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Mahnung vor Tarifrunde 7200 Euro Bonus für VW-Beschäftigte

VW geht es so gut wie nie – dennoch bekommen die Beschäftigten der Kernmarke in Westdeutschland einen etwas kleineren Bonus als im Jahr zuvor. Wegen der Marktschwäche in Europa steigt die Vorsicht.
Update: 27.02.2013 - 16:34 Uhr Kommentieren
Weltweit waren beim größten europäischen Autokonzern Ende 2012 fast 550.000 Mitarbeiter unter Vertrag. Quelle: Reuters

Weltweit waren beim größten europäischen Autokonzern Ende 2012 fast 550.000 Mitarbeiter unter Vertrag.

(Foto: Reuters)

Wolfsburg/Hamburg 7200 Euro Bonus zahlt Volkswagen seinen Beschäftigten in den sechs westdeutschen Werken für das Rekordjahr 2012. „Die Erfolgsbeteiligung ist hart erarbeitet und verdient“, sagte Personalvorstand Horst Neumann am Mittwoch auf einer Betriebsversammlung im Stammwerk Wolfsburg. Im Vorjahr hatte VW den Tarifbeschäftigten an den Standorten Braunschweig, Emden, Hannover, Kassel, Salzgitter und Wolfsburg noch 300 Euro mehr gezahlt.

Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte zur Begründung, dass die Zeiten angesichts der schweren Absatzkrise in West- und Südeuropa härter würden: „Der Wind ist rau, manche in der Branche kämpfen ums Überleben.“ Im Januar seien auf dem Heimatkontinent so wenig Autos verkauft worden wie lange nicht mehr. Stärker auf Europa konzentrierte Anbieter wie Peugeot-Citroën oder Opel leiden unter der schwachen Nachfrage infolge der Schuldenkrise. VW dagegen gelingt es, die Probleme mit Zuwächsen in Asien oder Amerika mehr als auszugleichen.

Der VW-Betriebsrat stimmt die Belegschaft zudem auf eine neue Runde im Ringen um den Erhalt des VW-Gesetzes ein. „Wenn es sein muss, werden wir auch nach Brüssel gehen und dort gemeinsam für das VW-Gesetz streiten", kündigte Osterloh am Mittwoch vor rund 20.000 Beschäftigten an, die sich im Wolfsburger Stammwerk versammelt hatten. In dem seit zehn Jahren währenden Streit über die Sonderrolle Niedersachsens als zweitgrößter Aktionär bei Europas größtem Autobauer hatte die EU-Kommission im Februar erneut geklagt. Im März soll dazu vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) die mündliche Verhandlung stattfinden.

„Gibt es keine anderen Themen für die EU-Kommission?“

Den Wettbewerbshütern sind die seit 1960 bestehenden Regelungen ein Dorn im Auge. Sie monieren vor allem die Sperrminorität, die das Land Niedersachsen als staatlicher Eigentümer von rund einem Fünftel der VW-Stammaktien bei zentralen Standort- und Verkaufsentscheidungen innehat. Das laufe der Freiheit des Kapitalverkehrs - einer der vier Grundfreiheiten im europäischen Binnenmarkt - zuwider.

SPD-Mann und EU-Parlamentschef Martin Schulz war auch in Wolfsburg. Dass er sich für ein Festhalten an der traditionellen Regulierung ausspricht, überrascht nicht. Wie vehement er dies tut, schon. „Europa hat eine globale Aufgabe - und nicht die Aufgabe, Volkswagen mit dem VW-Gesetz zu ärgern“, ruft er vom Rednerpult.

„Wir werden die Industrie, vor allem die Automobilindustrie nicht im Stich lassen.“ Die Belegschaft des „wahrscheinlich erfolgreichsten europäischen Konzerns“ (Schulz) klatscht. Angesichts der Probleme der Kollegen bei Opel oder Peugeot-Citroën hoffen viele, dass sich solche Aussagen nicht in reinen Absichtserklärungen erschöpfen.

Der Parlamentspräsident bemüht sich aber auch um Verständnis für die Wächter über die EU-Verträge. Insgesamt seien viele Verfahren zu bürokratisch, undemokratisch und intransparent. „Aber ich warne davor: Nicht jeder, der die Union kritisiert, ist ein Euroskeptiker.“ Niedersachsens frisch gewählter Ministerpräsident und VW-Aufseher Stephan Weil (SPD) sekundiert: „Es gibt im Moment vieles, um das sich Europa sorgen machen muss. Aber keine Sorgen müssen wir uns um Volkswagen machen. Deswegen fragen wir uns: Gibt es wirklich keine anderen Themen für die EU-Kommission, als am VW-Gesetz zu rütteln?“

Zweistellige Millionenzahl beim Absatz 2018 möglich

Personalvorstand Horst Neumann warnte indes vor überzogenem Optimismus angesichts des Rekordgewinns von 21,9 Milliarden Euro im vergangenen Jahr: „Der Weg wird steiniger.“ Operativ fuhr der Zwölf-Marken-Konzern 2012 mit 11,5 Milliarden Euro ebenfalls einen neuen Bestwert ein. Das Land Niedersachsen als Großaktionär erhält laut „Bild“-Zeitung zudem eine Rekordeinnahme von rund 206 Millionen Euro aus der höheren Dividende.

In der bevorstehenden Tarifrunde müsse die Balance zwischen fairem Grundentgelt, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigungssicherung gehalten werden, mahnte Neumann. Die Verhandlungen zum VW-Haustarif starten voraussichtlich im Mai, die IG Metall kündigte eine Forderung von 5,5 bis 6 Prozent mehr Geld an. 2012 hatten die 102.000 Beschäftigten der sechs westdeutschen Werke und der Finanzsparte sowie weiterer Töchter ein Entgelt-Plus von 4,3 Prozent erhalten.

VW-Chef Martin Winterkorn sagte der Wochenzeitung „Die Zeit“, es könne dem Konzern bereits vor dem ursprünglich angepeilten Jahr 2018 gelingen, eine zweistellige Millionenzahl beim Absatz zu erreichen: „Zehn Millionen Autos sind tatsächlich schon in absehbarer Zeit möglich.“ 2012 lieferten die Wolfsburger weltweit 9,07 Millionen Fahrzeuge aus. Gleichzeitig will Winterkorn „die Abhängigkeit von Hauptmärkten wie Europa“ reduzieren. In China und Nordamerika, aber auch in Südamerika, Südostasien und Afrika will VW weiter aufholen.

Weltweit waren beim größten europäischen Autokonzern Ende 2012 fast 550.000 Mitarbeiter unter Vertrag. Die VW-Gruppe wuchs vor allem wegen der kompletten Übernahme des Porsche-Sportwagengeschäfts und weiterer Aufstockungen beim Lastwagenbauer MAN. Am 14. März legt Volkswagen in Wolfsburg seine vollständige Jahresbilanz vor.

  • dpa
  • rtr
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