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Lichttechnik Rolle rückwärts – AMS liebäugelt wieder mit Osram-Deal

Das Verwirrspiel des Chipkonzerns beim Thema Osram geht weiter. Analysten bewerten den ökonomischen Sinn des Vorhabens skeptisch.
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Der Übernahmekampf um den Lichtkonzern geht womöglich in eine neue Runde. Quelle: OSRAM
Osram-Straßenbeleuchtung

Der Übernahmekampf um den Lichtkonzern geht womöglich in eine neue Runde.

(Foto: OSRAM)

München Geschäftlich läuft es derzeit gut beim österreichischen Halbleiterkonzern AMS. Im zweiten Quartal waren die Ergebnisse besser als viele Analysten erwartet hatten. So gestärkt wagt AMS-Chef Alexander Everke erneut die Rolle rückwärts: Die Österreicher erwägen nun doch wieder eine milliardenschwere Übernahme des mehr als doppelt so großen deutschen Lichtkonzerns Osram.

Damit könnte AMS in einen Bieterwettkampf mit Bain und Carlyle eintreten. Die Finanzinvestoren hatten ein verbindliches Übernahmeangebot vorgelegt. Sie bieten – mit dem Segen des Osram-Managements und des Aufsichtsrats – 35 Euro je Aktie. Das entspricht einem Gebot von 3,4 Milliarden Euro. Laut Finanzkreisen sind Bain und Carlyle weiter zuversichtlich, dass die acht Monate lang vorbereitete Akquisition gelingt.

Allerdings ist da noch das Störfeuer von AMS. Vor gut einer Woche hatte Osram mitgeteilt, dass die Österreicher ein unverbindliches, vorläufiges Angebot über 38,50 Euro je Aktie vorgelegt hätten. Das Unternehmen wolle sich zunächst 4,2 Milliarden Euro von Banken leihen und plane später eine Kapitalerhöhung mit einem Volumen von 1,5 Milliarden Euro, um die Übernahme zu refinanzieren, hieß es.

Doch nur wenige Stunden später zog AMS mitten in der Nacht das Angebot zurück. Der Konzern sehe nach einer Evaluierung „keine ausreichende Basis“ für eine Fortsetzung der Gespräche, hieß es in einer Mitteilung. In Industriekreisen waren zuvor massive Zweifel geäußert worden, ob die relativ hoch verschuldete AMS die Übernahme stemmen könnte.

Bei Vorlage der Halbjahreszahlen gab es nun die erneute Kehrtwende. Man habe sich entschieden, „eine mögliche Transaktion mit Osram Licht AG weiter zu prüfen“, hieß es in einer Mitteilung. AMS sei „kürzlich von möglichen finanziellen Partnern angesprochen“ worden. Man habe mit diesen Ansichten ausgetauscht, die die Auffassung der AMS bestätigten, dass diese „eine umsichtig strukturierte Finanzierungszusage für eine derartige potenzielle Transaktion arrangieren kann“. Die Übernahme also, soll das wohl heißen, wäre durchaus finanzierbar und ist damit noch nicht vom Tisch.

Begrenztes Wachstum

In Industrie- und Finanzkreisen wird die Seriosität des Vorstoßes weiter in Zweifel gezogen. „Wir halten das für höchst fragwürdig“, meinte ein Insider. Es bestehe der Verdacht, dass AMS nur Sand ins Getriebe streuen wolle oder Angst habe, später selbst von Osram übernommen zu werden, wenn das Unternehmen durch Bain und Carlyle für Akquisitionen gestärkt sein sollte. Selbst die finanzstarken Investoren hätten von den Banken nur 30 Prozent des Deals fremdfinanziert bekommen. Da sei es schwer vorstellbar, wie AMS die Finanzierung stemmen wolle.

Auch Analysten stellten der Unternehmensführung bei Vorlage der Quartalszahlen kritische Fragen zur möglichen Übernahme. „Wir sehen die Entwicklung nicht positiv“, schrieben die Analysten von Liberum. Die Nettoverschuldung sei bereits hoch. Die Kosten- und Wachstumssynergien seien begrenzt.

Ende Juni hatte das Unternehmen nach Angaben des Finanzchefs Michael Wachsler-Markowitsch knapp 1,6 Milliarden Dollar langfristige Kredite in den Büchern stehen, offene Rechnungen und andere kurzfristige Verbindlichkeiten nicht eingerechnet.

Auch Mirabaud-Analyst Neil Campling gab sich skeptisch, was die Sinnhaftigkeit einer Übernahme von Osram angeht: Dazu müsse AMS alles herauslösen oder verkaufen, was bei Osram nichts mit Chips zu tun habe – das sei etwa die Hälfte des Geschäfts.

Immerhin machte AMS zuletzt operativ spürbare Fortschritte. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um acht Prozent und gegenüber dem Vorjahreszeitraum sogar um 72 Prozent auf 241,6 Millionen Dollar. Der Nettogewinn betrug 25 Millionen Dollar nach einem Verlust im Vorjahreszeitraum. Auch für das laufende Quartal zeigte sich AMS optimistisch.

Doch in Sachen Osram hielt sich die AMS-Führung bedeckt. „Wenn das unsere Kriterien erfüllt, werden wir das verfolgen“, sagte Wachsler-Markowitsch bei der Telefonschalte mit Analysten. Hauptkriterien sind demnach zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten für AMS und die Vergrößerung des Produktportfolios.

Mindestannahmeschwelle von 70 Prozent

Die Österreicher sind in einigen Bereichen direkter Konkurrent von Osram, etwa bei optischen Sensoren. Wer die potenziellen Geldgeber für eine feindliche Osram-Übernahme sein könnten, machte AMS nicht öffentlich. Bei der Produktentwicklung kooperiert AMS mit mehreren chinesischen Firmen. Es galt einst selbst als potenzieller Übernahmekandidat für einen Käufer aus der Volksrepublik.

Bain und Carlyle hatten ihre Angebotsunterlagen nach Genehmigung durch die Finanzaufsicht Bafin am Montag veröffentlicht. Das Angebot von 35 Euro nannten sie „äußerst attraktiv“ und eine „einzigartige Gelegenheit für Osram-Aktionäre, unmittelbar eine maximale und sichere Wertsteigerung“ zu erzielen.

Das Angebot entspreche einer Prämie von 27,7 Prozent auf den volumengewichteten durchschnittlichen Börsenkurs des letzten Monats vor dem 3. Juli 2019 – an diesem Tag hatte Osram das verbindliche Angebot bestätigt. Die Annahmefrist für die Aktionäre endet am 5. September.

Die Finanzinvestoren stellten klar, dass sie nicht von der Mindestannahmeschwelle von 70 Prozent abrücken wollen. Die Finanzierungsstruktur erlaube „keinerlei Flexibilität“, die Schwelle „zu senken oder gar darauf zu verzichten“. Die Investoren gehen davon aus, dass der Aktienkurs von Osram im Falle eines gescheiterten Angebots deutlich absinken könnte.

Am Dienstag stieg der Osram-Kurs angesichts des erneuten AMS-Interesses zwar um gut drei Prozent auf 34 Euro. Er liegt aber deutlich unter den 38,50 Euro, die AMS ursprünglich als mögliche Offerte genannt hatte. Ob die neue Offerte ähnlich hoch liegen würde, ließ AMS offen.

Das Unternehmen ist an der Börse 3,4 Milliarden Euro wert, etwas mehr als Osram (3,2 Milliarden). Am Dienstag stieg die AMS-Aktie um 8,7 Prozent auf 43,90 Euro.

In Industriekreisen wird damit gerechnet, dass AMS in Sachen Osram in den kommenden Wochen weiter aktiv sein dürfte: „Das Sommertheater ist gesichert.“ Allerdings müssten die Österreicher irgendwann Farbe bekennen und ihre konkreten Pläne offenlegen.

Mehr: Finanzinvestoren wollen Osram von der Börse nehmen – Warum immer mehr Firmen das Parkett verlassen

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