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Martin Richenhagen Der erfolgreichste deutsche CEO in den USA geht in Rente

Der CEO von AGCO ist ein offener Kritiker von Donald Trump. Mit seinem Rücktritt hat Martin Richenhagen nun mehr Zeit für weitere Posten in Aufsichtsräten.
21.08.2020 - 19:25 Uhr Kommentieren
Der deutsche CEO in den USA geht in Rente. Quelle: imago/photothek
Martin Richenhagen

Der deutsche CEO in den USA geht in Rente.

(Foto: imago/photothek)

New York Deutsche Vorstandsvorsitzende sind selten in den USA: Martin Richenhagen war als CEO des Landmaschinenherstellers AGCO einer der erfolgreichsten von ihnen. Nun geht der 68-Jährige in Rente - und hat mehr Zeit für weitere Aufsichtsratsmandate. Richenhagen ist aber weit mehr als nur ein erfolgreicher Topmanager. Er ist auch eine der wichtigsten deutschen Stimmen in den USA. Der ehemalige Religionslehrer, der auch im Aufsichtsrat des deutsch-amerikanischen Industriegas-Konzerns Linde sitzt, gehört mittlerweile auch zu den deutlichsten Kritikern des US-Präsidenten Donald Trump.

Damit ist Richenhagen - ein Manager mit durchaus konservativen Werten - eine Ausnahme unter den Unternehmenschefs des Landes, die sich gerne wegducken, um den Zorn aus Washington nicht auf sich zu ziehen. Das zeigt ein Beispiel aus den Anfängen der Amtszeit von Donald Trump: Als Richenhagen nach den rassistischen Ausschreitungen in Charlottesville im Sommer 2017 im renommierten Business Council mit den CEOs von Amazon, Microsoft und IBM zusammensaß und vorschlug, einen gemeinsamen Brief an Trump zu verfassen, erntete er nur eins: eisige Stille.  

Richenhagen hielt diese Episode nicht davon ab, dann eben alleine den Mund aufzumachen. In der Coronakrise warf er Trump gegenüber dem Handelsblatt jüngst „völliges Versagen“ vor. Der Präsident habe der Wirtschaft unnötig stark geschadet. Auch die Handelspolitik des Präsidenten kritisierte der AGCO-CEO, weil sie den US-Farmern schadete. Trump zeige sich zwar als Freund der Farmer. Aber tatsächlich sei er der Präsident der, „der den Farmern in den vergangenen 30 Jahren am meisten geschadet hat“. Und er weiß wovon er spricht: Farmer sind seine Kunden.  

Als Vorsitzender des Kuratoriums des Thinktanks AICGS (American Institute for Contemporary German Studies) der renommierten Johns-Hopkins-Universität setzt er sich für den deutsch-amerikanischen Dialog ein. Dabei hat er keinen Zweifel: „Das deutsch-amerikanische Verhältnis war noch nie so schlecht wie heute“, sagte der Manager dem Handelsblatt. Die Ankündigung Trumps, amerikanische Stützpunkte in Deutschland abzubauen, nennt der Kenner beider Länder einen „Ausdruck weiterer Entfremdung zwischen Deutschland und den USA“

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    Mit dem Ende seiner Amtszeit bei AGCO dürfte Richenhagen nicht nur mehr Zeit für sein Amt im Thinktank und den deutsch-amerikanischen Dialog haben. Er dürfte auch ein interessanter Kandidat für weitere Aufsichtsräte sein, die seine internationale Perspektive und seine geistige Flexibilität zu schätzen wissen. Bei Linde saß er schon vor der Fusion mit Praxair in dem Gremium, und seine Expertise wird auch weiterhin geschätzt.

    Vom Religionslehrer zum CEO in den USA

    Richenhagen hat nicht nur in seinem politischen Urteil Flexibilität gezeigt, als er Trump als Unternehmer zunächst eine Chance gab, ihn dann aber offen für seine verfehlte Politik kritisierte. Auch ein Blick auf seinen Lebenslauf zeigt, dass Richenhagen neuen Wegen stets offen steht: Der gebürtige Kölner hatte nach seinem Lehramt-Studium zunächst als Religionslehrer begonnen und wurde dort sogar verbeamtet. Nebenher betrieb der leidenschaftliche Reiter auch einen Pferdehof.  

    Dort traf der junge Lehrer auf den Großindustriellen und späteren BDI-Vorsitzende Jürgen Thumann. Der fragte ihn, ob er nun für immer verwöhnte Kinder reicher Familien betreuen wollte und überredete ihn, bei Hille & Müller Stahl mit 33 Jahren eine Karriere in der Stahlindustrie zu beginnen. Es folgten Stationen bei Schindler, Claas und Forbo, bis ihm 2004 der entscheidende Schritt gelang: Gegen seine amerikanische Konkurrenz setzte er sich als neuer Chef des US-Landmaschinenhersteller AGCO in Atlanta durch.

    In den 16 Jahren bei AGCO baute er die kleine Holding mit einem Umsatz von weniger als zwei Milliarden zu einem weltweit tätigen Konzern aus, der zuletzt neun Milliarden Dollar umgesetzt hat. Zu den vielen Marken des Konzerns gehört unter anderem die deutsche Traktormarke Fendt. Sein Nachfolger bei AGCO wird der bisherige operative Vorstand (COO) des Unternehmens, Eric Hansotia.

    Richenhagen wird auch nach seinem Rücktritt und trotz aller Trump-Kritik in den USA wohnen bleiben. „Trump sind nicht die USA“, betonte er immer wieder. Außerdem hat sich der Vater dreier erwachsener Kinder in Georgia mit seiner Frau und den Pferden gut eingelebt und will die warme Art der Südstaaten nicht vermissen. Oder, wie er es selbst einmal ausgedrückt hat: „Wenn ich dort zum Frühstück in mein Stamm-Café gehe und mich die Kellnerin fragt: ‚Honey, the usual?‘, dann fühle ich mich zuhause“.

    Mehr: Der Top-Manager Martin Richenhagen warnt vor einer Entfremdung zwischen den beiden Ländern – und einem knappen US-Wahlausgang.

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