Luxusreisen IG-Metall-Chef verteidigt Vorstandskollegen

Der Gewerkschaftschef stellt sich demonstrativ vor den für Luxusreisen kritisierten Thyssen-Krupp-Aufsichtsrat Eichler. Für Arbeitnehmer- und die Kapitalvertreter in Aufsichtsräten müssten „gleiche Maßstäbe“ gelten.
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Der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber keilt in der Debatte um Sonderleistungen für Aufsichtsräte zurück. Quelle: dpa

Der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber keilt in der Debatte um Sonderleistungen für Aufsichtsräte zurück.

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BerlinIn der Diskussion über die Luxusreisen seines Vorstandskollegen Bertin Eichler als Thyssen-Krupp-Aufsichtsrat hat IG-Metall-Chef Berthold Huber gleiche Maßstäbe für Vertreter der Arbeitnehmer- und der Kapitalseite angemahnt. „Offensichtlich kümmert es niemanden, ob Vertreter der Anteilseigner erster Klasse fliegen oder sich von den Tantiemen vielleicht ein privates Ferienhaus kaufen“, sagte Huber dem Handelsblatt (Montagausgabe). Wer die Unabhängigkeit von Arbeitnehmervertretern in Aufsichtsräten anzweifle, müsse „dieselben Fragen ja wohl konsequenterweise auch an die Vertreter der Kapitalseite“ richten, forderte er. „Also bitte: Gleiche Maßstäbe für alle!“

Huber sprach Eichler in dessen Funktion als geschäftsführendes Vorstandsmitglied und Hauptkassierer der IG Metall sein Vertrauen aus. „Der Fehler, die Bertin Eichler selbst eingestanden hat, liefert aus meiner Sicht keinen Anlass für Konsequenzen im Hinblick auf seine Aufgaben bei der IG Metall“, sagte Huber. Eichler habe „seit vielen Jahren das Vertrauen der Gewerkschaft“ und sei im Übrigen auf dem Gewerkschaftstag 2011 mit einem Ergebnis von fast 98 Prozent im Amt bestätigt worden.

Der IG-Metall-Chef wies den Verdacht zurück, Eichler habe sich durch die Erste-Klasse-Flüge in seiner Arbeit als Aufsichtsrat beeinflussen lassen. Die Flüge „hätten so nicht stattfinden sollen“, sagte er. „Aber ich sehe nicht, dass jemand dafür gleich seine Überzeugungen an den Nagel hängt, schon gar nicht Bertin Eichler.“

Eichler hatte sich in den Jahren 2004 bis 2012 in seiner Funktion als stellvertretender Aufsichtsratschef von Thyssen-Krupp zu fünf Luxusreisen mit Erste-Klasse-Flügen einladen lassen. Nach dem
Bekanntwerden der Reisen durch einen Bericht des Handelsblatts (Freitagausgabe) hatte Eichler angekündigt, nicht erneut für den Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp zu kandidieren.

Dass das Ansehen des deutschen Mitbestimmungsmodells unter Vorgängen wie bei Thyssen-Krupp grundsätzlich leiden könnte, befürchtet Huber nicht: „Wenn es gelegentlich einzelne Fehler von einzelnen Personen gibt, ist das noch lange kein vernünftiger Maßstab dafür, ob ein System als solches gut funktioniert oder nicht.“

Im Übrigen sehe „auch die Bundeskanzlerin in unserer Mitbestimmung ausdrücklich ein Erfolgsmodell und einen Wettbewerbsvorteil für Deutschland“, betonte Huber.

 
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23 Kommentare zu "Luxusreisen: IG-Metall-Chef Huber verteidigt Thyssen-Krupp-Aufsichtsrat"

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  • Nein, eben nicht gleiche Maßstäbe für Anteilseigner und Arbeitnehmervertretern. Wer die Interessen der Arbeitnehmer gegen die Interessen der Anteilseigner glaubhaft vertreten will, darf sich vor allem auch was das Ausnutzen von (Luxus-)Vergünstigungen anbetrifft nicht mit der „anderen Seite“ gemein machen. „Sozialpartnerschaft“ heißt eben gerade nicht, dass man sich an Privilegien anpasst, sondern dass man das „Absahnen“ auf Kosten der Arbeitnehmerschaft bekämpft. Die Arbeitnehmerseite schickt ihre Vertreter nicht deshalb in Aufsichtsräte, damit sie sich ein privates Ferienhaus kaufen. Das Motto, „wenn schon die, dann wir auch“ ist die Einstiegsdroge zur politischen Korruption. Glaubt denn wirklich jemand, dass die schwindende Zahlen der Mitglieder bei den Gewerkschaften, keinen Grund haben? Die Arbeitnehmer haben schon lange bemerkt, dass viele in den Gewerkschaften, nicht mehr die Interessen der Arbeitnehmer vertreten. Wenn bereits, sog. Gewerkschaften, die Interessen von Vorständen vertritt? „Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich sing?“ Gewerkschaften brauchen sich nicht mehr wundern, wenn immer mehr Mitglieder austreten.

  • In Unternehmen spricht man dann von Lustreisen, wenn ein Manager - ohne wichtigen Grund - in irgendeine Ecke der Welt reist. Dabei handelt es sich nicht um Länder wie Nigeria, Saudi Arabien oder Pakistan. Da fliegt man nur hin, wenn tatsächlich ein wichtiger Grund vorliegt. Cuba, Thailand, Brasilien sind da viel attraktiver. Schoenes Essen, Schoenes Klima, Schoene Frauen, Sehenswürdigkeiten.
    Da alles Langstreckenfluege sind natuerlich 1. Klasse mit Kaviar, Champagner in der Lufthansa. Die Arbeiter, welche mit Ihren Beiträgen die Gewerkschaftler finanzieren, sind dabei längst v ergessen

  • so wie es aus sieht habe die die die Arbeitnehmer vertreten sollten keine Moral, Achtung, Respekt und soziale Verträglichkeit ist ein Fremdwort geworden bei der IG Mettall.Wenn das der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber vertritt,ist er fehl am Platz. Dann laesst sich auch ein IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber schmieren,da kommt es nur auf die Summe an.

  • ...das wollen wir doch hoffen

  • Die Gier nach Macht und Geld hatte schon in der Weimarer Republik den Faschismus installiert!! Und in der BRD wird er durch die Hintertüre mit ALG II wieder eingeführt!

    Wir haben es mit einem Angriff der verkommenen Eliten zu tun. Mit Eliten, die keine Werte bezüglich Ehrlichkeit, Moral, Achtung, Respekt und soziale Verträglichkeit haben!!

    Es wird in Deutschland (Europa) noch krachen...und zwar gewaltig!!

  • Guten Morgen liebe Befürworter oder Kritiker,

    die mir immer willkommen sind. Das befruchtet eine rege Diskussion.

    Die z. T. berechtigten Anmerkungen sind mir bekannt. Wir wissen doch aus der Vergangenheit, dass es viele Aktionäre gab, die diese wirklich gut gemeinten Ratschläge nicht befolgen.

    Wer nicht selbst Jahreshauptversammlungen besuchen möchte, sollte seine Bank einschalten, wenn er will. Ich persönlich würde lieber die Schutzgemeinschaft bevorzugen.

    Lieber Rechner!

    Meine Geldanlagen, speziell Aktien, habe und werde ich nie als Glücksspiel ansehen, es ist ein Geschäft wie jedes andere. Man kann gut verdienen oder viel Geld verlieren.

    Ich bevorzuge jedoch den Gewinn. Ich glaube sagen zu dürfen, dass ich da in der Mehrheit ein glückliches Händchen hatte.

    Ich nehme grundsätzlich an den Jahreshauptversammlungen teil, und zwar nachdem ich alle Fakten durchleuchtet habe.

    Dazu gehören auch Fachzeitschriften der jeweiligen Gewerke. Auftragslage, Zukunftspläne und Investitionen, Bilanzen u.s.w..

    Glauben Sie mir, bisher konnte ich meine Anliegen immer gut vertreten.Auch wenn man mir mal das Mikrophon abschaltete, hindert das mich keinesfalls, mich weiter zu Wort zu melden.

    Sollte ich das allerdings nicht mehr können, werde ich mich keinesfalls der Bank, sondern einer Schutzgemeinschaft bedienen.

    Aber wo Aufsichtsrat drauf steht, ist auch Gewerkschaft mit drin.

    Übrigens nur am Rande, ich handele seit über 25 Jahre als Pribvatanlager mit Wertpapieren. Zum großen Teil bestreite ich heute meinen Lebensunterhalt damit.

    Aktien sollte man nur haben, wenn man Wellenbewegungen aussitzen kann. Wer nur zockt, schläft schlecht.

    Einen schönen Tag wünsche ich allen Schreibern/Schreiberinen, denn es beginnt eine neue Börsenwoche, die ich nicht verpassen möchte.

  • Ach lieber Rechner, nun seien Sie mal nicht so böse auf Seravin.
    Es gibt nämlich auch Banken, die sich das Stimmrecht pauschal ohne bestimmte Weisung und ohne zeitliche Begrenzung übertragen lassen. Das läuft dann unter der fürsorglichen Betreuung des Kunden!! Wenn der sog. Berater gemerkt hat, daß sein Gegenüber nicht viel Ahnung von Geldanlagen hat, ist es schon mit der Abtretung des Stimmrechts geschehen.
    Ansonsten haben Sie natürlich Recht. Man sollte sich niemals durch eine Bank vertreten lassen.

  • Wie muss das denken solcher funktionäre sein? Bemerken sie bei sich keinen interessenkonflikt (kopfschüttel)

  • SPD und Gewerkschaften haben sich beide um Lichtjahre von denen entfernt, deren Interessen sie früher tatsächlich einmal vertreten haben.
    Da bei beiden Vereinen in der Führungsmannschaft der Glaube herrscht, wenn es uns gut geht und wir am Tisch der Großen sitzen dürfen, muss das Fußvolk doch auch glücklich sein über diesen immensen Fortschritt, kann man nicht erwarten, dass von dort noch etwas kommt, außer dem Allernotwendigsten, was der Herrschaft des Kapitals Beschränkungen auferlegt.
    Hies es früher: "Religion ist Opium fürs Volk" kann man es heute getrost durch: "SPD und Gewerkschaften liefern Opium fürs Volk" ersetzen. Dies gilt zumindest für die, die noch heute brav SPD wählen und in einer Gewerkschaft Mitglied sind und hoffen, dass von dort etwas Vernünftiges für sie kommt.

  • 'Seravin' sagt
    --------------------
    Die Banken schicken eigene Vertreter, die für den Aufsichtsrat kandidieren. Wenn ich mein Stimmrecht übertrage, vertreten sie nicht meine, sondern nur ihre ureigensten Interessen, die durch die Übertragung gestärkt werden.
    --------------------

    Sie können die Bank als Ihren Stimmrechtswahrer zu jedem Abstimmungspunkt ANWEISEN, wie sie für Ihre Aktien AUF DER HAUPTVERSAMMLUNG abzustimmen hat.

    Hat Ihnen Ihr Bankfuzzi das nicht erklärt???

    ...

    Was anderes ist das Abstimmungsverhalten von Aufsichtsratsmitgliedern in Aufsichtsratssitzungen.

    Die sind an Weisungen nicht gebunden.

    Wenn Ihnen die Vertreter von Banken nicht gefallen, können Sie aber Aktionärsvertreter -z.B. von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz - wählen. Und zwar AUF der JAHRESHAUPTVERSAMMLUNG.

    ...

    Natürlich sollten Sie - auch bei der Wahl von Aufsichtsräten - die Banken NICHT machen lassen was sie wollen.

    ...

    Wer sich derart unzureichend informiert wie Sie darf sich nicht wundern, wenn er vom Bankfuzzi über den Tisch gezogen wird und die Bankster dann machen was sie wollen.

    Bitte, lernen Sie die Grundzüge des Aktienrechts, die Besitzverhältnisse, das Geschäftsmodell, die Finanzierung und das Marktumfeld der Aktiengesellschaft ihrer Wahl BEVOR Sie Aktien kaufen.

    'Nachher' ist oft zu spät.

    Und Sie haben "Aktienanlage" als Glücksspiel betrieben.

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