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Mary Barra

Die GM-Vorstandsvorsitzende fürchtet keine starken Männer.

(Foto: AFP)

Mary Barra Die GM-Chefin zieht den Zorn von US-Präsident Trump auf sich

Die GM-Vorstandschefin will gleich mehrere Werke in den USA schließen. Trump will das verhindern – doch Barra bleibt bei ihrem Plan.
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New York Mary Barra hat keine Angst vor starken Männern. Die GM-Vorstandsvorsitzende war gerade drei Monate im Amt, als der Star-Investor Warren Buffett sich im Frühjahr 2014 von einem großen Aktienpaket trennte – weil der Autokonzern mit defekten Zündschlössern zu kämpfen hatte. Die heute 56-Jährige Barra setzte sich ins Flugzeug nach Omaha und chauffierte den Milliardär in dessen acht Jahre altem Cadillac DTS ins Restaurant.

Noch während der Fahrt überzeugte die Elektro-Ingenieurin den gewieften Investor nicht nur von sich und ihren Plänen, sondern auch davon, einen neuen Cadillac aus GM-Produktion zu kaufen. „Nach fünf oder sechs Minuten hatte sie mich überzeugt“, sagte Buffett später und erhöhte seinen Bestand an GM-Aktien deutlich.

In diesen Tagen hat es Barra mit einem noch viel mächtigeren Mann zu tun, der oft deutlich impulsiver und weniger rational als Buffett agiert. Die einzige Frau unter den Auto-CEOs weltweit hat die Wut des US-Präsidenten Donald Trump auf sich gezogen.

Der Grund: Barra hat am Montag angekündigt, dass sie mehr als 14.000 Stellen streichen und insgesamt fünf nordamerikanische Werke schließen wird. Darunter eines im politisch umkämpften Bundesstaat Ohio, der Trump besonders am Herzen liegt.

Trump, der Barra bisher durchaus schätzte, berichtete von einem Telefonat mit ihr. „Ich habe gesagt: Ich hoffe, das Werk bleibt nicht lange geschlossen, Mary. Denn wenn dem so ist, dann hast Du ein Problem“, zitierte er sich selbst. „Ich habe gesagt, Ihr spielt mit der falschen Person“. Die USA hätten GM damals gerettet und der Konzern könne sich nicht einfach aus Ohio zurückziehen. Lieber solle GM in China kürzen.

Barra begründete ihren drastischen Schritt mit der veränderten Autowelt. Vor allem die klassischen Mittelklassewagen verkaufen sich nicht mehr. Die Amerikaner wollen fast nur noch SUVs und Pick-ups. Ford und Fiat Chrysler haben ihre Produktpalette deshalb schon längst umgestellt. Nun ist GM dran. Außerdem will sich Barra stärker auf E-Autos und Autonomes Fahren konzentrieren. In diese Bereiche sind zuletzt Milliarden geflossen.

Die harten Einschnitte kommen zu einer Zeit, in denen der größte US-Autobauer immer noch gut verdient. Im vergangenen Jahr hat GM einen Rekordgewinn von knapp 13 Milliarden Dollar realisiert. In diesem Jahr waren es in den ersten neun Monaten immerhin sechs Milliarden Dollar. „Wir gehen diese Schritte, solange das Unternehmen und die Wirtschaft stark sind“, erklärte Barra die Wahl des Zeitpunkts. So soll GM für den sich ändernden Markt gewappnet sein.

Die gestiegenen Zölle machte Barra nicht direkt für ihre Entscheidung verantwortlich. Aber sie seien Teil der „Gegenwinde“, die das Unternehmen derzeit spüre, erklärte sie. Die Kosten durch Trumps Strafzölle auf Stahl und Aluminium hat GM für 2018 mit einer Milliarde Dollar beziffert.

Analysten bemängeln schon lange, dass GM zu viele Werke an verschiedenen Orten betreibe. Entsprechend fällt nun das Lob aus. Barras Pläne seien „ein Zeichen für eine gesündere und diszipliniertere Autoindustrie“, schrieb Citigroup-Analyst Itay Michaeli

„Mary Barra bringt GM in das 21. Jahrhundert, indem sie proaktiv fast jeden Teil des US- und globalen Geschäfts umstülpt“, urteilt Analystin Rebecca Lindland von Kelley Blue Book. Auch der frühere Konzernchef Bob Lutz lobt: „Wir sehen heute ein Management, das schnell agiert und sich der Realität anpasst.“

Als langjährige GM-Frau – Barra fing schon als Werksstudentin in Detroit an und machte dank GM-Stipendium ihren MBA in Stanford – kennt Barra den Konzern besser als viele andere Manager. Das hält sie aber nicht davon ab, mit der Vergangenheit zu brechen: In Europa hat sie sich von der Problemtochter Opel getrennt.

Aus Australien hat sie sich komplett zurückgezogen. Sie reformierte den größten US-Autohersteller grundlegend und richtete ihn konsequent auf Profitabilität aus. Und sie machte mit Dhivya Suryadevara eine erst 39-jährige Inderin zum Finanzvorstand. „America First“ gilt bei Barra nur, wenn es sich auch rechnet.

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