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Maschinenbau Heidelberger Druckmaschinen kommt beim Umbau nur langsam voran

Die digitale Transformation bei dem Maschinenbauer geht nicht so schnell voran wie erhofft. Das Management glaubt aber weiter an seine Strategie.
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Heidelberger Druckmaschinen übernimmt das Software-Start-up Crispy Mountain aus Mainz. Quelle: dapd
Druckmaschinen von Heidelberg

Heidelberger Druckmaschinen übernimmt das Software-Start-up Crispy Mountain aus Mainz.

(Foto: dapd)

Frankfurt Die Unterschriften wurden gerade noch rechtzeitig vor der Bilanzpressekonferenz trocken. Heidelberger Druckmaschinen übernimmt das Software-Start-up Crispy Mountain aus Mainz. Die Jungfirma bietet eine Cloudlösung, die Druckereien beim Management ihrer Aufträge hilft.

Für Heidelberg-Chef Rainer Hundsdörfer ist es ein Deal, der genau zur richtigen Zeit kommt. Denn er liefert wichtige Munition für eine Diskussion, der sich der CEO zunehmend stellen muss: Geht die Strategie auf, das Traditionsunternehmen digital umzubauen?

Hundsdörfer ist davon überzeugt: „Wir fühlen uns bestätigt. Heidelberg goes digital ist der Weg für Heidelberg, um profitables Wachstum zu erreichen“, sagte der CEO am Donnerstag bei der Bilanzkonferenz des Unternehmens in Frankfurt. Doch die Zweifel wachsen. Seit Ende Januar hat die Aktie über 30 Prozent an Wert verloren – ein klares Zeichen für fehlendes Vertrauen der Investoren in die Wachstumsstory des Unternehmens.

Heidelberger Druckmaschinen, einst eine Perle des deutschen Maschinenbaus mit stattlichen Renditen, leidet seit Jahren unter einem Marktumbruch. Das klassische Printgeschäft ist geschrumpft, auf Kundenseite haben sich viele der mittelständischen Druckereien konsolidiert, und moderne Maschinen erledigen die Arbeit heute deutlich effizienter. Der lange lukrative Verkauf von „Druckwerken“ schwächelt.

Hundsdörfer setzt deshalb unter anderem auf das sogenannte Subskriptionsmodell. Statt Maschinen will das Unternehmen den Kunden garantiertes Druckvolumen verkaufen beziehungsweise vermieten. Die Druckerei kauft keine Maschine und Farbe mehr, alles kommt von Heidelberg. Das soll dem Unternehmen besser planbare, weil regelmäßig fließende Mieteinnahmen bescheren.

Zudem will Hundsdörfer so den Marktanteil im Geschäft mit Verbrauchsmaterialien steigern. „Die Zyklizität gibt es immer noch. Es ist deshalb sehr sinnvoll, ein Geschäftsmodell zu haben, das von dieser Zyklizität isoliert ist“, verteidigte Hundsdörfer seine Strategie. Acht Prozent des Auftragsbestands stamme bereits aus dem Abo-Modell.

Ziele verfehlt

Das Problem: Mit der Ankündigung des digitalen Umbaus vor fast genau zwei Jahren hatte Hundsdörfer ehrgeizige Ziele verbunden. Der Umsatz sollte innerhalb von fünf Jahren um 500 Millionen Euro wachsen. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibung (Ebitda) um 100 Millionen.

Zwei Jahre später erscheint dieses Ziel weit entfernt zu sein. Die am Donnerstag vom CEO und dem scheidenden Finanzchef Dirk Kaliebe vorgestellten Zahlen sind zumindest in Bezug auf dieses Ziel wenig ermutigend.

So stieg der Umsatz im abgelaufenen Fiskaljahr 2018/2019 (zu Ende März) zwar um drei Prozent auf 2,49 Milliarden Euro. Das entspricht der Prognose des Unternehmens. Doch werden die Zahlen vom Geschäftsjahr 2017/2018 als Basis genommen – also jenem Zeitraum, als Hundsdörfer seine Fünf-Jahres-Prognose in den Raum stellte – ergibt sich ein leichter Rückgang. Damals lag der Umsatz bei 2,59 Milliarden Euro. Kaum besser ist das Bild beim Ergebnis. Im Jahresvergleich stieg das Ebitda zwar von 172 auf 180 Millionen Euro. Für 2017/2018 stand aber ein Wert von 179 Millionen Euro in den Büchern: die Verbesserung ist also marginal.

In den Augen von Kaliebe ist eine solche Betrachtung allerdings etwas ungerecht. „Wir haben das vierte Jahr in Folge ein positives Nachsteuerergebnis und sind solide finanziert“, sagte der Finanzchef. Heidelberg sei profitabel, „auch wenn wir aus Sicht des Vorstands noch zu wenig profitabel sind“. Gleichzeitig deutete Hundsdörfer aber an, dass sich das Erreichen des mittelfristigen Umsatzziels verzögern wird: „Aus momentaner Sicht werden wir es nicht hinkriegen. Aktuell ist es fast unmöglich, hier eine konkrete Prognose abzugeben. Aber wir werden wachsen.“

Einen Grund, die Strategie aufzugeben, sehen deshalb aber weder Hundsdörfer noch Kaliebe. Das Subskriptionsmodell brauche etwas Zeit, bis es seine volle Kraft entfalte, betonen beide mehrfach in Frankfurt. Dennoch wird die Geduld der Investoren auch im laufenden Jahr gefragt sein. Denn für das aktuelle Geschäftsjahr kann das Management keine wirklich guten Nachrichten liefern.

Angesichts der schwächelnden Konjunktur und der geopolitischen Unsicherheiten würden sich die Kunden mit Investitionen zurückhalten, gerade was Ausgaben in neue Technologien wie den Digitaldruck angeht, erklärte Kalieb. Unter dem Strich erwartet er deshalb lediglich stabile Werte bei Umsatz und beim Ergebnis auf Ebitda-Basis.

Zu allem Überfluss hat vor einigen Wochen auch noch das Bundeskartellamt die Wachstumspläne des Unternehmens durchkreuzt. Es untersagte Heidelberg den Erwerb des kleinen Spezialisten für Falzmaschinen MBO. Der hat zwar nur ein Umsatzvolumen von rund 50 Millionen Euro. Doch die Kartellwächter sahen eine marktbeherrschende Position in der Nische Bodenfalzmaschinen. Für Hundsdörfer ist die Entscheidung schwer nachzuvollziehen.

„Wir wären niemals in das Verfahren gegangen, wenn wir das nicht vorher genau geprüft hätten“, sagt er. Das Kartellamt habe bei der Marktdefinition viel zu viel hineingepackt. „Das schafft nicht die Randbedingungen, die der deutsche Maschinenbau im Wettbewerb mit den Chinesen braucht“, beklagte der Heidelberg-Chef. Für ihn sei es im Kleinen das Gleiche, wie die nicht nachvollziehbare Entscheidung, Siemens und Alstom im Eisenbahnbereich nicht fusionieren zu lassen.

Mehr: Die Bergbau- und Baumaschinenmesse zeigt: Am elektrischen Antrieb kommen auch die Hersteller von Baggern, Muldenkippern und Kränen nicht vorbei.

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