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Matthias Zachert Lanxess-Chef: „Die Chinesen allein werden die Weltwirtschaft nicht retten“

Der CEO des Spezialchemiekonzerns hält die USA für das größte Risiko, wenn es um die Erholung der Konjunktur geht. Denn auch China brauche Amerika als Absatzmarkt.
18.08.2020 - 12:00 Uhr Kommentieren
Der Spezialchemie-Riese hofft auf den Aufschwung. Quelle: obs
Lanxess-Chef Matthias Zachert

Der Spezialchemie-Riese hofft auf den Aufschwung.

(Foto: obs)

Düsseldorf Die Chemieindustrie gilt als wichtiger Indikator für die Lage der Weltwirtschaft, weil sie praktisch alle Branchen beliefert. Trotz schlechter Zahlen im abgelaufenen Quartal hat die Branche zuletzt Signale der Erholung ausgesendet. Lanxess-Chef Matthias Zachert dämpft im Handelsblatt-Interview jedoch die Euphorie.

Zwar habe die Wirtschaft in China „schon ordentlich an Fahrt gewonnen“, sagt Zachert. Aber der Vorstandschef des Spezialchemiekonzerns ist überzeugt: „Als größte Volkswirtschaft sind die USA entscheidend dafür, dass es global wirtschaftlich wieder bergauf geht.“

Er sieht jedoch einige Unsicherheiten in den Vereinigten Staaten. Zum einen sei die Infektionslage in einigen Bundesstaaten dramatisch, zum anderen stünden die USA mit der Präsidentschaftswahl im November „vor einer politischen Richtungsentscheidung“.

Lesen Sie hier das komplette Interview:

Herr Zachert, erkennen Sie Signale, die die Wirtschaft zuversichtlich stimmen können?
Das zweite Quartal war für die globale Wirtschaft verheerend. Wir erkennen aber eine graduelle Erholung. Die kommt natürlich von einem sehr niedrigen Niveau, ist aber erfreulicherweise seit einigen Wochen recht stetig.

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    Wie läuft es in den großen Wirtschaftsregionen?
    China ist eindeutig der Motor der Erholung, die Wirtschaft dort hat schon ordentlich an Fahrt gewonnen. In Europa geht es nach dem heftigen Einbruch mit kleinen Schritten voran, es bleibt zu hoffen, dass die konjunkturelle Stimulierung durch die Politik ihre Wirkung zeigt. Das größte Risiko bleiben die USA.

    Wie schätzen Sie die Lage dort ein?
    Auch in Nordamerika spüren wir eine leichte Belebung. Es gibt aber einige Unsicherheiten: Zum einen ist die Infektionslage in einigen Bundesstaaten dramatisch. Zum anderen stehen die USA vor einer politischen Richtungsentscheidung. Klar ist: Als größte Volkswirtschaft sind die USA entscheidend dafür, dass es global wirtschaftlich wieder bergauf geht. Auch China braucht Amerika als Absatzmarkt. Die Chinesen allein werden die Weltwirtschaft nicht retten.

    Bereiten Sie sich intern schon auf eine zweite große Infektionswelle vor?
    Wir alle sollten weiter konsequent auf Gesundheitsschutz setzen, das tun wir auch bei Lanxess. Und dabei muss man fortlaufend aus den Maßnahmen Lehren ziehen. Ich halte die Disziplin, die wir Deutschen im Umgang mit der Pandemie überwiegend bewiesen haben, für ein absolutes Erfolgsrezept. Dies hat uns zusammen mit der Stärke des Gesundheitssystems in eine vergleichsweise gute Situation gebracht. Wir müssen diese Disziplin jetzt auch weiter an den Tag legen.

    „Wir sehen Chancen in der Elektromobilität“

    Am Anfang der Krise standen bei den Unternehmen Risikomanagement und Liquiditätssicherung ganz oben auf der Agenda. Nun schalten einige wieder auf Wachstum. Welche Strategie verfolgen Sie?
    Natürlich setzen wir weiter auf Liquiditätsmanagement und müssen Geschäfte und Lieferketten eng steuern. Wir haben aber auch in der Krise unsere wichtigen strategischen Projekte weiter vorangetrieben. Das hat sich bewährt, wie unsere Performance im zweiten Quartal gezeigt hat.

    Lanxess hat sein Portfolio in den vergangenen Jahren auf konjunkturrobustere und weniger kapitalintensive Segmente verlagert. In welche Richtung wird der Umbau in den nächsten Jahren weitergehen?
    Die Marschrichtung lautet „Klasse statt Masse“. Wir sehen Chancen in der Elektromobilität, etwa in unserem Projekt zur neuartigen Gewinnung von Lithium für Batterien. Sollte sich die Technologie durchsetzen, werden wir in größerem Stil investieren. Unsere starke finanzielle Situation lässt auch größere Zukäufe zu, die wir uns in allen Segmenten vorstellen können. Wir sind gerüstet für Übernahmechancen, die sich durch die Corona-Pandemie sicherlich bieten werden.

    Ist die Fokussierung auf überschaubare Spezialsegmente der richtige Weg für europäische Chemiehersteller, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können?
    Für Lanxess ist es der richtige Weg. Aber nicht alle Wettbewerber sind mit dem Schwenk auf die Spezialchemie erfolgreich. Zudem kann auch ein europäisches Unternehmen in der Massenchemie erfolgreich sein, wenn es über die nötigen Kapazitäten und integrierte Wertschöpfungsketten verfügt.

    Welche Lehren ziehen Sie aus dem Pandemieschock für die Führung eines Unternehmens?
    In einer solchen Krise zahlt es sich aus, nicht zu abhängig von einzelnen Märkten zu sein. Wir stellen zum Beispiel Schmierstoffe für die Luftfahrt her, wenn das aber unser größtes Segment wäre, hätten wir jetzt ein Problem. Klumpenrisiken im Portfolio zu vermeiden ist also eine Lehre aus der Krise. Die andere ist, dass Firmen eine starke Unternehmenskultur brauchen.

    Wie muss die aussehen?
    Gerade in einer solchen Krise müssen Firmen einen starken Teamgeist haben. Solidarität und gegenseitige Hilfsbereitschaft in der Belegschaft sind extrem wichtig. Unternehmen müssen flexibel und dynamisch sein, gerade in schwierigen Situationen wie zuletzt zeigt sich, dass monolithisch-starr geformte Organisationen mit ausgeprägter Hierarchie nicht schnell genug agieren. Die Firmen sollten die Krise dazu nutzen, sich zu verändern und Ballast loszuwerden.

    Wie stehen Sie zum Thema Homeoffice?
    Ich hätte nie gedacht, dass die Verwaltung eines Unternehmens funktioniert, wenn 85 Prozent der Verwaltungsmitarbeiter im Homeoffice sind. Das war für mich eine lehrreiche und beeindruckende Erfahrung. Es war aber auch einer Extremsituation geschuldet. Wir werden uns dem Thema Homeoffice öffnen, wollen aber eine gute Mischung aus Heimarbeit und Präsenz. Ich bin überzeugt, dass Mitarbeiter den persönlichen Austausch brauchen und nicht nur digital kommunizieren wollen.

    Mehr: Chemieindustrie sendet Zeichen der Erholung in die Welt

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