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Lieferketten-ProblemeRoboter-Hersteller rechnen mit Schub bei der Automatisierung

Viele Hersteller würden Teile der Produktion in die Heimatmärkte zurückholen, erwartet der neue ABB-Robotik-Chef. Wegen fehlender Fachkräfte bräuchten sie dafür Roboter.Axel Höpner 15.03.2022 - 12:59 Uhr Artikel anhören

Die Roboter von ABB führen viele Fertigungsschritte selbständig aus. Der Konzern will nun auch in das Geschäft mit Cobots einsteigen, die mit menschlichen Mitarbeitern zusammenarbeiten.

Foto: ABB

München. Schon die Coronapandemie hat gezeigt, wie fragil die Lieferketten in der Industrie sind. Durch den Ukrainekrieg sind viele Lieferwege nun vollständig abgeschnitten, in der Folge stehen zum Beispiel die Werke vieler Autohersteller still. Das wird nach Einschätzung der Robotik-Industrie die Nachfrage nach Automatisierung in den kommenden Jahren weiter antreiben.

„Es gibt schon länger den Trend, Produktion zum Beispiel teilweise nach Europa zurückzuholen“, sagte Marc Segura, der seit Kurzem die Robotik-Sparte von ABB führt, dem Handelsblatt. „Dieser Effekt wird sich weiter verstärken.“

Die Kunden wünschen sich zudem nachhaltigere Produkte, Unternehmen werden künftig wohl immer näher an den Märkten produzieren müssen. „Viele akzeptieren nicht mehr, dass ein Produkt um die halbe Welt transportiert wird“, sagte Segura. Wegen des Fachkräftemangels sei das sogenannte Reshoring aber nur möglich, wenn die Fertigung stark automatisiert werde.

Schon für das vergangene Jahr rechnete der Branchenverband IFR zuletzt mit einem neuen Rekordabsatz von 435.000 verkauften Robotern. 2024 will die Branche dann erstmals mehr als eine halbe Million Neugeräte installieren.

Auch IFR-Generalsekretärin Susanne Bieller erwartet aufgrund der globalen Verwerfungen einen Schub für die Branche. Die Lieferkettenprobleme durch die Pandemie seien für viele Unternehmer nun der entscheidende Auslöser gewesen, der Investitionen in Robotik rechtfertige.

Der neue Chef der ABB-Robotiksparte will das Segment in den nächsten Jahren zu zweistelligem Wachstum führen.

Foto: ABB

Die Branche rechnet laut IFR für die nächsten Jahre mit Wachstumsraten von mindestens sieben bis acht Prozent im Jahr. Segura ist noch etwas optimistischer. „Viel spricht sogar für Zuwächse im niedrigen zweistelligen Bereich.“ ABB wolle dabei Marktanteile gewinnen und bei Technologie und Kundenzufriedenheit Marktführer werden.

Schon im vergangenen Jahr hatte die ABB-Sparte Robotik und Fertigungsautomatisierung von der guten Branchenlage profitiert. Der Schweizer Konzern setzte mit 3,3 Milliarden Dollar vergleichbar neun Prozent mehr um als im Vorjahr. Der Auftragseingang stieg sogar um 29 Prozent auf 3,8 Milliarden Dollar.

ABB ist die weltweite Nummer zwei der klassischen Anbieter von schweren Industrierobotern, zum Beispiel für das Schweißen in der Autobranche. Doch der Konzern versucht seit einiger Zeit, auch die neuen Wachstumsbereiche in der Robotik zu erschließen.

Cobots: ABB steigt stärker in den Markt mit „Roboter-Kollegen“ ein

Dazu brachten die Schweizer im vergangenen Jahr eine neue Modellfamilie im Segment der kleinen, kollaborierenden Roboter auf den Markt. ABB will bald eine führende Rolle beim Verkauf sogenannter Cobots einnehmen. Aktuell dominiert Branchenpionier Universal Robots den Bereich.

Der Markt für kollaborierende Roboter ist zwar später angesprungen, als in der Anfangseuphorie erwartet wurde. Doch die Cobots sind die große Wachstumshoffnung der Robotikindustrie.

Die Branche sei auf dem Weg zu Milliardenumsätzen, sagte der CEO von Universal Robots, Kim Povlsen, dem Handelsblatt. „Es gibt das Potenzial für etwa neun Millionen Cobots.“

ABB will zudem in das Geschäft mit autonomen Transportrobotern einsteigen. Dazu übernahm der Konzern im vergangenen Jahr Asti Mobile Robotics. Das Unternehmen verfügt nach eigenen Angaben über die größte Flotte autonomer mobiler Roboter in Europa.

Robotikindustrie erwartet großes Wachstum durch die Mobilitätswende

In den vergangenen Jahren war immer wieder spekuliert worden, dass sich ABB von der nicht sonderlich ertragsstarken Robotiksparte trennen könnte. Doch zuletzt konnte die Division die Profitabilität deutlich verbessern. Die Marge stieg im vergangenen Jahr auf 10,8 Prozent, das operative Ergebnis um 50 Prozent auf 355 Millionen Dollar.

Ob die Sparte damit auf Dauer Teil des Kerngeschäfts bleiben wird? „Es ist eine gute Zeit, um in der Robotik-Industrie zu sein“, sagte Segura dazu lediglich. Viele Branchen gewinne man erst jetzt für die Robotik.

Doch auch beim wichtigsten Abnehmer von Industrierobotern – der Autoindustrie – sieht der Spanier zusätzliches Potenzial. Bislang sei es beim Einsatz von Industrierobotern vor allem um die Skalierung der Produktion bei hoher Qualität gegangen. „In Zukunft wird vor allem die Flexibilität der Fertigung entscheidend sein.“

Auch für die Logistikbranche stellt ABB Roboter her.

Foto: ABB

So werde es noch lange Verbrenner- und Elektroautos nebeneinander geben. Das mache die Produktion teuer. Zudem wandle sich das Auto in Richtung Konsumprodukt. „Die Modellzyklen werden viel kürzer.“ Die Hersteller müssten ihre Linien immer häufiger umstellen – dafür sei intelligente Automatisierung notwendig.

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Für diese neue Produktionsrealität hat ABB gerade zwei neue Roboter-Modelle auf den Markt gebracht. Der IRB 5710 und der IRB 5720 sollen zum Beispiel bei der Fertigung von Batterien für Elektroautos eingesetzt werden. Sie haben eine Traglast von 70 bis 180 Kilogramm und sollen besonders flexibel sein.

Denn schließlich werden auch neue Player in der Branche erwartet wie zuletzt der Elektroauto-Pionier Tesla. Technologieunternehmen wie Google und Amazon könnten zu etablierten Herstellern wie Volkswagen und BMW in den Markt eintreten. Sie müssten ihre Produktion erstmalig aufbauen und dabei wohl auf einen hohen Automatisierungsgrad setzen – ein großer neuer Markt für die Robotikindustrie.

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