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Lkw-Sparte von Volkswagen Personalwechsel bei Traton: Neue Köpfe für alte Probleme

Andreas Renschler verlässt die VW-Tochter, auch MAN-Chef Drees muss gehen. Die Führungsspitze wechselt – die Baustellen des Lastwagenkonzerns bleiben.
08.07.2020 - 19:12 Uhr Kommentieren
Das Nutzfahrzeugkonglomerat unter dem Dach der Konzernmutter Volkswagen bleibt bisher hinter den Erwartungen zurück. Das liegt auch an Integrationsschwierigkeiten. Quelle: Reuters
Logo von Traton

Das Nutzfahrzeugkonglomerat unter dem Dach der Konzernmutter Volkswagen bleibt bisher hinter den Erwartungen zurück. Das liegt auch an Integrationsschwierigkeiten.

(Foto: Reuters)

München, Frankfurt Am Ende blickt Andreas Renschler „verdammt stolz“ auf das Geleistete. Aus den drei Unternehmen MAN, der VW-Lastwagentochter in Brasilien und Scania sei die Traton SE geworden, ein schlagkräftiger, börsennotierter Konzern. „Was wir als Team erreicht haben, ist außergewöhnlich“, schrieb der 62-jährige am Mittwoch an die 83.000 Traton-Beschäftigten.

Stunden zuvor hatte der Aufsichtsrat unter Führung von Hans Dieter Pötsch die Trennung von Andreas Renschler mit Wirkung zum 15.Juli beschlossen. Auch MAN-Chef Joachim Drees muss gehen. Die beiden ehemaligen Daimler-Manager werden umgehend ersetzt.

Matthias Gründler, bis 2018 Finanzvorstand bei Traton, übernimmt Renschlers Posten. Neuer MAN-Chef wird Andreas Tostmann, bislang Produktionsvorstand bei der Marke Volkswagen. Und noch eine Personalie überraschte die Beschäftigten: Thomas Sedran, Leiter der VW-Tochter Nutzfahrzeuge, wird von Carsten Indra abgelöst, bislang Personalvorstand bei Traton und MAN.

Der überraschende Personalwechsel ist das Ergebnis eines Machtkampfs, der seit Monaten zwischen der Traton-Zentrale in München und dem Mutterkonzern in Wolfsburg tobte. Am Ende, so heißt es übereinstimmend in Unternehmenskreisen, habe sich Andreas Renschler isoliert: „Von den Führungskräften, von den Mitarbeitern und vom Mutterkonzern“, sagte ein Beteiligter am Mittwoch. Renschler, der immer das Image des schwäbischen Machers pflegte, konnte und wollte sich mit den Machtverhältnissen im VW-Reich nicht abfinden. Sein Abgang, so hieß es in Konzernkreisen, habe schon länger festgestanden.

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    Traton, das unter Renschler geschaffene Konstrukt ungleicher Töchter, ist bis heute nicht richtig integriert. Der schwedische und der deutsche Teil kooperieren nur unwillig. Während die Scania seit Jahren hohe Renditen abwirft und sich auch im Abschwung gut behauptet, kommt MAN nicht voran. Die Werke sind schlecht ausgelastet, die Produktionsstruktur ist zu kompliziert, die Verwaltung aufgebläht. Renschler und Drees planten den Befreiungsschlag.

    Grafik

    Mitte März, kurz vor dem Corona-Lockdown sickerten die Pläne durch: Mindestens 6000 von 36.000 Stellen bei MAN sollten abgebaut werden. Zudem sollte die MAN wichtige Bereiche an die Holding Traton abgeben, Renschler wollte Doppelstrukturen schleifen, um die Holding zu stärken. Ziel ist unter anderem, den US-Hersteller Navistar zu integrieren, den Traton übernehmen will. Renschler, so klagen Beteiligte, habe seine Forderungen „im Befehlston“ kommuniziert und sich nicht mehr auf Kompromisse mit Arbeitnehmern einlassen wollen, wie im VW-Reich üblich.

    Die dort so wichtigen Gepflogenheiten der Mitbestimmung interessierten ihn immer weniger. Mitte April platzte Gesamtbetriebsratschef Saki Stimoniaris der Kragen. „Wir setzen uns im Moment nicht an einen Tisch“, erklärte der stellvertretende Aufsichtsratschef. „Und es liegt in der Verantwortung des Haupteigentümers der Volkswagen AG, hier den Weg für konstruktive Gespräche frei zu machen.“ Volkswagen, so Stimoniaris, müsse jetzt „das Ruder in die Hand nehmen“. Der Betriebsrat verweigert bis heute Gespräche über einen Stellenabbau.

    Renschler fremdelte mit Wolfsburger Ränkespielen

    Renschler ahnte, dass er diesen Kampf nicht gewinnen konnte. Denn auch im VW-Vorstand war die Zahl seiner Unterstützer überschaubar. Zuletzt war es vor allem VW-Chef Diess, der Renschler die Treue hielt. Beide waren 2015 vom mittlerweile verstorbenen VW-Patriarchen Ferdinand Piëch geholt worden – Diess sollte das Autogeschäft sanieren, Renschler die Trucksparte. Piëch musste im Zuge des Dieselskandals gehen, Renschler trat eine Mission ohne Fürsprecher an.

    Im VW-Vorstand stellte er schnell fest, dass Lastwagen im Konzern kaum jemanden interessierten. Renschler selbst fremdelte mit den Wolfsburger Riten und Ränkespielen, legte sich mit Vorstandskollegen an. Er haderte mit der Macht der Arbeitnehmer und des Landes Niedersachsen sowie den Vorstellungen der Großaktionäre Piëch und Porsche. Die Entscheidung, die neue Traton-Holding in München anzusiedeln, kam bei Großaktionär Niedersachsen nicht gut an.

    Der Chef der VW-Tochter Traton und der Chef der MAN SE müssen ihre Posten räumen. Quelle: dpa
    Andreas Renschler, Joachim Drees

    Der Chef der VW-Tochter Traton und der Chef der MAN SE müssen ihre Posten räumen.

    (Foto: dpa)

    Nicht nur geografisch suchte Renschler die Distanz zu Wolfsburg. Mit Hochdruck arbeitete er an Abspaltung und Börsengang der Lkw-Tochter. Damit stieß er den Familien Porsche und Piëch vor den Kopf, die Börsengängen generell skeptisch gegenüberstehen. Den ersten Anlauf im Frühjahr 2019 musste Volkswagen verschieben, zu gering war das Interesse der Investoren. Beim zweiten Anlauf sank der Kurs gleich nach Handelsbeginn unter den Ausgabepreis. Traton wurde mit 13,5 Milliarden Euro bewertet, halb so hoch wie von Renschler erhofft. Für die 11,5-Prozent-Emission bekam VW gerade 1,5 Milliarden Euro, deutlich weniger als prognostiziert. Das Geld war fest für die Elektrooffensive von Volkswagen verplant. Was folgte: eisige Stimmung.

    Die Nachfolger von Renschler und Drees treten ein kompliziertes Erbe an. Matthias Gründler kennt das Unternehmen, das er 2018 als Finanzvorstand verließ. Andreas Tostmann hatte sich als Sanierer der VW-Tochter Seat einen Namen als Sanierer gemacht und wurde von Betriebsratschef Stimoniaris willkommen geheißen. Tostmann ist vor allem der Favorit der Familien Piëch und Porsche.

    Das neue Führungsduo wird keine Schonfrist haben. Der Abbau von Stellen, die Ausgründung von Betriebsteilen und die mögliche Schließung von Standorten seien alternativlos, hieß es am Mittwoch aus Unternehmenskreisen.

    Zu den bedrohten Standorten gehört das Werk in Steyr, ein Schritt, den die MAN-Manager bislang mit Blick auf die österreichischen Wurzeln der Großaktionäre immer gescheut haben. Die Coronakrise hat die angespannte Situation verschärft. „Es besteht dringender Handlungsbedarf“, hieß es am Mittwoch aus Arbeitnehmerkreisen. Ende des Monats wird der Aufsichtsrat mit den neuen Vorständen über die Sanierung sprechen.

    Mehr: Die Wirtschaft wacht auf – der Aufschwung beginnt.

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