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McKinsey-Studie „Adrenalin für Innovationen“: Sechs Hebel für eine Verdoppelung des Wirtschaftswachstums

Die Unternehmensberatung McKinsey mahnt eine „kreative Erneuerung“ der deutschen Wirtschaft an. Vor allem im Mittelstand sieht sie Nachholbedarf.
23.06.2021 - 12:44 Uhr Kommentieren
Will die deutsche Wirtschaft ihren Vorsprung halten, muss sie konsequent in Forschung und Entwicklung sowie lebenslanges Lernen ihrer Mitarbeiter investieren. Quelle: BASF
Blick ins Forschungslabor

Will die deutsche Wirtschaft ihren Vorsprung halten, muss sie konsequent in Forschung und Entwicklung sowie lebenslanges Lernen ihrer Mitarbeiter investieren.

(Foto: BASF)

Düsseldorf Deutschland könnte mit den richtigen Weichenstellungen in Unternehmen und Politik sein Wirtschaftswachstum bis zum Jahr 2030 auf zwei Prozent jährlich verdoppeln. Zu diesem Ergebnis kommt die Unternehmensberatung McKinsey in einer groß angelegten Studie über die Zukunftschancen der deutschen Wirtschaft.

Die Berater fordern darin eine „kreative Erneuerung“ der Unternehmen vor dem Hintergrund technologischer Disruption, demografischer Herausforderungen und der Klimaschutzziele. „Die Coronakrise war Adrenalin für Innovationen. Diese Dynamik müssen wir erhalten, wenn wir die Erfolgsgeschichte der deutschen Wirtschaft weiterschreiben wollen“, sagte McKinsey-Deutschlandchef Fabian Billing am Mittwoch.

McKinsey hat sechs Hebel für ein stärkeres Wachstum ausgemacht. Die Studie stützt sich auf interne Untersuchungen, Gespräche mit Topentscheidern aus der Industrie und eine im Frühjahr 2021 durchgeführte repräsentative Umfrage unter 5000 Deutschen im Alter von 20 bis 65 Jahren.

Im Kern lautet das Ergebnis, dass sich die deutschen Firmen viel stärker neuen Technologien zuwenden müssen und dass sie ihre Mitarbeiter noch besser auf die neuen Anforderungen in den Jobs vorbereiten sollten. Dass dies kein einfaches Unterfangen ist, zeigen schon die Umfrageergebnisse.

Zwei Drittel der Deutschen erwarten bis 2030 einen radikalen Wandel in der Wirtschaft, dem immerhin vor allem die 20- bis 29-Jährigen optimistisch entgegensehen. Doch es zeigt sich zugleich Skepsis und Sorge über den Einsatz neuer Technologien wie Künstlicher Intelligenz oder Gentechnik. Eine Mehrheit der Befragten steht dem eher negativ gegenüber.

Mittelstand braucht mehr Softwarekompetenz

Dabei liegt darin aus der Sicht von McKinsey der Schlüssel für mehr Wachstum. Der deutsche Industriesektor sei gut im klassischen Geschäft, allerdings sei es zuletzt kaum noch gewachsen. Traditionelle Kernsektoren wie Automobil, Maschinenbau und Chemie sollten stärker sektorübergreifende Chancen suchen, wie es etwa die Autoindustrie schon im Softwaregeschäft macht.

Größere Sorgen macht sich McKinsey aber um den deutschen Mittelstand. Die hochspezialisierten Firmen seien mit der Herstellung von Hardware über Jahrzehnte erfolgreich gewesen, stünden aber nun am Scheideweg. Für den weiteren Erfolg bräuchten sie viel mehr Softwarekompetenz. Viele Weltmarktführer arbeiteten bereits an dieser Umstellung, in der Breite aber falle dem Mittelstand dies schwer, beobachten die Berater.

McKinsey sieht sogar eine nachlassende Risikobereitschaft und eine sinkende Innovationsquote in vielen mittelständischen Firmen. Das aber seien genau die Erfolgsfaktoren, mit denen die nun abtretende Gründergeneration die Unternehmen in den zurückliegenden Jahrzehnten groß gemacht hat.

In der Forschung und Entwicklung (F&E) sei die deutsche Wirtschaft etwa bei Automatisierung und Materialwissenschaft stark, weniger aber bei Zukunftsthemen wie Next-Generation-Computing und KI. Unternehmen und Staat sollten daher die Ausgaben für F&E in den nächsten Jahren verdoppeln, rät McKinsey.

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Einige Großunternehmen treiben bereits den Einsatz vielversprechender Computertechnologie voran. So hat sich jüngst ein Konsortium von Industriekonzernen zusammengetan, um gemeinsam Projekte im Quantencomputing anzugehen, darunter BASF, Merck, Volkswagen und SAP. Die Quantentechnik soll ganz neue Möglichkeiten in Grundlagenforschung und Produktentwicklung bringen.

Millionen Arbeitnehmer brauchen neue Kompetenzen

Den Schlüssel für den erfolgreichen Einsatz neuer Technologien sehen die McKinsey-Experten in der Expertise der Beschäftigten. Ihren Berechnungen zufolge werden bis 2030 rund vier Millionen Beschäftigte in komplette andere Tätigkeiten wechseln müssen, weitere 6,5 Millionen müssen neue Fähigkeiten in der Digitalisierung aufbauen.

Dazu müsste das starre System der Trennung von Ausbildung und Berufsleben aufgebrochen werden. Nötig sei ein neues, auf lebenslanges Lernen ausgerichtetes Bildungssystem, das dual auf Lernplattformen und Jobtraining ausgerichtet ist.

Die Umfrage zeigt darüber hinaus, dass es bei den 20- bis 40-Jährigen eine grundsätzlich hohe Bereitschaft zur Gründung eines Unternehmens gibt. Um dies zu nutzen, werde mehr Venture-Capital gebraucht, vor allem aber müsse es gelingen, dass die jungen deutschen Einhörner mit Milliardenbewertung ihre Geschäftsmodelle dauerhaft kommerzialisieren und skalieren können.

Im Staat sieht McKinsey den sechsten Hebel: Die Politik sollte den Unternehmen mehr Planungssicherheit geben – etwa bei dem Megathema Energiewende. Neben einer digital ausgerichteten Verwaltung sei aber vor allem eines gefragt: weniger Bürokratie.

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