Linde-Spartenverkauf Gasekonzern Messer verdoppelt das Geschäft

Der Familienkonzern übernimmt große Teile der Gaseaktivitäten von Linde in den USA. Messer steigt damit zum globalen Anbieter auf.
Update: 16.07.2018 - 17:05 Uhr Kommentieren
Der Dax-Konzern und der US-Fusionspartner Praxair wollen die Bedenken der Wettbewerbshüter gegen ihre geplante Mega-Fusion zum weltgrößten Hersteller von Industriegasen wie Sauerstoff und Helium ausräumen. Quelle: Reuters
Linde

Der Dax-Konzern und der US-Fusionspartner Praxair wollen die Bedenken der Wettbewerbshüter gegen ihre geplante Mega-Fusion zum weltgrößten Hersteller von Industriegasen wie Sauerstoff und Helium ausräumen.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDen Markt für Industriegase teilen sich schon lange wenige große Konzerne. Vor allem Air Liquide, Linde und Praxair sowie Air Products dominieren das Geschäft. Doch nun setzt der deutsche Mittelständler Messer zum gewaltigen Sprung nach vorne an: Der größte privat geführte Industriegasespezialist übernimmt einen Großteil der Aktivitäten von Linde in den USA sowie weitere Standorte in Südamerika. „Wir wollen ein Global Player werden“, sagte Stefan Messer, Eigentümer und Vorstandschef, dem Handelsblatt.

Linde muss sich – im Zuge der geplanten Fusion mit Praxair zum neuen Weltmarktführer – auf Druck der Wettbewerbshüter von den Aktivitäten trennen. Messer hatte sich im Bieterwettkampf mit dem Finanzinvestor CVC verbündet. Das Zweier-Konsortium zahlt umgerechnet etwa 2,8 Milliarden Euro für Aktivitäten mit einem operativen Gewinn (Ebitda) von zuletzt etwa 305 Millionen Euro und einem Umsatz von insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro.

Für Messer bedeutet das den Sprung in eine neue Größenordnung. Im vergangenen Jahr war der Umsatz um gut sieben Prozent auf gut 1,2 Milliarden Euro gestiegen. Der Zukauf bedeutet zugleich die Rückkehr auf den US-Markt. Der Mittelständler hatte sich 2004 im Rahmen einer Restrukturierung aus der Region zurückgezogen und die Aktivitäten an Air Liquide verkauft.

Linde und Praxair haben damit kurz hintereinander die zwei wichtigsten Hürden für ihre Fusion aus dem Weg geräumt. Zuvor hatte Praxair den Verkauf von großen Teilen seines Europageschäfts an den Konkurrenten Taiyo Nippon Sanso Corporation verkündet. Die Japaner zahlen fünf Milliarden Euro für Aktivitäten mit einem Umsatz von 1,3 Milliarden Euro und einem operativen Gewinn von etwa 400 Millionen Euro.

Damit zahlt Messer deutlich niedrigere Multiples als die Japaner, nämlich zum Beispiel nur in etwa den doppelten Umsatz statt den fast vierfachen. In Industriekreisen wird darauf verwiesen, dass die Fälle nur bedingt vergleichbar seien. Messer erwerbe zum Beispiel eine Reihe von Einzelstandorten und Anlagen. Der Zukauf sei so stark fragmentiert, Skaleneffekte seien nicht so einfach nutzbar. Praxair verkaufe dagegen ein in einem Unternehmen gebündeltes Geschäft mit zum Beispiel einem Zylindergeschäft und einem Leitungsnetz. Zudem sei das europäische Geschäft margenstark.

Messer und CVC gründen ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Namen MG Industries, in das Messer seine operativen westeuropäischen Gesellschaften einbringt. „Das ist eine großartige Gelegenheit, einen neuen globalen Akteur im attraktiven Industriegasesektor zu schaffen“, sagte Alexander Dibelius, CVC-Chef im deutschsprachigen Raum.

Laut Messer bringt CVC Eigenkapital ein, der Deal wird aber zu zwei Dritteln fremdfinanziert. „Die Finanzierung ist gesichert“, betonte Messer. Die Schulden sollten schnell aus dem laufenden Geschäft zurückgeführt werden, dabei sei auch der Verkauf kleinerer Vermögensteile möglich. Ein Börsengang oder die Aufnahme externer Gesellschafter sei bei Messer nicht geplant. „Die Messer Group bleibt unabhängig.“

Beide Partner halten 50 Prozent der Stimmrechte an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen, das nicht bei Messer konsolidiert wird. Messer will aber nach drei bis vier Jahren die Anteile von CVC übernehmen und das Geschäft integrieren. „Das ist eine große Herausforderung“, sagte Messer. Firmenchef Messer ist überzeugt davon, dass die Expansion nach Amerika trotz des Handelsstreits mit den USA und der schwierigeren Lage in Südamerika der richtige Schritt ist. „Das war für uns eine einmalige Gelegenheit, die nicht wiederkommt.“

Der Mittelständler wird nun mit der Integration des neuen Geschäfts beschäftigt sein. Allerdings betonte Messer, dass er auch mit dem übrigen Geschäft weiter wachsen wolle. „Wir wollen zum Beispiel das Asiengeschäft weiterentwickeln.“ In fünf bis sechs Jahren solle es so groß sein wie die nun erworbenen Amerika-Aktivitäten. Vor einem möglichen Konjunktureinbruch ist ihm nicht bange. „Das Gasegeschäft hat sich über mehrere Dekaden hinweg als sehr stabil erwiesen.“

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