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Manfred Döss VW-Chefjustiziar macht sich den Dieselskandal zur Lebensaufgabe

Bei dem Juristen läuft die Verteidigung von VW in der Dieselaffäre zusammen. In den neuen Verfahren setzt Manfred Döss auf Freispruch.
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Der VW-Chefjurist hat ein enges Bündnis mit den Familien Porsche und Piëch. Quelle: dpa
Manfred Döss

Der VW-Chefjurist hat ein enges Bündnis mit den Familien Porsche und Piëch.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Manfred Döss ist stets gut vorbereitet. Der 61-Jährige ist Chefjustiziar beim Autokonzern Volkswagen – und hat dieser Tage besonders viel zu tun. Erst in der vergangenen Woche verteilten die Braunschweiger Staatsanwälte ihre Anklageschriften gegen VW-Chef Herbert Diess und den Aufsichtsratsvorsitzenden des Unternehmens, Hans Dieter Pötsch.

Doch Döss hatte die Signale der Justiz in den zurückliegenden Wochen richtig gedeutet und war deshalb bestens präpariert. Sofort wurden Presseerklärungen verbreitet, die eigenen Anwälte meldeten sich schnell zu Wort. Am heutigen Montag steht schon wieder ein großes Verfahren an. Dann beginnt in Braunschweig die Musterfeststellungsklage, mit der mehr als 400.000 Dieselkunden Schadensersatzansprüche gegenüber VW durchsetzen wollen.

In der Öffentlichkeit taucht Döss nur selten auf, doch deshalb ist er nicht minder wichtig für VW. Er agiert lieber aus dem Hintergrund heraus und orchestriert von dort die juristischen Verteidigungslinien, damit der Konzern die Dieselaffäre übersteht. Schon vor gut zwei Jahren, als Döss von der Braunschweiger Staatsanwaltschaft als Zeuge vernommen wurde, hat er seine Aufgabe in wenigen Worten zusammengefasst.

Ihm gehe es darum, „existenzbedrohende Risiken aus den Verfahren“ von Volkswagen fernzuhalten. Er wolle dafür sorgen, dass der Konzern „nicht mehr auf den Rücken“ gelegt werden könne. Döss, der in der Nähe von Mainz geboren wurde und dort auch Jura studiert hat, ist als Chefsyndikus für alle rechtlichen Dinge im Konzern verantwortlich. Doch einen zentralen Teil seiner Arbeit macht immer noch die Aufarbeitung der Dieselaffäre aus.

Der Ruf eilt ihm voraus

Als Döss im Januar 2016 den Posten des Chefjuristen bei VW übernimmt, eilte ihm der Ruf des Feuerwehrmanns voraus. Zuvor hatte er drei Jahre als Leiter der Rechtsabteilung für die Porsche SE gearbeitet. Die Stuttgarter Holding ist die Gesellschaft, in der die Familien Porsche und Piëch ihre VW-Anteile gebündelt haben. In Stuttgart hat Döss das alles schon einmal durchgemacht, was später etwas größer bei VW auf ihn warten sollte.

Investoren hatten die Familienholding auf Schadensersatz in Milliardenhöhe verklagt, weil es beim vor gut zehn Jahren gescheiterten Versuch von Porsche, VW zu übernehmen, nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Die Porsche-Vorstände Wendelin Wiedeking und Holger Härter wurden damals wegen Marktmanipulation angeklagt.

„Das Strafverfahren gegen Wiedeking und Härter habe ich später mit dem bekannten Ergebnis erledigt“, erzählt Döss leicht kokettierend bei seiner Zeugenvernehmung in Braunschweig. Das Ergebnis spricht für ihn: Die beiden Porsche-Vorstände wurden in allen Anklagepunkten freigesprochen. Das Urteil hat für ein enges Bündnis zwischen den Familien Porsche/Piëch und ihm selbst gesorgt. Wenn die Verteidigungslinie schon in Stuttgart gehalten hat, dann sollte das auch in Wolfsburg möglich sein. Als Zeichen des Vertrauens wurde Döss zudem nicht nur Chefjurist bei VW, sondern zugleich auch Vorstandsmitglied bei der Porsche SE.

Wackelige Anklage

30 Milliarden Euro hat VW bislang für die Bewältigung der Dieselaffäre zurücklegen müssen, eine gewaltige Summe. Trotzdem wird die Arbeit von Manfred Döss in Wolfsburg als erfolgreich bewertet. Denn als die Vergleichsverhandlungen begannen, war nur in den USA von einer doppelt so hohen Summe die Rede. Döss hat mit dafür gesorgt, dass das US-Strafverfahren recht schnell beendet war. Anfang 2017 wurde die Einigung festgezurrt, nach einer Zahlung von 4,3 Milliarden Dollar war VW dort aus dem Schneider.

Auch für das aktuelle Verfahren gegen Pötsch und Diess ist die Verteidigungslinie aus VW-Sicht klar. Döss gibt vor, dass die beiden Topmanager am Ende nicht verurteilt werden, zu wackelig sei die Anklage der Staatsanwälte. Vorstand und Aufsichtsrat teilen diese Position, die sie auch offensiv in der Öffentlichkeit vertreten. Döss hat immerhin zwei Porsche-Vorstände herausgepaukt. Dann sollte das auch bei Volkswagen gelingen.

Mehr: Das Landgericht Braunschweig wird die Hunderte Seiten umfassende Anklageschrift Winterkorn, Pötsch und Diess zustellen. Die Anwälte der VW-Führung können sich zu den Vorwürfen äußern.

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