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Medizintechnik Milliarden-Wette auf die Zukunft: Siemens Healthineers übernimmt US-Firma Corindus

Die Siemens-Tochter wagt erstmals seit dem Börsengang eine große Übernahme. Corindus ist auf robotergestützte Gefäßinterventionen spezialisiert.
Update: 08.08.2019 - 13:57 Uhr Kommentieren
Der Einsatz von Robotern in der Chirurgie, aber auch  das Operieren mit virtueller Navigation sind derzeit große Themen in der Medizintechnik. Quelle: Corindus
System von Corindus im Einsatz

Der Einsatz von Robotern in der Chirurgie, aber auch das Operieren mit virtueller Navigation sind derzeit große Themen in der Medizintechnik.

(Foto: Corindus)

München, Frankfurt Als die Siemens-Tochter Healthineers vor knapp anderthalb Jahren an der Börse startete, rechneten viele mit einer großen Übernahme. Doch der Börsenneuling konzentrierte sich zunächst auf das interne Wachstum und den Start der neuen Diagnostik-Plattform Atellica.

Doch nun wagt das Unternehmen die große Übernahme. Für 1,1 Milliarden Dollar erwirbt Healthineers die US-Firma Corindus Vascular Robotics. Diese erzielt noch sehr geringe Umsätze von zuletzt knapp elf Millionen Dollar und macht Verlust. Doch gilt sie als Hoffnungswert im Bereich der Robotermedizin.

Corindus ist auf die Technik für roboterassistierte gefäßchirurgische Eingriffe spezialisiert. Wenn zum Beispiel bei einer Thrombose eine Gefäßstütze, also ein Stent, gesetzt werden muss, kann der Arzt dies aus dem Nebenraum heraus mit einem Joystick tun. Der Eingriff geht so präziser und schneller. Der Arzt wird so auch weniger Strahlung ausgesetzt.

Eine so kostspielige Übernahme hat die Siemens-Tochter lange nicht mehr gestemmt. Die bislang größte Akquisition, der Kauf des Diagnostik-Spezialisten Dade Behring für mehr als sieben Milliarden Dollar, liegt zwölf Jahre zurück.

Mit der Milliardenwette auf die Zukunft setzt sich Healthineers-Chef Bernd Montag unter Druck. In Aufsichtsratskreisen hieß es zwar: „Das ist ein mutiger Schritt, der vom Aufsichtsrat mitgetragen wird.“ Der Zukauf passe ideal zur Strategie, allerdings sei der Preis ambitioniert. Das Management müsse nun beweisen, dass der Plan aufgehe.

Montag selbst sagte zu der spektakulären Übernahme: „Mit Corindus ist Siemens Healthineers hervorragend positioniert, um als einer der führenden Anbieter im Bereich der robotergestützten Gefäßinterventionen zu agieren und minimalinvasive Prozeduren präziser, schneller und effektiver durchzuführen.“

Healthineers will die Robotertechnik mit der eigenen Bildgebung für minimalinvasive Eingriffe verknüpfen. Bei solchen Operationen sind Echtzeitbilder elementar. Die Corindus-Technologie soll zudem mit der Vertriebskraft von Healthineers weltweit ausgerollt werden.

Die Akquisition scheine gut zur Sparte der spezialisierten Therapien von Healthineers zu passen, meinen die Analysten der Royal Bank of Canada. Der Preis, der dem 37,5-Fachen des für 2020 erwarteten Umsatzes entspreche, erscheine aber selbst für die Medizintechnikbranche hoch.

Marktführer Intuitive Surgical, der das roboterassistierte Operationssystem Da Vinci vertreibt, wird an der Börse mit dem knapp 15-Fachen seines Umsatzes von zuletzt 3,7 Milliarden Euro bewertet. Es müssten also Synergien gehoben werden, um den Preis von Corindus zu rechtfertigen, so die Analysten.

Der Einsatz von Robotern in der Chirurgie und computerunterstützte minimalinvasive Eingriffe gelten als große Wachstumsfelder in der Medizintechnik. Verschiedene Marktforschungsunternehmen prognostizieren jährliche Zuwachsraten von teilweise bis zu 20 Prozent in einzelnen Bereichen.

Corindus ist in den großen Therapiefeldern der minimalinvasiven Gefäßeingriffe tätig, allen voran Herzerkrankungen, die weltweit zu den häufigsten Todesursachen zählen. Die Technologie von Corindus soll künftig auch im Rahmen einer Fernbehandlung eingesetzt werden können, womit beispielsweise Herzinfarktpatienten schneller versorgt würden.

Probleme mit Atellica

Healthineers mit zuletzt 13,4 Milliarden Euro Jahresumsatz ist derzeit stark insbesondere in der Bildgebung, zum Beispiel mit Röntgenapparaten und Computertomografen. Zudem hofft der Konzern, mit der neuen Diagnostikplattform Atellica die lange schwächelnde Diagnostiksparte wieder auf Erfolgskurs zu bringen.

„Künstliche Intelligenz wird Medizinern die Arbeit erleichtern, sie aber nie ganz ersetzen“

In den vergangenen Monaten gab es allerdings Probleme bei der Einführung der Systeme; das Unternehmen musste die Prognose für die Zahl der ausgelieferten Atellica-Plattformen senken. Daneben setzt der Konzern wie die Konkurrenz stark auf Zukunftstechnologien wie zum Beispiel den Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Radiologie.

Nun also folgt mit der Corindus-Übernahme der Einstieg in die Roboterchirurgie. Corindus mit Sitz im US-Bundesstaat Massachusetts wurde 2002 von dem Kardiologen Rafael Beyar und Tal Wenderow gegründet. Im vergangenen Jahr stiegen die Umsätze von 9,7 auf 10,8 Millionen Dollar. Der Nettoverlust erhöhte sich leicht auf 35 Millionen Dollar.

Healthineers zahlt 4,28 Dollar je Aktie in bar, die Akquisition soll mit einem Finanzierungsdarlehen der Konzernmutter Siemens gestemmt werden. Die Transaktion wird voraussichtlich zum Ende des Kalenderjahres abgeschlossen. Der Corindus-Vorstand unterstützt die Übernahme.

Mehr: Siemens steht vor einem Umbau und muss viele Hürden gleichzeitig nehmen. Im Abschwung könnten sich auch die Nachteile der neuen Struktur zeigen.

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