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Lichtkonzern Osram-Vorstand empfiehlt Aktionären neues AMS-Angebot

Der Osram-Vorstand rät seinen Aktionären nun doch, die Offerte von 41 Euro anzunehmen. Die Österreicher geben neue Garantien für Beschäftigung und Standorte.
Update: 12.11.2019 - 08:11 Uhr Kommentieren
Osram empfiehlt neues AMS-Angebot – Keine Kündigungen vorerst  Quelle: Reuters
Osram-Sitz in München

Der Übernahmepoker läuft seit Monaten.

(Foto: Reuters)

München Lange hatte sich der Osram-Vorstand gegen eine Übernahme durch die österreichische AMS gewehrt. Nun empfiehlt der Osram-Vorstand seinen Aktionären, die neue Offerte über 41 Euro je Aktie anzunehmen.

Mitarbeiter sollen im Zuge einer neuen Zusammenschlussvereinbarung bis 2022 vor fusionsbedingten Kündigungen geschützt werden. Die frühere Siemens-Vorständin Brigitte Ederer soll als unabhängiger Monitor über die Vereinbarung wachen.

Mitten im Übernahmekampf legte Osram auch die Jahreszahlen vor. Der Umsatz brach im Geschäftsjahr 2018/19 vor allem wegen der Schwäche in der Autoindustrie um mehr als 13 Prozent auf knapp 3,5 Milliarden Euro ein, am Ende stand ein Verlust von 343 Millionen Euro. Das bereinigte operative Ergebnis halbierte sich auf 307 Millionen Euro.

Vorstandschef Olaf Berlien betonte aber, dass die eingeleiteten Effizienzprogramme zunehmend greifen würden. Für das laufende Geschäftsjahr hofft er auf eine „nahezu stabile Umsatz- und Ergebnisentwicklung“. In Industriekreisen wird damit gerechnet, dass die Übernahme durch AMS diesmal gelingen könnte, weil die Mindestannahmeschwelle auf 55 Prozent gesenkt wurde.

Osram-Chef Berlien hatte ursprünglich auf einen Kauf durch Finanzinvestoren gehofft. Diese hatten zugesagt, an Strategie und Management festhalten zu wollen. Die jüngsten Geschäftszahlen erklärten, warum es AMS als dem deutlich kleineren Unternehmen gelingen könnte, die größere Osram zu übernehmen. Der Sensorikspezialist ist derzeit deutlich dynamischer unterwegs.

Im dritten Quartal stiegen die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr um 41 Prozent auf 645 Millionen Dollar. Bei Osram dagegen sanken die Erlöse im selben Zeitraum um neun Prozent auf 924 Millionen Euro. War Osram im vergangenen Jahr noch fast dreimal so groß wie die Österreicher, nähern sich die Geschäfte nun also an.

Ähnlich sieht es bei der Ertragskraft aus. AMS steigerte das bereinigte operative Ergebnis im Quartal von 58 auf 188 Millionen Dollar. Das Nettoergebnis verbesserte sich von 18 auf 158 Millionen Dollar. Bei Osram sank das bereinigte operative Ergebnis im Quartal von 151 auf 86 Millionen Euro. Die Marge lag bei 9,3 Prozent.

Nach Steuern machte Osram im vierten Quartal wegen Sonderbelastungen einen Verlust von 213 Millionen Euro. Im laufenden Geschäftsjahr erwartet Berlien eine Entwicklung des Umsatzes zwischen minus und plus drei Prozent. Die bereinigte Marge soll zwischen neun und elf Prozent liegen.

Eigentlich wollte Vorstandschef Berlien an diesem Tag auf einer großen Pressekonferenz die neue Unternehmensstrategie „#new Osram-Plan“ vorstellen. Diese sieht nach Informationen des Handelsblatts einerseits vor, eine Reihe von operativen Baustellen anzugehen. Zudem soll das Portfolio geschärft werden.

Doch wegen der laufenden Übernahme ließ er das Papier in der Schublade und wollte nur auf einer Telefonpressekonferenz die Zahlen vorstellen. Die Österreicher hätten es als Affront werten können, so Industriekreise, wenn Osram kurz vor der wahrscheinlichen Übernahme eigene Strategiepläne verkündet hätte.

Hochleistungs-Sensorlösungen für Handyhersteller

AMS ist mit seinen 9000 Mitarbeitern der weltweit führende Hersteller und Entwickler von Hochleistungs-Sensorlösungen für Handyhersteller wie Apple, die Autobranche oder die Medizintechnik. Der Konzern erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,4 Milliarden Euro und ein Nettoergebnis von 93 Millionen Euro.

Mit der Übernahme von Osram will AMS die Abhängigkeit vom Großkunden Apple verringern und gemeinsam mit den Münchnern neue Photonik-Anwendungen entwickeln. Führung und Arbeitnehmervertretungen von Osram hatten sich anfangs heftig gegen die Übernahme gewehrt. Sie fürchteten eine hohe Verschuldung des neuen Konzerns und einen massiven Stellenabbau.

Nach Informationen der Gewerkschaft IG Metall will Osram in Deutschland jeden siebten Arbeitsplatz streichen. Das wären 800 von 5600 Stellen, wie die IG Metall am Dienstag mitteilte. „Außerdem sollen wichtige Zukunftsinvestitionen wegfallen, der Bereich Innovation soll drastisch verkleinert werden.“

Vorstandschef Olaf Berlien wollte sich zu der Zahl nicht äußern. Er verwies aber darauf, dass der Konzern auf die geringere Nachfrage nach Halogen-Licht reagieren müsse. Der Stellenabbau werde im Geschäftsjahr 2019/20 (per Ende September) weitergehen.

Vorstand und Aufsichtsrat von Osram nannte dennoch das Angebot von AMS attraktiv. Es gebe zudem eine „gesicherte Brückenfinanzierung“ durch UBS, HSBC und die Bank of America. Mindestens 50 Prozent der Zentralfunktionen sollen in einer Co-Zentrale in München angesiedelt werden. Die Produktionsstandorte in Deutschland sollen gesichert werden, dazu verpflichtet sich AMS in einem „Eckpunktepapier Zukunftskonzept Deutschland“.

Die Integration soll durch ein gemeinsames Team von Osram und AMS geführt werden. „Das Business Combination Agreement sichert den Fortbestand von Osram als Gesellschaft und Marke und unterstützt die Osram-Strategie“, hieß es zudem.

Der um den Lichtkonzern buhlende österreichische Chiphersteller zeigt sich nach der Einigung mit dem Osram-Management zuversichtlich, beim zweiten Anlauf für eine Übernahme erfolgreich zu sein. AMS „schätze es sehr, das der Vorstand und Aufsichtsrat von Osram unser Angebot zur Annahme empfehlen“, sagte AMS-Chef Alexander Everke am Dienstag. Jenen Osram-Aktionären, die dies noch nicht getan haben, legten die Österreicher nahe, ihre Aktien im Rahmen des Angebots einzureichen.

Mehr: Die Arbeitnehmervertreter von Osram sind vor das Oberlandesgericht Frankfurt gezogen. Dort haben sie Beschwerde gegen die Bafin eingelegt, die die Offerte zugelassen hatte.

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