Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Matthias Müller „Verbrenner mit Diesel- und Ottomotor sind eben nicht tot“ – Ex-VW-Chef macht Wahlkampf für die FDP

Mitte März wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt. Der frühere Volkswagen-Konzernchef unterstützt dabei die Freidemokraten.
10.02.2021 - 04:00 Uhr 4 Kommentare
Vor fast drei Jahren bei VW ausgeschieden, jetzt kommt etwas Politik dazu: Der ehemalige Vorstandsvorsitzende hilft der FDP im Landtagswahlkampf. Quelle: Reuters
Matthias Müller

Vor fast drei Jahren bei VW ausgeschieden, jetzt kommt etwas Politik dazu: Der ehemalige Vorstandsvorsitzende hilft der FDP im Landtagswahlkampf.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Manager und Unternehmer engagieren sich eher selten in der Politik. Bei Matthias Müller ist das anders. Der frühere VW-Konzernchef bekennt sich offen zu seiner politischen Heimat. Mitte März wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt – und Müller möchte der FDP, in der er selbst seit einem Jahr Mitglied ist, zu einem möglichst guten Abschneiden verhelfen.

Am vergangenen Wochenende hat Müller, der vor bald drei Jahren bei Volkswagen ausgeschieden ist, im Rahmen einer digitalen Diskussionsrunde mit dem baden-württembergischen FDP-Spitzenkandidaten Hans-Ulrich Rülke seinen ersten Wahlkampfauftritt absolviert.

Müllers politische Positionen sind „typisch FDP“. Er plädiert für weniger Staat, mehr Wettbewerb und verlässliche Rahmenbedingungen. „Ich hoffe und bin mir sicher, dass die FDP die Partei ist, die ansatzweise Antworten darauf gibt, wie solche Rahmenbedingungen ausschauen sollten“, sagte Müller bei seinem Wahlkampfauftritt.

Solche Engagements wie im baden-württembergischen Landtagswahlkampf dürften für Müller allerdings eher die Ausnahme bleiben. „Ich strebe keine politische Karriere an“, ergänzte er später im Gespräch mit dem Handelsblatt. Ihm gehe es in erster Linie darum, politisch Position zu beziehen. Die FDP erscheint ihm dafür am besten geeignet. Müller lebt in Stuttgart. Das erklärt, warum er sich für die FDP Baden-Württemberg einsetzt.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Auch wenn Matthias Müller, 67, im Volkswagen-Konzern keinen Posten mehr bekleidet, ist seine Verbindung zur Automobilindustrie unverkennbar. In der Runde mit dem FDP-Spitzenkandidaten warnte er ausdrücklich davor, künftig ausschließlich auf die Elektromobilität zu setzen. Herbert Diess, sein Wolfsburger Nachfolger als VW-Konzernchef, klingt da schon etwas anders. Denn kaum ein Tag vergeht, an dem Diess nicht auf die besonderen Vorzüge der Elektroautos verweist.

    Beitrag der Verbrenner zur Dekarbonisierung

    „Verbrenner mit Diesel- und Ottomotor sind eben nicht tot“, betonte hingegen Müller, „durch technologieoffene Lösungen haben sie eine Zukunft.“ Im Jahr 2030 seien auf Deutschlands Straßen immer noch 30 bis 40 Millionen Verbrennerfahrzeuge unterwegs. Wenn diese Autos künftig beispielsweise mit synthetischen Kraftstoffen betankt würden, könnten sie sogar einen Beitrag zur Dekarbonisierung des Verkehrs leisten.

    Der frühere VW-Chef sorgt sich um Arbeitsplätze, wenn die Verbrennerfahrzeuge zu schnell auf dem Schrottplatz landen sollten. Die deutschen Automobilhersteller und ihre Zulieferer seien stark und innovationsfähig genug, um umweltgerechte Lösungen für den Fahrzeugbestand zu entwickeln. „Dekarbonisierung findet nicht statt durch Deindustrialisierung“, warnte Müller.

    Aus seiner Sicht machen Politiker in Berlin und Brüssel zu rigide Vorgaben. Der Automobilindustrie werde zu wenig Freiraum gegeben, um anspruchsvolle ökologische Lösungen zu entwickeln. Ganz im Sinne eines Liberalen empfindet Müller ein zu enges staatliches Korsett als Gängelei: „Am Ende soll der Kunde entscheiden, welchen Energieträger er in seinem Auto zur Verfügung haben möchte.“

    Ausgesprochen unzufrieden ist Müller auch mit dem, was in Deutschland in Sachen Digitalisierung passiert. „Wir fallen jede Woche, jeden Monat im weltweiten Vergleich zurück“, beklagte er. Das gelte gleichermaßen für die Industrie und die Bildung. In den Schulen hätte schon vor zehn Jahren mit der Digitalisierung begonnen werden können, wenn beispielsweise ausreichend WLAN-Netze aufgebaut und mehr Computer gekauft worden wären.

    Schulterschluss zwischen Politik und Wirtschaft

    Müller plädierte dann noch für mehr Gemeinsamkeit zwischen der Politik und seiner Branche, der Automobilindustrie. „Die Politik hat sich in der Dieselkrise von der Automobilwirtschaft abgewendet. Es wird höchste Zeit, dass Politik und Wirtschaft wieder einen Schulterschluss suchen und dass ideologische Ansprüche nach hinten rücken“, forderte er auf der FDP-Veranstaltung.

    Ganz ohne Corona ging es allerdings auch für Matthias Müller nicht. Er ist unzufrieden damit, wie die staatlichen Stellen bislang die Impfkampagne gemanagt haben. Müller sprach zwar nicht offen von Fehlplanung, doch sein Vergleich mit der Automobilindustrie war mehr als deutlich: „Das wäre gerade so, als ob wir uns erst nach der Entwicklung eines Autos überlegen würden, wo und in welchen Stückzahlen wir dieses Fahrzeug produzieren.“

    Auch die Verteilung der Impfstoffe hätte anders laufen sollen. „Irgendwo müssen wir ein Stück weit an Deutschland denken und nicht nur an andere“, verlangte er und sprach von mehr „Germany first“. Eine durchaus heikle Aussage. Deshalb setzte Müller gleich nach: „Bitte ordnen Sie mich jetzt nicht dem rechten Lager zu.“

    Mehr: Piëch holt Ex-VW-Chef Matthias Müller an Bord

    Startseite
    Mehr zu: Matthias Müller - „Verbrenner mit Diesel- und Ottomotor sind eben nicht tot“ – Ex-VW-Chef macht Wahlkampf für die FDP
    4 Kommentare zu "Matthias Müller: „Verbrenner mit Diesel- und Ottomotor sind eben nicht tot“ – Ex-VW-Chef macht Wahlkampf für die FDP"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Hr. Schreiber bringt es auf den Punkt.

      Ob idealistisch getrieben oder einfach nur der gesellschaftliche & technische Fortschritt sowie Klimaschutz (klammert man gerne aus; ganz und gar nicht idealistisch). Der Verbrenner ist in der Zukunft nur noch Nische. Meinungen, wie von Hrn. Müller reflektieren typischerweise die Meinung der ewig Gestrigen. Man schaue sich den Automobilmarkt an. Das ist keine Momentaufnahme.

      Ich stehe den batterieelektrisch-betriebenen Fahrzeugen auch kritisch gegenüber, aber der Markt Verbrenner (Diesel und Benzin) wird immer kleiner.

    • Herr Müller kann politisch in Deutschland erfolgreich sein. Und damit dem Verbrenner in Deutschland eine Zukunft eröffnen. Aber der Weltmarkt wird kleiner.

      Folgende Länder wollen in folgenden Jahren Neufahrzeuge mit Verbrennungsmotoren verbieten:

      Norwegen: 2025
      Schweden: 2030
      Dänemark: 2030
      Niederlande: 2030
      Irland: 2030
      Slowenien: 2030
      Island: 2030
      in China in ersten Provinzen: 2030
      Kalifornien: 2035
      Frankreich: 2040
      Lettland: 2040
      Großbritannien: 2040

    • Ich habe mir Ende 2020 2 Plug-in-Hybrid-Neufahrzeuge gekauft. Sehr enttäuscht bin ich über die Reichweiteneinbuße von 30 - 50 % aufgrund der niedrigen Außentemperaturen. Dass ich einmal mit dem Mantel Auto fahren muss, um die Heizung zu drosseln, hätte ich mir niemals träumen lassen. Die Elektromobilität wird ein Rohrkrepierer, da sie letztendllich nur von Idealisten gepuscht wird. Die Physik kann man nicht überlisten. Warten wir mal ab, wenn die Förderprogramme auslaufen.

    • Es gibt so einen wunderbaren, ehrlichen und wahren Spruch: "Erst das Fressen, dann die Moral".
      Mir persönlich ist kein normaler Mensch bekannt, der erst an andere denkt bevor er an sich selbst denkt. Selbst Mutter Theresa nützte ihr Bekanntheitsgrad und ihr Verhalten massiv, um dann gesund und stark sich für andere einzusetzen. Auch ein Vergleich mit dem Feuerwehrmann oder Feuerwehrfrau im Einsatz: Der Eigenschutz hat höchste Priorität bevor man andere hilft und rettet.

      In Deutschland verlangt die momentane Politik, dass man auf alle Wünsche der Welt Rücksicht nimmt und deren Themen löst bevor man an eigene Probleme denkt. Die Menschen in Deutschland werden von der Politik alleine gelassen. Dazu kommt, dass Lösungen sehr oft irrational mit massiver Geldverschwendung zu Lasten des deutschen Steuerzahlers einhergehen und dem Land und den Menschen meist nicht effektiv helfen. Das Thema Hilfe zur Selbsthilfe und Befähigung und Unterstützung zu langfristigen, selbst erarbeiteten Lösungen tritt zu oft in den Hintergrund. Schnelle, teure und ineffektive Lösungen durch massive Geldausschüttungen sollen helfen?

      Zur Coronakrise muss man eindeutig feststellen, dass die Regierung zu gerne nur auf jene Berater hört, die ihr nach dem Mund reden. Kritische und gut informierte Lösungsansätze wie die des Präsidenten der Kassenärztlichen Vereinigung werden überhört. Das ist nicht nur teuer sondern kostet auch Menschenleben, tausende Menschenleben.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%