Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Matthias Berninger Im Monsanto-Strudel – Cheflobbyist von Bayer ist ausgerechnet ein Grüner

Der neue Cheflobbyist des Konzerns ist verantwortlich für ethische Fragen – und muss nun den Skandal um Spitzel-Listen von Monsanto aufklären.
Kommentieren
Bis 2007 saß er für die Grünen im Bundestag. Quelle: Anadolu Agency/Getty Images
Matthias Berninger

Bis 2007 saß er für die Grünen im Bundestag.

(Foto: Anadolu Agency/Getty Images)

DüsseldorfAm Mittwoch bekam Bayer-Chef Werner Baumann Post von den Grünen. Mehrere Bundestagsabgeordnete bekunden darin ihren Unmut über die Spitzellisten der Bayer-Tochter Monsanto. Sie verlangen, die von Monsanto 2016 angelegte Datenbank über Gegner offenzulegen. Schließlich könnten auch sie dazugehören, denn Monsanto und die Grünen verbindet seit jeher eine Erzfeindschaft.

Mit dem Wunsch hätten sich die Grünen aber gar nicht an den CEO wenden müssen. Es hätte der kurze Dienstweg über die Partei gereicht. Denn derjenige, der bei Bayer den Skandal aufklären soll, ist einer aus den eigenen Reihen. Matthias Berninger, bekennender Grüner und bis 2007 für die Partei im Bundestag, ist seit Jahresbeginn Cheflobbyist des Konzerns. Bayer hat dem 48-Jährigen eigens eine neu zugeschnittene Abteilung geschaffen, die Public Affairs und Nachhaltigkeit verbindet.

Ein Grüner bei Bayer? Das lässt aufhorchen. Schließlich sind Agrarchemie, gentechnisch verändertes Saatgut und große Marktmacht – also alles, wofür Bayer seit dem Monsanto-Kauf steht – für die Grünen Teufelszeug. Berninger muss dies nun öffentlich verteidigen, inklusive dem umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat.

„Ich bin nicht zu Bayer gegangen, obwohl ich Grüner bin, sondern weil ich Grüner bin“, sagt der neue Cheflobbyist. Er kenne kein Unternehmen, das intensiver dazu beitragen könnte, die Nachhaltigkeitsziele der UN zu erreichen, wozu auch die Bekämpfung des Hungers zählt. Berninger ist überzeugt von der Logik der Fusion mit Monsanto, von der Vision, mit neuem Saatgut und Digitaltechnik die Landwirtschaft zu revolutionieren.

Berningers Ressort kümmert sich aber nicht um die Entwicklung neuer Techniken, sondern um Ethik und Anstand. Es soll über alle Bayer-Geschäfte hinweg dafür sorgen, dass in dem weitverzweigten Konzern nach vorgegebenem Wertekodex gearbeitet wird. Und das ist eine Herausforderung, seit Bayer den schlecht beleumundeten Monsanto-Konzern übernommen hat.

Die Aufklärung der Affäre um die Spitzellisten ist die erste Prüfung für den Manager, der zuletzt in den USA sieben Jahre lang beim Schokoriegelhersteller Mars für „Global Public Affairs“ verantwortlich war. Bayer hatte seit Frühsommer 2018 um die Dienste des früheren Politikers geworben und ihm zugestanden, dass er in den USA bleiben und den Job von Washington aus erledigen kann.

Es ist ein geschickter Zug von Bayer, einen Lobbyisten aus dem Lager des politischen Gegners zu verpflichten. Berninger galt stets als wirtschaftsfreundlicher Realo, in den 90er-Jahren war der ausgebildete Lehrer (Politik, Chemie) Mitglied der „Pizza-Connection“. Dabei handelte es sich um einen Kreis von CDU- und Grünen-Abgeordneten, die sich in Bonn beim Italiener austauschten.

Die Arbeit bei dem verschwiegenen Familienunternehmen Mars war für ihn eher ein sanfter Einstieg in die harte Wirtschaftswelt, nun aber erhöht sich der Schwierigkeitsgrad drastisch. Dass Monsanto Listen mit Details und Bewertungen von Politikern, Journalisten und Aktivisten gesammelt hat, hält Berninger für „komplett unangemessen“. Für die erste Reaktion inklusive Entschuldigung hat er das vorige Wochenende durchgearbeitet – geplant hatte der fünffache Vater eigentlich einen größeren Muttertags-Einsatz.

Berninger selbst hält es für möglich, dass Monsantos Vergangenheit noch weitere Überraschungen bereithält. Zugleich macht er klar, dass er durchgreifen will. „Verstöße gegen Wertegrundsätze werden unter meiner Führung keinesfalls toleriert“, sagt er. Dass diese Grundsätze eingehalten werden, sei für Bayer „wichtiger als etwaige Erfolge“.

Die roten Linien definiert Berninger anhand eigener Erfahrung: 2005 war er als Staatssektretär im Verbraucherschutzministerium für die EU-Tabakverordnung mitverantwortlich. Da habe er die aggressiven Taktiken der Tabakindustrie aus nächster Nähe zu spüren bekommen. „Insofern hab ich ein Gefühl dafür, was inakzeptabel ist.“

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Matthias Berninger - Im Monsanto-Strudel – Cheflobbyist von Bayer ist ausgerechnet ein Grüner

0 Kommentare zu "Matthias Berninger: Im Monsanto-Strudel – Cheflobbyist von Bayer ist ausgerechnet ein Grüner "

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.