Kundenbrief für Empörung sorgt

Der kaufwillige Grazer Sensorik-Konzern AMS stößt beim Münchner Lichtkonzern auf Widerstand. Ein Kundenbrief sorgt dort für Irritationen.
27.08.2019 - 17:48 Uhr Kommentieren
Die Kooperationsvereinbarung mit AMS entstand aus rechtlichen Gründen. Quelle: OSRAM
Osram-Gebäude in Regensburg

Die Kooperationsvereinbarung mit AMS entstand aus rechtlichen Gründen.

(Foto: OSRAM)

München, Wien Die jüngst zwischen Osram und der Österreichischen AMS vereinbarte Kooperation ist wohl vor allem als ein Zeichen an die Kapitalmärkte gedacht. Einem Bieter – AMS will 38,50 Euro je Osram-Aktie zahlen – darf man eben nicht so einfach die kalte Schulter zeigen. Doch hinter den Kulissen ist das Klima zwischen den beiden Unternehmen frostig.

Das zeigt ein Brief, den der Grazer Sensorik-Konzern nun an Kunden beider Unternehmen geschrieben hat. Der sorgt in München derzeit für mächtige Irritationen. In dem Schreiben preisen die Österreicher den geplanten Zusammenschluss mit Osram an und erklären, dieser werde „signifikanten Wert“ auch für die Kunden schaffen.

Bei Osram in München hält man dieses Vorgehen laut Industriekreisen für „amateurhaft“. So einen Brief schicke man erst raus, wenn eine Übernahme in trockenen Tüchern sei. Ansonsten könne so etwas kontraproduktiv sein, heißt es.

Kunden zum Beispiel, die bei AMS und Osram einkaufen, weil sie nicht von einem Lieferanten abhängig sein wollen, könnten aufgeschreckt werden und nun bei der Konkurrenz bestellen. Die Österreicher betonen hingegen, man halte die Kunden regelmäßig auf dem Laufenden – auch etwa nach Quartalsergebnissen.

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    Die Verstimmung belastet die Pläne von AMS, Osram für rund vier Milliarden Euro zu übernehmen. Mit dem Angebot stach der Sensorik-Spezialist die Finanzinvestoren Bain und Carlyle aus, die mit dem Segen von Vorstand und Aufsichtsrat 35 Euro je Aktie geboten hatten. Doch das Management der Ex-Siemens-Tochter macht keinen Hehl daraus, dass es die Pläne von AMS skeptisch sieht.

    Dennoch schloss Osram jene Kooperationsvereinbarung mit AMS, allerdings weniger aus Leidenschaft als aus rechtlichen Gründen. AMS hat 2018 einen Umsatz von 1,4 Milliarden Euro erzielt. Bei Osram waren es mehr als vier Milliarden Euro.

    Im Umfeld von Osram bezweifelten viele, dass AMS über die Managementkapazitäten verfüge, einen Brocken wie Osram zu integrieren, heißt es in Industriekreisen: „Es droht der Verlust von guten Leuten.“ Zudem gibt es in München nach wie vor Zweifel an der Finanzierung. AMS konnte mit UBS und HSBC zwar prominente Kreditgeber präsentieren.

    Gewerkschaft hat Zweifel

    Doch hätte der Konzern auch nach einer geplanten, aber noch nicht gesicherten Kapitalerhöhung hohe Schulden. Angesichts dessen hatte AMS-Finanzchef Michael Wachsler-Markowitsch erklärt, die Integration solle in den nächsten drei Jahren abgeschlossen sein, „wobei innerhalb der ersten 18 Monate ein Großteil der Synergien über die Bühne gehen muss“. Die Finanzierung von HSBC und UBS werde zu marktüblichen Konditionen erfolgen, hieß es im Umfeld von AMS.

    Fest steht: AMS lässt sich von den Widerständen bei Osram wenig beeindrucken. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass unsere Aktionäre diese attraktive Transaktion zur Schaffung eines führenden Anbieters für Sensorlösungen und Photonik breit unterstützen werden“, sagte CEO Alexander Everke dem Handelsblatt.

    Doch nicht nur im Management bei Osram gibt es Skepsis, auch in Arbeitnehmerkreisen. Dort wird etwa bezweifelt, ob auf Garantien der Österreicher für Arbeitsplätze und Standorte viel zu geben ist. Betriebsrat und Gewerkschaft lehnen die Übernahme deshalb bislang ab, weil die Österreicher nur an Teilen von Osram interessiert sind. Bain und Carlyle hatten dagegen zugesagt, das Unternehmen nicht zu zerschlagen.

    AMS zeigt sich dialogbereit – auch in Richtung IG Metall. „Wir (...) haben umfangreiche und klare Zusagen zu den Standorten in Deutschland sowie zur Stärkung des Standorts Regensburg als Teil unseres Angebots vorgesehen“, sagte Everke am Dienstag.

    Dass ein Bündnis von Osram und AMS strategisch sinnvoll wäre, wird laut Industriekreisen auch in München nicht bezweifelt. Osram selbst habe in den vergangenen Jahren mehrmals ein Angebot für AMS geprüft. Nach Informationen des Handelsblatts hatten Osram-Aufsichtsräte auch einen „Merger of Equals“, also eine Fusion unter Gleichen, ins Gespräch gebracht. Bislang aber habe sich AMS dafür nicht offen gezeigt.

    Von der drohenden Rezession in Deutschland lässt sich AMS bei seinem Übernahmeplan nicht abschrecken: „Wir sehen ein schwierigeres Marktumfeld in einigen Endmärkten. Doch selbstverständlich basiert unser Angebot für Osram nicht auf kurzfristigen Erwägungen, sondern auf der mittel- und langfristigen starken Komplementarität der Unternehmen“, heißt es in Firmenkreisen.

    Mehr: AMS will den Lichttechnikkonzern Osram übernehmen und hat dabei eine wichtige Hürde genommen. Wie Experten nun die Lage einschätzen.

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