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Lockdown-Debatte Autoindustrie warnt vor erneutem Corona-Produktionsstopp

Die Autoindustrie lehnt eine neue Corona-Zwangspause für die Fahrzeugfertigung entschieden ab. Die wirtschaftlichen Gefahren seien zu groß.
17.01.2021 - 04:00 Uhr Kommentieren
Tiguan-Fertigung in Wolfsburg: Der Verband der Automobilindustrie spricht sich gegen eine neue Corona-Zwangspause aus. Die volkswirtschaftlichen Schäden seien zu groß. Quelle: Bloomberg
VDA gegen neue Corona-Zwangspause

Tiguan-Fertigung in Wolfsburg: Der Verband der Automobilindustrie spricht sich gegen eine neue Corona-Zwangspause aus. Die volkswirtschaftlichen Schäden seien zu groß.

(Foto: Bloomberg)

Düsseldorf Die Automobilindustrie warnt davor, die Fertigung neuer Fahrzeuge zu stoppen, um damit die Corona-Infektionszahlen zu senken. „Bei Autozulieferern und Herstellern gibt es bisher keine Infektionsherde und höchste und umfassende hohe Hygienestandards“, sagte Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), dem Handelsblatt. Stünde die Automobilfertigung in Deutschland still, würden Produktions- und Lieferketten nicht nur in Europa, sondern sogar weltweit unterbrochen.

Forderungen nach einem kompletten Lockdown für die Wirtschaft hatte zuvor schon der neue BDI-Präsident Siegfried Russwurm eine klare Absage erteilt. „Auch 2021 ist die Industrie der Motor, der Wirtschaft und Wohlstand unseres Landes antreibt“, sagte Russwurm. „Umso wichtiger ist es, die Industrie weiter am Laufen zu halten, trotz verschärfter Lage, trotz ausgeweiteter Mobilitätseinschränkungen und großflächiger Schulschließungen“, betonte der neue Chef des Industrieverbands.

Ökonomen verweisen zudem darauf, dass auch die härtesten Lockdown-Schritte mit Fabrikschließungen wie in Frankreich, Italien und Spanien die Pandemie immer nur für kurze Zeit eindämmen konnten. Gleichzeitig waren die Folgen für die Industrieproduktion dieser Länder verheerend, was die gesamte europäische Volkswirtschaft geschwächt hatte.

Die wirtschaftlichen Probleme würden aus Sicht der Automobilindustrie bei einem Fertigungsstopp dramatisch zunehmen. „Die Autoproduktion trägt einen wichtigen Anteil dazu bei, das Einkommen vieler Menschen zu sichern, und ist damit auch Voraussetzung für die Finanzierung der Aufgaben des Staates, besonders hinsichtlich der Abtragung der immensen Staatsschulden, die sich durch die Folgen der Corona-Pandemie noch einmal erheblich erhöht haben“, ergänzte Müller.

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    Autohersteller und Zulieferer stellen sich auf weitere schwere Wochen ein. „Für die Automobilindustrie ist die Krise noch nicht zu Ende“, sagte die VDA-Präsidentin. Insbesondere kleine und mittelständische Zulieferer seien gleichzeitig von den Folgen der Corona-Pandemie sowie der Transformation der Autobranche mit Elektrifizierung und Digitalisierung getroffen. „Das ist die größte Herausforderung in ihrer Geschichte“, ergänzte Müller.

    „Keine Entwarnung“ bei der Liquidität von Unternehmen

    Bei etlichen Unternehmen sei die Liquiditätsausstattung weiterhin angespannt, „da gibt es keine Entwarnung“. Im gerade begonnenen Jahr seien die Insolvenzgefahren nicht vom Tisch, daran habe sich in den zurückliegenden Wochen nichts geändert. Wenn staatliche Hilfen in diesem Jahr ausliefen, könnte sich die Lage der Zulieferer sogar verschärfen.

    Der VDA, Deutschlands wichtigster Industrieverband, vertritt Hersteller und Zulieferer gleichermaßen. Doch die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sind für die Unternehmen völlig unterschiedlich. Die Autohersteller sind multinationale Konzerne, die den Einbruch etwa in Europa durch ein starkes Chinageschäft ausgleichen.

    Viele mittelständische Zulieferer sind hingegen auf Deutschland und Europa fokussiert – ohne entsprechenden Ausgleich. Sie leiden besonders darunter, dass die deutsche Pkw-Produktion im vergangenen Jahr eingebrochen ist. Nach VDA-Angaben liegt das Minus bei 25 Prozent.

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    VDA-Präsidentin Müller appellierte an die Politik, bereits beschlossene Förderprogramme für die Automobilindustrie auch tatsächlich zu starten. Im vergangenen Jahr hatte die Bundesregierung zwei Milliarden Euro bereitgestellt, mit denen Zukunftsinvestitionen in der Fahrzeugindustrie gefördert werden sollen. Insbesondere kleine und mittlere Zulieferunternehmen sollten davon profitieren.

    Müller beklagte, dass die zugesagten Mittel noch immer nicht bereitstünden. „Das Programm muss jetzt ohne Verzögerung umgesetzt werden“, forderte die VDA-Präsidentin.

    Schwieriges erstes Quartal

    Die Automobilindustrie stellt sich pandemiebedingt auf ein schwieriges erstes Quartal ein. Der VDA setzt darauf, dass die Impfkampagne an Tempo gewinnt und der Pandemie damit Grenzen gesetzt werden. „Wir hoffen spätestens auf das zweite Halbjahr“, sagte Müller, „und wir hoffen darauf, dass das gesamte Land dann aufatmet.“

    Möglicherweise werde es dann sogar einen Boom in Sachen Autonachfrage geben, weil sich Kauflaune und Konsumverhalten wieder ungehindert entfalten könnten. Das Interesse am Auto sei auch jetzt schon groß, weil es im eigenen Pkw im Unterschied zu öffentlichen Verkehrsmitteln keine Infektionsgefahren gebe.

    Eine Besserung machte VDA-Präsidentin Müller bei den Kfz-Zulassungsstellen aus, die im vergangenen Frühjahr komplett geschlossen hatten. Im zweiten Lockdown seien Neuzulassungen möglich, es gebe auch erste Fortschritte bei digitalen Zulassungsformen. „Die Krise hat offenbart, wie viel Deutschland im digitalen Service noch aufholen muss.“

    Der aktuelle zweite Lockdown hat sich nach Experteneinschätzungen bislang nicht so dramatisch auf die Automobilbranche ausgewirkt wie der Stillstand im vergangenen Frühjahr. „Die Vertriebsorganisationen sind besser vorbereitet“, meinte Daniel Schwarz, Automobilanalyst bei der Investmentbank Stifel Europe.

    Für die aktuellen Versorgungsprobleme mit elektronischen Chips hat der VDA im Moment keine Lösung parat. Ford, Volkswagen und Daimler haben bereits Kurzarbeit in verschiedenen deutschen Werken angesetzt, weil es nicht mehr genügend elektronische Bauteile für die Autos gibt. „Das ist ein Problem, das die Automobilindustrie und die Elektroniklieferanten betrifft. An der Lösung wird intensiv global gearbeitet“, sagte die VDA-Präsidentin. Der Verband sei hierzu auch mit der Bundesregierung in Kontakt.

    Mehr: Chipmangel bremst Autobauer: Daimler drosselt Produktion weiter, Kurzarbeit bei VW

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