Lkw-Kartell Aktionäre fordern Aufklärung von Daimler

Wegen Preisabsprachen unter Lkw-Herstellern verhängte die EU-Kommission gegen Daimler eine Strafzahlung von einer Milliarde Euro. Ein Aktionärsverband will, dass Vorstände und Manager zur Rechenschaft gezogen werden.
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Als Marktführer wurde der Fahrzeughersteller mit der höchsten Strafe im Kartell-Skandal versehen. Quelle: Reuters
Daimler

Als Marktführer wurde der Fahrzeughersteller mit der höchsten Strafe im Kartell-Skandal versehen.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDer Aktionärsverband DSW hat Daimler wegen der Milliardenstrafe im Lkw-Kartell zur erneuten Prüfung von Schadensersatzansprüchen gegen verantwortliche Manager aufgefordert. Der Aufsichtsrat habe sich schon bei Bekanntwerden der Strafe im Juli und damit schon frühzeitig festgelegt, ehemalige oder amtierende Vorstände und Manager auf Schadensersatz zu verklagen, erklärte die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Mittwoch.

Die DSW werde dem Aufsichtsrat auf der Hauptversammlung am 29. März in Berlin deshalb die Entlastung verweigern. Es sei nicht hinnehmbar, dass allein die Aktionäre die Kartellstrafe und mögliche Schäden durch Kundenklagen zu tragen hätten, erklärte DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler.

Ein Sprecher von Daimler verwies auf die bisherige Position des Unternehmens, wonach der Aufsichtsrat nach eingehender Prüfung keinen Anlass sehe, Haftungsansprüche geltend zu machen. Zum Gegenantrag der DSW werde Daimler noch vor der Hauptversammlung Stellung nehmen.

Die EU-Kommission hatte 2016 gegen die vier europäischen Lkw-Hersteller Daimler, Volvo, Iveco und DAF wegen Preisabsprachen eine Rekordstrafe von fast drei Milliarden Euro verhängt. Auf Daimler als Marktführer entfiel mit etwa einer Milliarde Euro der größte Teil. Der VW-Tochter MAN wurde die Strafe nach der Kronzeugenregelung erlassen, weil sie das Kartell verriet.

Die Zeit ist reif für einen Elektro-Lkw – zumindest ein bisschen
Maue Aussichten beim Lkw
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Elektroautos sollen die Basis für den Verkehr der Zukunft bilden – so viel ist klar. Ob der Strom dabei aus einer Batterie oder einer Brennstoffzelle kommt, ist zweitrangig. Hauptsache CO2-neutral. Das Problem: Autos stehen nur für einen Teil des Straßenverkehrs. Während bereits einige wenige Elektro-Motorräder und -Roller unterwegs sind, sieht es an einer anderen Front bislang eher mau aus: bei den Lkw.

Mercedes-Benz eTruck
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Mit dem Elektro-Lastwagen zeigte Daimler im Vorfeld der Nutzfahrzeug-IAA, wie man sich einen Elektro-Truck vorstellt – und das in einer seriennahen Form.

Bahn frei für die Elektrifizierung
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„Bislang war der Einsatz von Elektroantrieben im Lkw extrem limitiert. Mittlerweile entwickeln sich Kosten, Leistung und Ladedauer so rasant weiter, dass wir für den Verteilerverkehr jetzt eine Trendwende sehen: Die Zeit ist reif für den Elektro-Lkw“, sagt Daimler-Truck-Vorstand Wolfgang Bernhard. „Mit dem Mercedes-Benz Urban eTruck elektrifizieren wir jetzt den schweren Verteilerverkehr bis 26 Tonnen.“ Zwischenstufen wie Plug-in-Hybride will Bernhard aber auslassen – der Markt für Nutzfahrzeuge unterteile sich klar in die beiden Bereiche Fernverkehr und Verteilerverkehr – für den einen den Diesel, für den anderen der Elektro-Truck. Mischformen wie bei den Pkw-Kollegen gebe es laut Bernhard kaum.

Der Diesel bleibt
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Das Stichwort ist hier Verteilerverkehr: Die Langstrecken-Trucks auf der Autobahn werden also vorerst weiterhin mit Diesel fahren. Hier reichen die Batterien noch nicht aus. Der Urban eTruck bietet bei einer mit dem Diesel vergleichbaren Nutzlast eine Reichweite von bis zu 200 Kilometern bei voller Nutzlast – was laut Daimler für den innerstädtischen Transport ausreicht. „In Städten können Elektro-Lkw in naher Zukunft Realität werden“, sagt Bernhard.

Gegen Dreck und Lärm
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Die Herausforderung: Weltweit ziehen immer mehr Menschen in die Stadt, bis 2050 werden laut der UN 70 Prozent der Weltbevölkerung in Großstädten leben – und müssen entsprechend mit Gütern versorgt werden. Zugleich werden aber die Grenzwerte für Luftqualität und Lärmpegel immer strenger, die Einfahrrestriktionen immer größer. „Metropolen wie London oder Paris erwägen inzwischen, künftig Verbrennungsmotoren aus den Stadtzentren zu verbannen“, so Bernhard. „Das bedeutet: in Zukunft werden dort vollelektrische Lkw die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln oder anderen Gütern des täglichen Bedarfs sicherstellen.“ Oder wie Stefan Buchner, Leiter Mercedes-Benz Trucks hinzufügt: „Dann ist nicht nur der Apfel im Supermarkt bio, sondern auch der Transport dahin.“

Neue Batteriezellen als Durchbruch
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Bis vor Kurzem waren vollelektrische Lastkraftwagen beinahe undenkbar: Die Batterien waren zu groß und zu teuer, die Reichweite viel zu gering. Möglich wird der Elektro-Lkw jetzt durch bessere Batteriezellen: Daimler Trucks erwartet, dass die Kosten für die Batterien eines vollelektrischen Lkw von 1997 bis 2025 um den Faktor 2,5 sinken werden – von 500 Euro/kWh auf 200 Euro/kWh. Gleichzeitig steigt die Leistung in diesem Zeitraum um den gleichen Faktor von 80 Wh/kg auf 200 Wh/kg.

Neuer Antrieb, neue Achse
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Basis für den Urban eTruck bildet ein schwerer dreiachsiger Verteiler-Lkw von Mercedes. Bei der Karosserie ist der eTruck kaum von einem Diesel-Lkw zu unterscheiden – wenn der Aufbau montiert ist. Denn ohne die Transportbox wird das neue Antriebskonzept sichtbar. An die Stelle des konventionellen Antriebsstrangs tritt eine elektrisch angetriebene Hinterachse mit Elektromotoren unmittelbar neben den Radnaben. Die neue Achse wurde abgeleitet aus der E-Achse des Mercedes-Benz Citaro Hybrid Busses.

Das Kartell bestand der EU zufolge von 1997 bis zur ersten Razzia der EU 2011. Bis 2004 hätten sich Mitglieder „der höchsten Führungsebene“ am Rande von Messen oder Konferenzen abgesprochen. Im gesamten Zeitraum hatte die Lkw-Sparte Daimler Trucks vier Chefs, darunter für kurze Zeit Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche und den als Nutzfahrzeugchef zu VW gewechselten Andreas Renschler.

Die DSW kündigte an, auf der Hauptversammlung eine unabhängige Sonderprüfung zu beantragen. Sollte diese abgelehnt werden, könnten die Aktionärsschützer vor Gericht ziehen. Bei der Deutschen Bank hatte die DSW eine solche Untersuchung wegen mangelnden Risikomanagements durchgesetzt.

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