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Luftfahrt Russischer 737-Max-Kunde verklagt Boeing nach Auslieferungsstopp

Die russische Firma Avia Capital Services beschuldigt Boeing, beim Verkauf der 737 Max Informationen zur Flugtauglichkeit verschwiegen und Vertragsbruch begangen zu haben.
Update: 28.08.2019 - 05:07 Uhr Kommentieren
Ein Flugzeug vom Typ 737 Max 8 auf dem Werksgelände von Boeing im US-Bundesstaat Washington. Quelle: AP
Boeing

Ein Flugzeug vom Typ 737 Max 8 auf dem Werksgelände von Boeing im US-Bundesstaat Washington.

(Foto: AP)

Chicago, Moskau Boeing muss sich erstmals mit einer Klage eines Abnehmers der umstrittenen Modellreihe 737 Max auseinandersetzen. Die russische Leasingfirma Avia Capital wirft dem US-Luftfahrtkonzern vor, Defekte in dem Flugzeugtyp verschwiegen zu haben. Zudem wird Boeing Betrug, Vertragsbruch sowie Fahrlässigkeit bei Konzeption und Bau der Maschine und dem Zulassungsverfahren durch die amerikanische Flugaufsicht FAA zur Last gelegt, wie aus der Klageschrift vom Montag hervorgeht.

Avia bestellte 35 Max-Jets im Jahr 2012 und sollte sie ursprünglich im laufenden Jahr bekommen. Doch nach Abstürzen zweier Maschinen der Modellreihe in Indonesien im Oktober 2018 und in Äthiopien im März 2019 mit insgesamt 346 Toten gibt es infolge der seit März geltenden internationalen Startverbote für die Flugzeugtypen einen Auslieferungsstopp.

Avia will vor einem Gericht in Illinois nun Schadenersatz von mindestens 115 Millionen Dollar von Boeing erstreiten. In dem US-Staat hat der Flugzeugbauer seinen Sitz. Anwalt Steven Marks sagte, die von Avia angestrebte Summe beinhalte eine Anzahlung von 40 Millionen Dollar, Verluste in Höhe von 75 Millionen Dollar sowie zusätzliche Bußgelder.

Die russische Leasinggesellschaft will ihren mit Boeing geschlossenen Kaufvertrag für die 737-Max-Modelle zudem aufkündigen. Damit könnte Avia der erste Kunde sein, der eine unterzeichnete Vereinbarung storniert. Im Juli war zwar die saudische Billigairline Flyadeal von einer Kaufzusage für 500 Maschinen des Typs abgerückt, hatte aber anders als Avia zuvor keinen festen Auftrag erteilt.

Für Boeing ist das bevorstehende Verfahren brisant. Avia-Anwalt Sparks sprach nämlich nach eigenen Angaben bereits mit „etlichen“ weiteren 737-Max-Abnehmern, von denen sich einige der Klage der Russen anschließen könnten. US-Unternehmen fänden sich darunter nicht, ergänzte er. Vertreter der amerikanischen Airlines Southwest, American und United haben Boeing bisher im Wirbel um 737 Max den Rücken gestärkt. Ein Sprecher des Flugzeugbauers wollte sich zur Klage mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht äußern.

Boeing hat im zweiten Quartal einen Verlust von drei Milliarden Dollar gemacht, nachdem es Rückstellungen von 4,9 Milliarden Dollar nach Steuern für künftige Entschädigungen von Airlines und anderen 737-Max-Kunden verbuchte.

Aktuell nimmt der Konzern Wartungen an der Steuerungssoftware der Maschinen vor. Denn bei den zwei folgenschweren Abstürzen der Flugzeuge hatten laut Untersuchungsberichten defekte Sensordaten das Flugkontrollsystem dazu verleitet, die Nasen der Maschinen nach unten zu ziehen. Boeing geht davon aus, von den Kontrollinstanzen im November grünes Licht für eine Wiederaufnahme von 737-Max-Flügen zu bekommen.

Mehr: Boeing hat den geplanten Start der Auslieferungen seines Ultra-Langstreckenfliegers 777X verschoben. Der Erstflug soll demnach erst 2020 stattfinden.

  • dpa
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