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Manipulierte Abgasmessungen Auf VW kommt in Frankreich neuer Ärger im Dieselskandal zu

Die französische Justiz leitet ein Ermittlungsverfahren gegen Volkswagen ein. Auch der französische Konkurrent Renault ist im Visier der Ermittler.
09.06.2021 Update: 09.06.2021 - 15:03 Uhr Kommentieren
„In jedem Fall ist die VW AG der Ansicht, dass französische Verbraucher keinen entschädigungsberechtigten Schaden im Zusammenhang mit dem Kauf eines VW-Fahrzeugs erlitten haben“, hieß es in einer Reaktion auf die neuen Vorwürfe. Quelle: dpa
Gerät zur Abgasuntersuchung im Auspuff eines VW Golf

„In jedem Fall ist die VW AG der Ansicht, dass französische Verbraucher keinen entschädigungsberechtigten Schaden im Zusammenhang mit dem Kauf eines VW-Fahrzeugs erlitten haben“, hieß es in einer Reaktion auf die neuen Vorwürfe.

(Foto: dpa)

Paris Der Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen holt Volkswagen nun auch in Frankreich ein: Nach jahrelangen Untersuchungen leitete die französische Justiz ein Ermittlungsverfahren gegen den Autobauer ein, wie am Mittwoch bekannt wurde. Das ist die Vorstufe zu einem möglichen Prozess. Auch gegen den französischen Hersteller Renault wird wegen des mutmaßlichen Einsatzes einer betrügerischen Software ermittelt.

Volkswagen muss eine Kaution von zehn Millionen Euro hinterlegen. Außerdem ist eine Bankgarantie von 60 Millionen Euro fällig, um mögliche Strafen und Schadensersatzforderungen abzudecken. Bei Renault beträgt die Kaution 20 Millionen Euro, die Bankgarantie ebenfalls 60 Millionen Euro.

Der Konzern wies die Vorwürfe am Mittwoch zurück. Französische Verbraucher hätten „keinen entschädigungsberechtigten Schaden im Zusammenhang mit dem Kauf eines VW-Fahrzeugs erlitten“, teilte Volkswagen mit. Das Unternehmen prüfe alle zur Verfügung stehenden Handlungsmöglichkeiten, um die Entscheidung anzufechten.

Renault bestritt ebenfalls ein Fehlverhalten. Der Hersteller mit Sitz in Boulogne-Billancourt bei Paris erklärte, keine Manipulationssoftware in seine Fahrzeuge eingebaut zu haben. Das Unternehmen habe „immer die französischen und europäischen Verordnungen eingehalten“.

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    Volkswagen hatte 2015 eingeräumt, in weltweit elf Millionen Dieselautos eine Software zur Manipulation der Abgaswerte eingebaut zu haben. Eine Abschalteinrichtung sorgte dafür, dass die Stickoxidemissionen beim Zulassungstest durch die Behörden geringer waren als im Realbetrieb auf der Straße.

    Der Skandal hat den Wolfsburger Konzern bislang mehr als 30 Milliarden Euro für Strafen und Entschädigungszahlungen sowie Umrüstungen gekostet. Der Großteil davon fiel in den USA an, wo die Affäre vor fast sechs Jahren ins Rollen gekommen war. In Deutschland verhängte die Staatsanwaltschaft Braunschweig im Juni 2018 ein Bußgeld in Höhe von einer Milliarde Euro.

    Die französische Justiz hatte nach Bekanntwerden des Dieselskandals Voruntersuchungen gegen Volkswagen und Renault eingeleitet. Außerdem nahmen die Ermittler die Autokonzerne PSA und Fiat-Chrysler ins Visier, die seit Anfang des Jahres in der Stellantis-Gruppe aufgegangen sind.

    Renault distanziert sich von Volkswagen

    Zumindest bei VW und Renault sieht die französische Justiz nun genug Anhaltspunkte für Fehlverhalten, um ein förmliches Ermittlungsverfahren zu eröffnen. Den beiden Unternehmen wird Betrug über wesentliche Eigenschaften eines Produkts vorgeworfen, der zu einer „Gefahr für die Gesundheit von Mensch oder Tier“ geführt habe.

    Die Voruntersuchungen zogen sich offenbar auch deshalb hin, weil die Ermittler eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs abwarten wollten. Die Luxemburger Richter hatten vergangenen Dezember in einem Verfahren um die VW-Dieselmotoren entschieden, dass eine Software zur Manipulation von Abgaswerten bei den Zulassungstests illegal ist.

    Volkswagen vertritt in der aktuellen Auseinandersetzung die Ansicht, dass mit der Milliardenstrafe in Deutschland die Verfahren in anderen europäischen Ländern hinfällig seien. Eine Anklage in Frankreich wegen identischer Vorwürfe würde zu einer doppelten Strafe wegen desselben Vergehens führen.

    Renault versuchte unterdessen, sich von Volkswagen zu distanzieren. „Was wir über den VW-Fall wissen, gilt überhaupt nicht für Renault“, sagte Chefingenieur Gilles Le Borgne am Dienstag. „Wir haben und hatten keine Abschalteinrichtungen in unseren Autos.“

    Die Vorwürfe gegen den Autobauer betreffen Modelle der Jahre 2009 bis 2017. Ende 2016 hatten Untersuchungen ergeben, dass in einigen Dieselfahrzeugen von Renault zwischen den gemessenen Abgaswerten bei der Zulassungsprüfung und dem Fahren unter Straßenbedingungen ein Unterschied von bis zu 377 Prozent liegen kann.

    Renault lieferte auch Dieselmotoren an Daimler, die unter Manipulationsverdacht standen. Die Franzosen haben allerdings stets ein etwaiges Mitwirken an unzulässigen Praktiken bestritten.

    Laut Medienberichten reisten die Ermittler Ende Mai auch in den Libanon, um den dort lebenden früheren Renault-Chef Carlos Ghosn zum mutmaßlichen Einsatz von Manipulationssoftware als Zeugen zu befragen.

    Mehr: Richter im Anlegerprozess bringt VW-Argumentation ins Wanken

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