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Maschinenbau Aktionäre verlieren das Vertrauen in die Heideldruck-Führung

Der Maschinenbauer hat seine Prognose gesenkt. Auf der Hauptversammlung wurden Zweifel laut, ob Rainer Hundsdörfer noch der Richtige an der Spitze ist.
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Vermietungsverträge sollen das Unternehmen konjunkturunabhängiger machen. Quelle: dpa
Druckmaschinen von Heideldruck

Vermietungsverträge sollen das Unternehmen konjunkturunabhängiger machen.

(Foto: dpa)

Mannheim, Frankfurt Der Autor Manfred Hammes schildert in seinem Buch „Durch den Süden Frankreichs“ eine Anekdote, die man bei der Heidelberger Druckmaschinen AG eigentlich mit großem Amüsement lesen müsste. In früheren Zeiten, so heißt es in dem Reiseführer, hätten sogenannte „Casseurs“ (Kaputtmacher) alte Maschinen der Firma aufgekauft und zerstört. Auf wessen Geheiß die Berufszerstörer unterwegs waren, sei nicht bekannt – aber es ging offenbar darum, eine Zweitverwertung zu verhindern.

Doch in der Konzernzentrale ist derzeit niemandem zum Lachen zumute. Auch im Mannheimer Kongresszentrum Rosengarten, wo am Donnerstag die Aktionäre zur Hauptversammlung zusammenkamen, war die Stimmung gedrückt. Und die Zerstörer sahen sie eher in den Reihen des Managements. „Es ist eine echtes Trauerspiel. Heideldruck geht in Richtung Pennystock“, monierte Kleinaktionärsvertreterin Jella Benner-Heinacher von der DSW.

Das Traditionsunternehmen – einst eine reine Gelddruckmaschine – steckt seit zwölf Jahren in einer Krise. Und die wird, so scheint es, immer heftiger. Am vergangenen Mittwochabend senkte das Unternehmen seine Prognose für das Gesamtjahr. Beim Gewinn wird nun nur noch eine schwarze Null erwartet. Bei der Bilanzpressekonferenz vor wenigen Wochen hatte der scheidende Finanzchef Dirk Kaliebe zumindest noch den Vorjahreswert von 21 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Doch im ersten Geschäftsquartal (bis 30. Juni) verdoppelte sich der Nettoverlust auf rund 31 Millionen Euro, das Versprechen ist somit nicht mehr zu halten. Auch der geplante Abgang des langjährigen Finanzchefs Ende September wurde harsch kritisiert. „Wir haben den Eindruck, einer der Kapitäne verlässt das sinkende Schiff“, befürchtete ein Kleinaktionär. Einen Nachfolger konnte Aufsichtsratschef Siegfried Jaschinski noch nicht präsentieren.

Seit der Gewinnwarnung laufen die Investoren in Scharen davon. Die Aktie brach am Donnerstag vergangener Woche, dem Tag nach der Hiobsbotschaft, um bis zu 17 Prozent auf gut 1,12 Euro ein. Zur Hauptversammlung ist die Notierung sogar unter die Ein-Euro-Grenze gesackt. Die einstige Perle des deutschen Maschinenbaus kostet auf dem Parkett keine 300 Millionen Euro mehr. „Wir sind zum Spielball von Finanzhaien geworden“, rief ein Kleinaktionär.

Ein Desaster vor allem für den CEO Rainer Hundsdörfer. Seit November 2016 führt er das Unternehmen, mit großen Ideen und Versprechungen ist er angetreten. Geliefert hat der Manager bis jetzt nicht. Und so werden die Zweifel immer lauter, ob Hundsdörfer noch der Richtige an der Spitze des Unternehmens ist.

Neues Geschäftsmodell

„Der Aufsichtsrat steht voll und ganz hinter der digitalen Transformationsstrategie des Vorstands“, betonte Jaschinski. Dabei ist es weniger die aktuelle Strategie, die in der Kritik steht. Heidelberger Druck leidet seit Jahren unter einem Marktumbruch. Das klassische Printgeschäft ist geschrumpft, auf Kundenseite haben sich viele der mittelständischen Druckereien konsolidiert. Der lange lukrative Verkauf von „Druckwerken“ schwächelt.

Hundsdörfer setzt deshalb unter anderem auf das sogenannte Subskriptionsmodell. Statt Maschinen will das Unternehmen den Kunden garantiertes Druckvolumen verkaufen. Das soll dem Unternehmen regelmäßig fließende Einnahmen bescheren.

Das Ziel: Der Umsatz soll innerhalb von fünf Jahren um 500 Millionen Euro wachsen und das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 100 Millionen. Die Werte sind jedoch in weite Ferne gerückt. Trotzdem verteidigte Hundsdörfer seine Strategie am Donnerstag einmal mehr: „Der digitale Umbruch geht nicht über Nacht, aber er ist alternativlos.“

„Der digitale Umbruch geht nicht über Nacht, aber er ist alternativlos.“ Quelle: imago/sepp spiegl
Vorstandschef Rainer Hundesdörfer

„Der digitale Umbruch geht nicht über Nacht, aber er ist alternativlos.“

(Foto: imago/sepp spiegl)

Doch das Pflänzchen Subskription ist zu zart, um die Einbrüche im Kerngeschäft zu kompensieren. Der Umbau sei richtig, werde aber vom CEO mit zu wenig Elan vorangetrieben, ist in Mitarbeiterkreisen und immer stärker auch auf der Führungsebene zu hören. „Wir haben den Eindruck, Sie stehen eher auf der Bremse, anstatt Gas zu geben“, monierte auch Aktionärsvertreterin Benner-Heinacher.

Zu dem desolaten Gesamtbild bei Heidelberger mag beitragen, dass Hundsdörfer bei öffentlichen Auftritten auffällig desinteressiert wirkt. Bei der Bilanzpresskonferenz etwa spielte der CEO während des Vortrags seines Kollegen Kaliebe für jeden sichtbar mit dem Smartphone. Auch gestern wirkte der Manager nicht sehr leidenschaftlich.

Fest steht: Der Verweis auf das Marktumfeld und die Gewinnwarnungen anderer Unternehmen als Begründung für das Verfehlen der selbst gesteckten Ziele zieht bei Investoren nicht mehr. Hundsdörfer steuert jetzt gegen und will Randaktivitäten für 30 Millionen Euro verkaufen und die Investitionen um 20 Millionen Euro kappen.

Kleinaktionäre machen sich Sorgen, ob das Unternehmen den Konjunkturabschwung mit einer Eigenkapitalquote von 13 Prozent meistern kann. „Wir sind akut nicht gefährdet“, versicherte Hundsdörfer. Er ließ aber durchblicken, dass er einen weiteren industriellen Investor begrüßen würde.

Im März hatte sich der chinesische Weiterverarbeiter im Verpackungsdruck, Masterwork, mit 8,5 Prozent an Heideldruck beteiligt. Masterwork-Mitgründerin LiLi stellte sich vor und wird in den Aufsichtsrat einziehen. Wie Aufsichtsratschef Jaschinski sagte, können die Chinesen nach dem Vertrag innerhalb von acht Jahren ihren Anteil auf 20 Prozent erhöhen. Kleinaktionäre sehen die Kurpfälzer schon ganz unter roter Flagge.

Mehr: Der Einstieg der chinesischen Masterwork Group bringt nicht nur frisches Geld, er dürfte der Heideldruck auch mehr Zeit für den geplanten Umbau geben.

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