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Lichtkonzern Osram-Portfolio steht wegen Milliardenübernahme durch AMS auf dem Prüfstand

Kurz vor der Übernahme müssen Osram und AMS die strategische Aufstellung klären. Probleme macht allerdings ein Joint Venture mit Continental.
08.12.2019 - 16:09 Uhr Kommentieren
Nach der Übernahme folgt die Integration. Quelle: Osram
Infrarot-LEDs von Osram

Nach der Übernahme folgt die Integration.

(Foto: Osram)

München Als die Übernahmeschlacht entschieden war, wandte sich Osram-Chef Olaf Berlien in einer E-Mail an die Mitarbeiter. Der Lichtkonzern habe allen Grund, mit Selbstbewusstsein in den Zusammenschluss mit dem neuen österreichischen Mehrheitseigentümer AMS zu gehen.

„Osram ist eine weltweit starke Marke und technologisch sehr gut aufgestellt.“ Das Bündnis biete die Chance, die „laufende Transformation zu einem Hightech-Photonik-Champion“ noch schneller voranzutreiben. Das könne nur mit geeinten Kräften gelingen. „Lassen Sie uns dafür alle gemeinsam an einem Strang ziehen!“

Doch die großen Herausforderungen kommen jetzt erst. Es sei „eine Mammutaufgabe, zwei Unternehmen dieser Größenordnung mit rund 35.000 Mitarbeitern zusammenzuführen“, schrieb Berlien.

Spannend wird nach Einschätzung in Industriekreisen unter anderem die Frage, wie es mit dem Portfolio von Osram weitergeht. Anfangs habe AMS sehr klare Vorstellungen gehabt, heißt es in Industriekreisen.

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    Doch sei man nun bereit, gemeinsam mit Osram alles auf den Prüfstand zu stellen und zu diskutieren. Dabei könnte auch das Joint Venture von Osram und dem Autozulieferer Continental Thema sein, das zuletzt Probleme bereitete.

    Vollzug im Sommer

    Der Sensorikspezialist AMS hatte am Freitagabend verkündet, dass er mit seinem Vier-Milliarden-Euro-Übernahmeangebot die Mindestannahmeschwelle von 55 Prozent überschritten hat. Zwar stehen unter anderem noch kartellrechtliche Genehmigungen aus. Doch rechnen beide Seiten mit einem Vollzug der Übernahme im kommenden Sommer.

    Anfangs hatten sich Berlien und die Führung von Osram gegen die Übernahme durch die kleinere AMS gewehrt. Das änderte sich erst nach Abschluss einer Investorenvereinbarung, die unter anderem fusionsbedingte Kündigungen in Deutschland bis Ende 2022 ausschloss. Berlien habe es geschafft, auf Kooperation umzuschalten und für Investoren und Mitarbeiter viel herauszuholen, heißt es im Umfeld von AMS.

    Doch stehen auf längere Sicht weitreichende Entscheidungen über die Struktur des neuen, gemeinsamen Konzerns an. Gut zusammen passt vor allem die LED-Chipsparte OS Semiconductors von Osram mit den Sensorikaktivitäten von AMS.

    Anders sieht es bei der Digitalsparte der Münchener aus. Der Name klingt zwar zukunftsträchtig. Doch handelt es sich um ein defizitäres Sammelsurium. Ein großer Teil entfällt auf das traditionelle Geschäft mit elektronischen Vorschaltgeräten für Leuchten. Im Portfolio ist aber auch zum Beispiel die US-Firma Fluence, die sich als weltweit führender Anbieter von intelligentem Pflanzenlicht versteht. Dieses wird zum Beispiel bei der Aufzucht von Gemüse oder in den USA von Cannabis für medizinische Anwendungen verwendet.

    Der sogenannte Horticulture-Markt gilt als wachstumsstark. AMS hatte anfangs erklärt, sich von Digital teilweise oder ganz trennen zu wollen. In der jüngsten Angebotsunterlage hieß es dann, man sei bereit, diese Pläne gemeinsam mit Osram „zu überprüfen und zu bewerten“.

    Auch im Automotive-Bereich gibt es Diskussionsbedarf. Osram macht rund die Hälfte des Umsatzes mit Auto-Kunden und bekam die Branchenflaute zu spüren. Grundsätzlich gilt das Geschäft als durchaus attraktiv. Allerdings läuft es insbesondere beim Joint Venture mit Continental nicht rund. Das zeigt ein Blick in den Geschäftsbericht, den Osram am Freitag veröffentlichte.

    Joint Venture schwächelt

    Die Osram Continental GmbH ging am 2. Juli 2018 an den Start. Man wolle ein „neues Unternehmen schaffen, das die Zukunft automobilen Lichts neu denkt“, sagte CEO Dirk Linzmeier, als es losging. Das Gemeinschaftsunternehmen soll unter anderem intelligente Lichtmodule für Autos entwickeln, zum Beispiel Matrixscheinwerfer.

    Zum Start hatte das neue Unternehmen laut früheren Angaben 1.500 Mitarbeiter. Angepeilt wurde ein Umsatz im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Beide Konzerne sind mit 50 Prozent beteiligt, das Geschäft wird aber bei Osram voll konsolidiert.

    Im Geschäftsbericht von Osram heißt es, man sei „derzeit mit der Continental AG in Gesprächen für die Osram Continental GmbH“, deren Ergebnisse zuletzt hinter den Erwartungen zurückgeblieben seien. Aufgrund der „Unsicherheiten bezüglich Osram Continental“ könne das Margenziel für Automotive unter Umständen nicht erreicht werden.

    Der Start lief laut Geschäftsbericht zögerlicher als erwartet. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte Osram Continental 275 Millionen Euro Umsatz – bei Verlusten in fast derselben Höhe. Die Mittelfristplanung dieses „strategischen Assets“ habe aufgrund des schwierigen Automobilmarktumfelds und geringerer Profitabilität angepasst werden müssen. Es gebe „Unsicherheiten in der Geschäftsplanung hinsichtlich der Einschätzung der künftigen Entwicklung der Bezugspreise“. Osram nahm eine vollständige Abschreibung des Geschäfts- und Firmenwerts in Höhe von 171 Millionen Euro vor.

    Damit wird es spannend, wie es nun mit Osram Continental weitergeht. Osram wollte die Gespräche mit dem Partner in Hannover nicht kommentieren.

    Die Verhandlungen über die künftige Strategie sollen zwischen AMS und Osram nun schnell beginnen. Berlien lud die Österreicher am Freitag zu „Zukunftsgesprächen“ ein. „Nun gilt es, gemeinsam mit AMS einen Photonik- und Sensorikchampion von Weltrang auf den Weg zu bringen“, sagte er. Gemeinsam und im Dialog mit Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretern werde man „nun einen tragfähigen Integrationsfahrplan auf Augenhöhe“ vorbereiten. Das Osram-Management sehe in der Bündelung der gemeinsamen Stärken zahlreiche Chancen, „insbesondere mit Blick auf die Weiterentwicklung der Geschäftseinheit Opto Semiconductors“.

    Leicht wird die Integration nicht werden. AMS habe, heißt es in Industriekreisen, mit der Integration eines so großen Zukaufs noch keine Erfahrung.

    AMS-Chef Alexander Everke weiß das – und geht behutsam vor. „Es hängt viel von Everke ab“, heißt es in Industriekreisen. Es sei wichtig, dass der Manager in München nicht als unsensibler Eroberer auftrete. Hier habe es in den vergangenen Wochen zumindest positive Signale gegeben, dass er die Osram-Mannschaft mitnehmen wolle.

    Beim ersten Versuch noch gescheitert

    Everke selbst sagte: „Wir schätzen die Unterstützung seitens des Osram-Managements.“ Der Erfolg sei „auch ein Resultat des konstruktiven und positiven Verhältnisses, das wir aufgebaut haben“.

    Der deutsche Chef von AMS, der in München wohnt, hatte bei der Übernahme Hartnäckigkeit bewiesen. Im ersten Anlauf scheiterte AMS, weil die damals noch höhere Mindestannahmeschwelle von 62,5 Prozent nicht erreicht wurde.

    Doch AMS legte schnell nach. Die einjährige Sperre umging das Unternehmen, indem es für die neue Offerte eine neue Zweckgesellschaft gründete. Dabei boten die Österreicher zwar wie beim ersten Mal 41 Euro. Doch senkten sie die Mindestannahmeschwelle auf 55 Prozent. Allerdings war das Projekt in Gefahr, weil sich Hedgefonds fast die Hälfte der Anteile gesichert hatten. Sie hoffen wohl auf eine höhere Abfindung, wenn AMS einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag abschließen oder Osram komplett übernehmen will.

    Auf einer Roadshow nach London und New York versuchte Everke, die Hedgefonds davon zu überzeugen, zumindest einen Teil ihrer Aktien zu tendern. „Die Übernahme stand absolut auf des Messers Schneide“, sagte ein Insider.

    Wie viele Anteile sich AMS genau gesichert hat, wird voraussichtlich erst am Montagabend bekanntgegeben. Doch ist die 55-Prozent-Marke überschritten.

    Nach der zählen Schlacht ist nun erst einmal Harmonie angesagt. Osram-Chef Berlien hatte lange eine Übernahme durch Finanzinvestoren bevorzugt und Widerstand gegen den Angreifer aus Österreich gezeigt. Doch nach den Zusagen von AMS will er laut früheren Aussagen an Bord bleiben und den gemeinsamen Konzern mitbauen. Sein Gegenüber Everke muss nun erst einmal die eigenen Aktionäre im Januar auf einer außerordentlichen Hauptversammlung von der geplanten Kapitalerhöhung überzeugen.

    Mehr: Die Vorbehalte gegenüber dem kleineren Bieter aus Österreich waren bei Osram groß. Doch ein Zusammenschluss könnte beiden Seiten helfen, kommentiert Handelsblatt-Autor Axel Höpner.

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