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Lichtkonzern Osram gibt Widerstand gegen Übernahme durch AMS auf

Die Österreicher kündigen ein neues Angebot für den Lichtkonzern an. Bain Capital und Advent ziehen sich aus dem Bieterwettkampf um Osram zurück.
Update: 18.10.2019 - 17:50 Uhr Kommentieren
Solange AMS seinen Anteil nicht abgibt, wäre eine Übernahme durch andere Investoren kaum möglich. Quelle: dpa
Osram

Solange AMS seinen Anteil nicht abgibt, wäre eine Übernahme durch andere Investoren kaum möglich.

(Foto: dpa)

München Die 4,6 Milliarden Euro schwere Übernahme von Osram durch den Sensor-Spezialisten AMS rückt näher. Die Österreicher kündigten ein neues Übernahmeangebot über erneut 41 Euro je Aktie an. Der Osram-Vorstand steht dem Übernahmeplan nun wohlwollender gegenüber als bislang. Gleichzeitig zogen sich die Finanzinvestoren Bain und Advent vorerst aus der Bieterschlacht zurück.

Das Angebot wird von der AMS Offer GmbH, einer neu gegründeten hundertprozentigen Tochtergesellschaft, unterbreitet. So konnte der Konzern die einjährige Sperrfrist umgehen, die nach einem gescheiterten Angebot eigentlich gilt.

Der erste Anlauf, den fast dreimal größeren Osram-Konzern zu kaufen, war noch fehlgeschlagen. Die Österreicher stolperten über die selbst gesetzte Mindestannahmeschwelle von 62,5 Prozent. Diese senkte AMS nun auf 55 Prozent. Nach Einachätzung in Industriekreisen sind die Chancen gut, diese im zweiten Anlauf zu erreichen.

Zugleich gibt die Osram-Führung den passiven Widerstand gegen die Übernahme durch den kleineren Sensorik-Spezialisten auf. „Wir haben in den vergangenen Tagen konstruktive Gespräche mit AMS über die Rahmenbedingungen für ein neues Übernahmeangebot geführt“, sagte Osram-Chef Olaf Berlien. Der Vorstand begrüße die bisher erzielten Fortschritte und sei „zuversichtlich, dass sich beide Seiten auf ein zukunftsfähiges strategisches Konzept verständigen werden“.

AMS stand nach dem ersten gescheiterten Versuch, Osram zu übernehmen, unter Druck, schnell nachzulegen. Denn die Österreicher hatten über die Börse bereits knapp 20 Prozent der Osram-Aktien gekauft. Damit konnten sie Übernahmen durch andere Interessenten blockieren.

Allerdings wurde in Industriekreisen spekuliert, dass die kreditgebenden Banken das nicht lange mitmachen würden. Die Osram-Anteile dürften die bereits relativ hoch verschuldete AMS etwa 750 bis 800 Millionen Euro gekostet habe. Ohne Übernahmephantasie drohten Kurs- und Buchverluste.

Auf üppige Dividendenzahlungen durften die Österreicher angesichts der operativen Probleme bei Osram nicht hoffen. „Die Banken werden schon nervös“, hieß es in Industriekreisen. Daher war es für AMS keine Option, erst einmal abzuwarten, wie sich zum Beispiel die Finanzinvestoren positionieren.

Der Übernahmekampf um die ehemalige Siemens-Tochter tobt bereits seit Monaten. Zum Auftakt hatten die Finanzinvestoren Bain und Carlyle 35 Euro je Aktie geboten. Vorstand und Aufsichtsrat von Osram befürworteten im Zuge einer Investorenangabe die Übernahme. Schließlich versprachen die Finanzinvestoren, an der Strategie von Osram und am Management festzuhalten.

Allerdings funkte AMS mit einem Gebot von zunächst 38,50 Euro dazwischen. Als Bain mit Advent kontern wollte, stockten die Österreicher die Offerte auf 41 Euro auf. Jedoch scheiterten sie an der selbst gesetzten Mindestannahmeschwelle von 62,5 Prozent.

AMS stieß lange auf wenig Gegenliebe

AMS will deutlich mehr als 50 Prozent der Anteile einsammeln. Denn die Österreicher sind an einem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag interessiert. Dafür ist eine Mehrheit von 75 Prozent auf der Hauptversammlung notwendig. Da nie alle Aktionäre teilnehmen, könnte diese Mehrheit – je nach Präsenz – mit gut 60 Prozent der Anteile erreicht werden.

Daher wird erwartet, dass AMS versuchen wird, auch nach einer geglückten Übernahmeofferte gegebenenfalls weitere Anteile über die Börse zuzukaufen.

In München stießen die Österreicher lange nur auf wenig Gegenliebe. AMS-Chef Alexander Everke sei von dem Übernahmeprojekt geradezu „besessen“, hieß es in Industriekreisen. Er trete sehr dominant auf. Das sei keine gute Voraussetzung für die erwartet schwere Integration. AMS habe keine Erfahrung mit so großen Übernahmen. Osram ist mit zuletzt 4,1 Milliarden Euro Umsatz fast dreimal so groß wie der Kaufinteressent AMS.

Der Widerstand in München war groß. Zwar empfahlen Vorstand und Aufsichtsrat mehrheitlich, das letzte Angebot von 41 Euro anzunehmen. Allerdings allein, weil es finanziell attraktiv sei. Unverhohlen äußerte die Osram-Führung Zweifel an der Strategie von AMS und an der Finanzierung.

AMS will die mehr als vier Milliarden Euro schwere Übernahme zunächst komplett mit Krediten finanzieren, später ist eine Kapitalerhöhung geplant. Doch in jedem Fall würde der neue Konzern aus AMS und Osram mit der Bürde einer hohen Verschuldung an den Start gehen.

AMS-Chef Everke aber ist überzeugt, dass die Übernahme eine einmalige Gelegenheit ist: „Nach der Abwanderung großer Bereiche der Mikroelektronik und Bionik nach Asien kann die Kombination von AMS und Osram einen europäischen Champion schaffen“, sagte er. Kein anderes Unternehmen verbinde derart die Themen Licht und Sensorik.

Auch bei Osram gibt man hinter vorgehaltener Hand zu, dass ein Zusammenschluss mit AMS strategisch sinnvoll sei. Allerdings würde Osram lieber selbst am Steuer sitzen. Vor etwa zwei Jahren hatte das Unternehmen nach Informationen des Handelsblatts eine Übernahme der Österreicher durchgespielt. Osram erklärte nun: „Durch einen Zusammenschluss mit AMS könnte diese unter anderem bei der Entwicklung innovativer Sensorik- und Photonik-Lösungen und durch die Nutzung der etablierten Kundenzugänge profitieren.“

Für Everke wäre die Osram-Übernahme ein enorm wichtiger Schritt. Zwar konnte das Unternehmen in den vergangenen Jahren stark wachsen und machte auch Fortschritte bei der Profitabilität. Doch zum einen sind die Österreicher nach Einschätzung in Industriekreisen eigentlich zu klein, um in der Branchenkonsolidierung eine zentrale Rolle zu spielen. Ohne ein Verstärkung droht die Gefahr, selbst übernommen zu werden.

Zudem sei AMS sehr stark von einem Kunden – nämlich Apple – abhängig, heißt es in Industriekreisen. Falls der Smartphone-Konzern seine Einkaufspolitik umstelle oder die Teile, die derzeit von AMS bezogen werden, selbst herstelle, komme das Unternehmen enorm unter Druck. Die Österreicher liefern zum Beispiel optische Sensoren für die Gesichtserkennung an Apple.

Mehr: Die angepeilte Übernahme des Münchner Lichtkonzerns Osram durch den Sensorikhersteller AMS ist geplatzt. Doch die Österreicher lassen nicht locker.

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