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Martina Merz Diese Frau soll für Ruhe bei Thyssen-Krupp sorgen

Die Aktionäre von Thyssen-Krupp wählen Martina Merz zur neuen Aufsichtsrätin – allerdings mit vielen Gegenstimmen. Warum ihr Skepsis entgegengebracht wird.
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Die 55-Jährige wurde zur Aufsichtsratsvorsitzenden von Thyssen-Krupp. Quelle: dpa
Martin Merz

Die 55-Jährige wurde zur Aufsichtsratsvorsitzenden von Thyssen-Krupp.

(Foto: dpa)

BochumBevor Martina Merz auf der Hauptversammlung von Thyssen-Krupp zur Aufsichtsrätin gewählt wurde, hatte die frühere Bosch-Managerin erst einmal ordentlichen Gegenwind aushalten müssen. „Overboarded“, also überbucht sei sie, so der Vorwurf vieler Aktionäre.

Die Anleger trauen der 55-Jährigen mit der burschikosen Kurzhaar-Frisur das Amt der Aufsichtsratschefin zwar dem Grunde nach zu. Doch angesichts der zahlreichen anderen Gesellschaften, die Merz ebenfalls beaufsichtigt, stellten viele die Frage: Hat sie überhaupt die Zeit, sich um den kriselnden Industriekonzern mit seinen 160.000 Mitarbeitern zu kümmern?

Neben Thyssen-Krupp hat Merz auch Mandate bei der Lufthansa inne, ebenso im Board of Directors bei Volvo und dem luxemburgischen Lkw-Zulieferer SAF Holland. Zu viel, urteilte auch Winfried Mathes, Corporate-Governance-Leiter der Deka, vor der Wahl in seiner Rede.

„Frau Merz hätte einschließlich des Aufsichtsratsvorsitzes bei Thyssen-Krupp acht statt der empfohlenen fünf Mandate“, so Mathes. Der Fonds, der 0,8 Prozent des Aktienkapitals hält, hat die Wahl der Aufsichtsrätin daher nicht unterstützt – wie auch 16,7 Prozent der anderen Aktionäre, die gegen ihre Ernennung stimmten.

Neben Merz wählten die Aktionäre auch den früheren Evonik-Manager Wolfgang Colberg in das Gremium, mit einer Zustimmung von 98,65 Prozent.

Zwar versprach die Managerin, ihre zahlreichen Mandate bis zur kommenden Hauptversammlung zu ordnen. Doch vor allem viele institutionelle Fonds haben spezielle Regularien, die sie in solchen Fällen zum Widerspruch zwingen.

Erste praktische Erfahrung mit der Mehrfachbelastung konnte Merz allerdings bereits sammeln: Schon seit einigen Wochen gehört sie dem Gremium auch ohne Wahl als gerichtlich bestellte Vertreterin an. Die Maschinenbauerin hatte einen der beiden Plätze übernommen, die mit den Rücktritten von Ulrich Lehner und René Obermann frei geworden waren.

Bereits da war klar, dass Merz den Vorsitz des Aufsichtsrats übernehmen würde. Denn zu ihren Unterstützern zählen die beiden Großaktionäre Krupp-Stiftung und der schwedische Investmentfonds Cevian, die zusammen rund 38 Prozent der Anteile halten.

Insofern war die erfolgreiche Merz-Wahl am Freitag keine Überraschung: Zusammen vereinten die beiden Eigentümer rund 50 Prozent der anwesenden Stimmrechte auf der Hauptversammlung.

Mit Merz bekommt der Konzern eine ordnende Hand, die Widerstände und Turbulenzen gewohnt ist. Bei Bosch war sie als Bereichsleiterin noch eine Exotin unter Männern. Sie führte zuletzt das Bremsengeschäft und damit dessen Verkauf. Im Prinzip verkaufte sie sich selbst mit.

Und das war nicht das erste Mal. Als Bosch vor 17 Jahren die Schießsystem-Sparte an Brose verkaufte, ging sie „ohne Rückfahrkarte“ mit der Mannschaft mit und musste den Personalabbau des Mittelständlers im Ex-Bosch-Bereich mit durchziehen. Den anderen etwas zumuten, ohne selbst ein Risiko einzugehen, das ging ihr gegen den Strich.

Erst später kehrte sie wieder zu Bosch zurück. „Sie hat als Führungskraft immer auch die Kommunikation zu den Mitarbeitern im Blick gehabt. Das ist nicht selbstverständlich“, erinnert sich ein Weggefährte bei Bosch. Das betone ihre integrative Kraft. Bei den Schwaben galt Merz aber auch als „Arbeitstier“, sie habe unheimlich viel geleistet.

Dass sie mal so weit kommen würde, war nicht von Anfang an klar. Die Schwäbin machte Mittlere Reife in Tuttlingen und konnte sich nur fürs Technische Gymnasium Villingen-Schwenningen entscheiden, weil die Klassensprecherin bei einem Schulfreund im Auto mitfahren konnte.

Beim späteren Studium auf dem Weg der praxisorientierten Berufsakademie spezialisierte sie sich auf Fertigungstechnik, „weil man da am meisten mit vielen verschiedenen Menschen zu tun hat“, sagte sie einmal. Berufsakademie war damals eine baden-württembergische Spezialität, bei der die Studierenden gleich Geld verdienten, aber dafür auch eng an die Firma – in diesem Fall Bosch – gebunden wurden.

Bewährt hat Merz sich dann aber in der Unternehmenspraxis. Sie schaffte es, Bremsen als „sehr emotionales Produkt“ zu beschreiben. In Europa würden zum Beispiel wegen der aggressiveren Fahrweise zupackende Bremsen bevorzugt. In den USA hingegen seien vor allem weiche Bremsen gefragt.

Und die Japaner hätten wieder andere Vorlieben. Ihre – meist männlichen – Geschäftspartner müssen keine übertrieben große Rücksicht nehmen: „Ich kann auch rustikal werden“, hat sie mal in einem Zeitungsinterview gesagt.

Früher sei es auch schon mal vorgekommen, dass sie mit einem Geschäftspartner ins verruchte Cabaret Crazy Horse in Paris musste. Aber Erfahrung mit etwas verrückten Zuständen kann als Vorbereitung auf den Thyssen-Krupp-Aufsichtsrat ja nicht schaden.

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